Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Adieu Monsieur

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Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Adieu Monsieur

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive - Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Foto: Ralf Bernert

So langsam, ganz langsam, kramt man das Taschentuch aus der Hosentasche. Es wird Zeit über den Abschied des 6er BMW nachzudenken. Eine kurze, emotionale Tour haben wir mit dem grossen Diesel unternommen und festgestellt, dass der 313-PS-Diesel sehr genügsam ist.

Nein, getreten haben wir den 6er nicht wirklich. Mal auf 250 Sachen, ok. Mal aus dem Stand bis 100 km/h im Sport+-Modus, auch ok. Aber sonst sind wir im Komfort-Modus durch die Lande gezogen. Mit der Ruhe des Reihen-6-Zylinders und der wirklich eindrucksvollen Dämmung, plus einer Inneneinrichtung, die klassisch-typisch für einen BMW der oberen Klasse ist. Wir haben uns in den Wagen gesetzt, als gelte es sehr entspannt wieder auszusteigen. Es hat sehr gut funktioniert.

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Angefangen hat die Geschichte des 6er BMW Mitte der Siebziger. Mit dem E24. Oder noch genauer mit dem E9 Ende der Sechziger. Es ging um ein Coupé, ein Coupé oberhalb der Mittelklasse und das war der 2800 CS und später dann der 3.0 CS. Beides waren und sind feine Autos für Menschen die Stil und Sport auf einem Niveau verbunden sehen wollten. Angetrieben wurden beide mit dem berühmten Reihensechszylinder, was auch beim E24 so weiter geführt wurde.

Bis 1989 ging das so weiter und der 8er stand vor der Tür und der spielte preislich und auch technisch in einer anderen Liga. V8 oder V12 sassen unter der langen Haube. 1999 war das Kapitel 8er keines mehr.

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Seit 2003 unterwegs

Eine Pause der Entwicklung folgte und der neue 6er wurde 2003 vorgestellt. Die Bezeichnung E63 war ein Hinweis auf die Plattform des Coupés, die 5er Baureihe (intern E60) diente als Basis. Unter der Fronthaube arbeitete wieder ein Reihensechszylinder, später dann auch ein V8 und im M6 sogar ein V10. Berühmt ist das Heck, man nennt es „Bangle-Heck“, weil Chris Bangle, der US-Designer im BMW-Diensten den Kofferraum mit einem aufgesetzten Deckel versah und der gefiel nicht jedem.

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Seit 2003 rollt der 6er als Coupé, Cabriolet und viertüriges Grand Coupé durch die Lande und so langsam ist die Zeit für eine neue Ära reif. Im Frühsommer 2017 zeigte BMW im Rahmen des Concorso D´ Eléganza das Konzept für eine neue 8er Baureihe und das heisst dann wohl: Adieu Monsieur de Luxe. Und genau deshalb haben wir den 6er in seiner Form als GT noch einmal erleben wollen.

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive - Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Foto: Ralf Bernert

Weshalb Diesel? Weil wir nur den bekommen konnten. BMW hatte in dem von uns gewünschten Zeitraum nur einen 6er ohne Zündkerzen zu Hand, was nicht wirklich schlimm war, weil wir weder Rennen gewinnen noch alle 300 Kilometer zur Tankstelle fahren wollten. Wir wollten ihn laufen lassen, ihm zuschauen wie er unsere Wünsche erfüllt und ob man das Erbe des E9 spüren kann und weil wir E9 und E24 schon mal bewegen durften, war ein Vergleich durchaus machbar.

Wenn nun 2018 der 8er den Platz des 6er übernehmen wird, sollte sich einiges ändern. Nach den uns vorliegenden Informationen zur neuen Baureihe, wird das Thema Sport wieder weiter vorn stehen. Der 6er, wenn auch im Motorsport eingesetzt, stehet eigentlich für die Mischung aus Leistung und Komfort. Er ist also mehr der GT und genau so haben wir den 640d erlebt.

