Fahrbericht BMW i8 – Très chic, les voitures bleues!

Ja, wir wurden gestreichelt. Massenhaft. Allerdings nur so lange, bis wir uns vom i8 entfernt hatten. Bis dahin war Daumen hoch angesagt. Hier und da mal eine Frage. Topspeed oder so was. Aber sonst. Charmant die Franzosen und begeisterungsfähig. Kleine Jungs, mittelalte Männer, Herren im feinen Zwirn, Damen im schnöden, deutschen Kleinwagen, Mädels mit Wauwau und schnelle Jungs in ihren röhrenden Kisten mit Kaminrohr hinten drin und reichlich Lametta unter der Haube.

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

Los ging´s schon in Koblenz, jener Stadt die einst mehr als 13 Kasernen zu versorgen hatte. Massen von Wehrpflichten, die jeden Abend die Altstadt in eine Disco verwandelt haben und die Koblenzer Damenwelt im eigenen Heim bei Gottschalk und Salzstangen hielten. Und dann stand der i8 am Rheinufer und wurde fleissig abgelichtet, gefacebooked und mit nach Hause genommen. „Coole Karre Alter“ Ja, äh, danke.

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

Morgens dann, mitten im Berufsverkehr rüber nach Luxembourg oder besser nach Wasserbillig. Preiswert tanken, und ab Richtung Metz. Die erste Maut-Station weckt den Frühsportler in uns zum Leben. Karte ziehen, so dicht wie nur möglich an den dicken Bordstein, abschnallen, Sitz zurück, den Oberkörper aus dem Wagen raushalten, die Scheibe fährt nicht ganz runter und der Bauch ist dann plötzlich auch ganz wach. Weiter hinten freut sich wer. Das Handy klickt und man rennt am Abend ins Internet und sucht nach „Typ hängt halb aus nem i8 und versucht ne Karte aus dem Maut-Automat zu ziehen.“ Bisher erfolglose Suche. Und der Mensch lernt schnell. Ab sofort gilt: Rechts ran und aussteigen. Das ist bequemer, eleganter und schneller.

Fahrbericht BMW i8 – Très chic, les voitures bleues!

Die Ardennen ziehen vorbei, die Eifel auf Französisch. Grün, leichte Hügel wechseln sich mit schönen Tälern ab. Das Auenland könnte so aussehen, läge es nicht in Neuseeland. Historische Orte  liegen am Rand, vor allem Verdun. Langsam kommt Reims ins Blickfeld, das Navi, vollkommen BMW-like, schiebt die vermeintliche Hauptstadt der Champagne von oben in den Monitor. Unser erster Zwischenstopp und ein Highlight der Tour i France. Der Circuit de Reims-Gueux. Hinweisschilder sind nicht in Sicht. Unser Hotel, das „La Paix“ liegt mitten in der Altstadt. Es gehört zur Best Western Gruppe und wird dort mit einem + versehen, was vollkommen in Ordnung geht. Wie es sich dort wohnt und speist, erzählen wir in einem separaten Beitrag. Die Kamera ruft und wir folgen den Spuren einer der schnellsten Rennstrecken Europas.

Der i8, als Botschafter der Zukunft unterwegs, sein Design spricht Bände, rollt langsam an den Strassenrand. Die Landstrasse ist gut befahren, hier und da fühlt sich ein Fahrer als Pilot eines Rennwagens und gibt exakt auf Höhe der Start-Ziel-Linie Vollgas. Vor uns ein roter Truck mit Briten und Kameras, dahinter ein wunderbarer, blauer Renault 4CV oder auch Crèmeschnittchen genannt. Der Viertürer stammt aus der Nachkriegszeit und darf neben dem 2CV von Citroen als französischer Volkswagen bezeichnet werden. Nun steht er da und strahlt. Jean-Pierre Jaillant kommt vorbei, er ist der Vorsitzende des Clubs „Les Amis du circuit de Gueux“ und er erklärt uns, was wir derzeit hier sehen können. Die gesamte Anlage, Boxengassengebäude, die dahinter liegenden Häuser und die grosse Tribüne auf der anderen Strassenseite sind mittlerweile Nationaldenkmäler, dürfen also weder abgerissen noch baulich verändert werden. Man hat in den letzten Jahren immer wieder versucht diesem historischen Ort wieder motorsportliches Leben einzuhauchen, leider vergeblich. Das Geld für die notwendige Renovierung wird mühsam über Spenden und Beiträge eingesammelt. Man kümmert sich um die Ruinen und das Erbe dieser, ehemals so berühmten Strecke.

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

Wir nehmen den i8 zur Hand und lassen den Bayern einmal im Dreieck die ehemalige Strecke ablaufen. Keine Schikanen, zwei Kehren und der Rest mehr oder weniger kerzengerade, uns wird klar, weshalb man hier früher mit Highspeed unterwegs war. Jack Brabham rannte hier Mitte der 60er mit einem Durchschnitt von 220 km/h durch. Wer hier überholen wollte musste das Thema Windschatten im Griff haben. Heute läuft der i8 mit den erlaubten 80 km/h durch. Zaungast.

Wieder an der Boxengasse. Aufstellung zum Kamera-Posing. Die Flügel oder besser Türen hoch. Der BMW kann aus der Vogelperspektive seine Figur zeigen. Hüfte, Taille, die kurze Front und die Scheren. Der Effizienz-Sportler mit dem zur Zeit wohl coolsten Outfit wirkt von oben eher zierlich.

Dann die Seite, Türen wieder offen, der Blick durch den Innenraum. Zwei Sitze plus Sitzchen, die viel lieber von Taschen und anderem Gepäck bewohnt werden. Der Kofferraum im Heck reicht für einen Trolley und vier Flaschen Wasser, wobei die schon arg warm werden können.

Foto: Ralf Bernert Renault 4CV
Foto: Ralf Bernert Renault 4CV

Bevor der i8 seine verdiente Nachtruhe der Tiefgarage des Hotels antritt, noch schnell ein paar Worte zu den ersten 1.000 Kilometern. Der i8 kann schnell, sportlich und auch laut werden. Der Dreizylinder wird in Verbindung mit dem Elektromotor zum echten Antriebskerl, wobei der Benzinverbrauch dann deutlich nach oben läuft. Bewegt man den i8 allerdings als echten Hybrid, also mit vollem Akku und dem Punch des E-Motors, wird der Bayer zum Vorbild, was er in puncto Design eh schon ist. Damit haben sich Adrian van Hoydonk und sein Team einen Pokal plus Urkunde und Medaille verdient. Sagen wir und die unzähligen Handy-Fotografen auf der Reise. Einer sei zitiert:“ Wenn ich meinem Sohn erzähle, dass ich den i8 gesehen hab und kein Foto mitbringe, redet der eine Woche nicht mit mir.“ Na dann.

Text und Fotos: Ralf Bernert

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Jean-Pierre Jaillant, Präsident des Clubs "Les Amis du circuit de Gueux"
Jean-Pierre Jaillant, Präsident des Clubs „Les Amis du circuit de Gueux“