Fahrbericht BMW 640d Coupé xDrive – Langstrecke als Revier

Die Laufruhe des Reihensechszylinders, das, vor allem im Komfortmodus, bestens abgestimmte Fahrwerk setzte schon 2013 Maßstäbe. Kein anderer BMW konnte in Sachen Ästhetik und Technik mit dem 6er mithalten. Der 5er ist zu sehr hochmoderne Business-Limousine, der 7er strebt nach Höherem, in dem er die Langstrecke zu seinem Revier erhebt und den Gästen im Fond die Reise besonders angenehm gestaltet. Der 6er hingegen spielt auf den Vordersitzen sein Lied. Und das klingt eben nach Fahrdynamik plus Komfort und dem einzigen echten Coupé deutscher Herkunft, wenn man den Zweitürer der E-Klasse einmal ignoriert.

Was also werden wir vermissen? Die langen, typischen Türen, die einen motivieren, die Sitze mein Aussteigen ganz weit nach hinten zu fahren, damit des Nachbars Wagen keine Berührung in der Parklücke fürchten muss. Und dann ist da noch die Landstrasse und ihre Kurven. So sexy, so verführerisch. Und der 6er spielt den Gentleman, den Geniesser. Nicht ungeduldig und auch nicht hormongesteuert, eher verführt und mit einem Lächeln in der Kühlermaske.

Technisch ist der 6er ein All-Inclusive-Angebot. Die fast fünf Meter Auto bringen leer fast 1,8 Tonnen auf die Waage. Unter der Hülle steckt reichlich Technik, Assistenten und Vernetzung inklusive, der 640d zum Beispiel kann ausgesprochen leise durch die Stadt rollen, vergessen die Zeiten, als ein Diesel noch Geräusche absonderte, die einem denen eines Krabbenkutters um vier Uhr morgens beim Auslaufen recht ähnlich waren.

Das Thema Verbrauch und Schadstoffaustoß ist derzeit kaum ignorierbar, man wird zum Glück auch mit Benzinmotoren versorgt, das Thema Hybrid dürfte in Zukunft noch stärker in den Fokus der Kundschaft geraten. Gefallen hat uns die Eco-Fahrmodus, der einem kleinen Zeigefinger gleich, den Fahrer informiert, wie man den Treibstoffverbrauch weiter senken kann.

Ein Fazit. Der 640d mit seinen 313 PS und vor allem mit einem maximalen Drehmoment von 630 Newtonmeter ist ein Langstreckensportler klassischer Art. Er ist bequem, souverän und auch exklusiv. Immerhin werden fast 92.000,00 Euro verlangt und das ist erst der Einstieg. Die 100.000,00 Euro-Marke kann man leicht knacken und dann steht ein Luxus-Auto vor der Tür, das Erwartungen weckt, die weit über das Maß eines normalen Autos hinaus gehen. Unser Testwagen war ein solcher Wagen. Und er hat die Erwartungen erfüllt. Auch, weil er schnell, sparsam und komfortabel zugleich war. Das Design, Innen wie Außen, ist BMW-typisch, modern aber nicht progressiv. Eher klassisch und genau das mögen wir. Ob der 8er dem 6er das Wasser reichen kann, bleibt abzuwarten.

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Fotos: Ralf Bernert

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: 6-Zylinder TwinTurbo Diesel Reihe
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 230 kW / 313 PS bei 4.400 U/min
Drehmoment: 630 Nm bei 1.500 bis 2.500 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:
Länge: 4.894 mm
Breite: 1.894 mm
Höhe: 1.369 mm
Tank: 70 Liter
Radstand: 2.855 mm
Wendekreis: 11,7 Meter
Leergewicht: 1.795 kg
Kofferraum: 460 Liter

Fahrleistungen:
Top Speed: 250 km/h
0-100 km/h: 5,1 Sekunden

Verbrauch kombiniert nach EU-Zyklus: 5,5 l/100 km
CO2: 146 g/km

Unser Verbrauchswert basiert nicht auf technischen Messverfahren. Wir haben den Testwagen mit vollem Tank erhalten und ihn mit rund 50 Prozent Inhalt wieder abgegeben. Mit den rund 30 Liter Diesel sind wir exakt 553,56 Kilometer gefahren. Das ergibt einen Verbrauch von zirka 5,4 l/100 km.

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