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Fahrbericht BMW 328 Roadster: Der blaue Bergsteiger

Der Aufstieg in Richtung Gipfel ist ein Vergnügen, eine Ausfahrt in einer Ikone. Der 328 Roadster von BMW, Baujahr 1938, war einst König der Bergrennen. Ein Gipfelstürmer seiner Zeit. Heute ist der kleine Zweisitzer fast achtzig und er hat nichts von seiner Faszination verloren.


An diesem BMW ist alles irgendwie einfach. Der Roadster hat 80 Jahre auf der Karosserie und sein Motor läuft, als wäre er ein Teenager. Die sechs Zylinder arbeiten nicht, sie swingen. Das Getriebe sortiert die vier Gänge wie der beste Buchhalter der Welt, die Scheibenwischerchen tanzen von links nach rechts, das Dach ist nicht da, Seitenscheiben auch nicht, Schlüssel sind überflüssig und das Lenkrad ist vollkommen frei von irgendwelchen Knöpfen oder Schaltern. Reinsetzen, anlassen, Gang rein, Gas geben, fertig.


Die kleinen Türen ist nur von Innen zu öffnen. Dann folgt das rechte Bein, mit dem rechten Fuß auf dem Bodenblech abstützen, den Hintern schnell auf den schmalen Sitz verfrachten und dann das linke Bein hinterher. Man sitzt und schliesst die Tür. Die Lederschlaufe muss noch über den verchromten Stift, der 328 Roadster ist mit sogenannten Selbstmördertüren ausgestattet, sie sind direkt neben dem hinteren Radlauf angeschlagen, gehen also nach hinten auf und das kann im schlimmsten Fall unangenehmen werden. Deshalb die Schlaufe als zusätzliche Sicherung.


Der 328 ist ein kleiner Wagen, 3,90 Meter misst der Bayer, in der Breite passt er durch die engsten Gassen, gerade mal 1,55 Meter wurden gemessen. Zum Vergleich, der aktuelle 7er BMW ist einen halben Meter breiter. Dafür wiegt der 328 zarte 830 Kilo und die werden von den knapp 85 PS recht zackig bewegt. Dazu die präzise Lenkung und heraus kam ein Sportwagen, der an Wendigkeit und Fahrleistung vor allem am Berg kaum bezwungen werden konnte. Genau das war das Rezept für die eindrucksvolle Karriere dieses BMW, der in seiner Hubraumklasse zahlreiche Rennen gewann.


Der BMW 328 Roadster strahlt mit den Gipfeln um die Wette


4.500 Umdrehungen kann man dem Motor noch zumuten, 130 km/h sind auf einer ebenen Gerade noch drin. Aber der Spaß beginnt beim Anstieg. Das Montafon und seine Hochalpenstraße sind das Paradies, die Kehren und Aussichten auf die Gipfel und das Tal die Offenbarung für die nächste Tage. Die Silvretta Classic, eine Oldtimer Rallye, das perfekte Motiv. Alles um uns herum strahlt, freut sich, winkt uns zu, begrüßt und verabschiedet uns. Der kleine, blaue BMW in seinem Element, ein Fisch im Wasser der Berge. In den nächsten drei Tagen verwachsen die Hände mit dem schlanken, großen Lenkrad, der Kupplungsfuß ist der beste Freund des Motors, die vier Gänge werden zur Gang, wobei vor allem in den Bergen nur die ersten drei Schaltstufen wirklich ins Arbeiten kommen. Der Motor mit seinen sechs Zylindern arbeitet, schnurrt, leistet und das mit einer Ruhe und Präzision, die man sich bei einigen modernen Autos wünscht. Es ist eine Freude.


Den größten Spaß bringen die engen Kehren bergauf. Zuerst die Gerade für den Anlauf, dann herunter in den Zweiten schalten, Zwischengas nicht vergessen, dann ein wenig abbremsen und mit Schwung in die Kurve, in der Mitte dann Gas geben, den Motor bis auf 4,500 Touren bringen und wieder hoch in den Dritten, bis zur nächsten Kurve. So geht das eine gute halbe Stunde, der Motor geniesst den sportlichen Ausritt, die Lenkung und Fahrwerk arbeiten wie am ersten Tag. Der knackige Zweisitzer ist in seinem Element und er reisst die Besatzung mit. Bergab werden dann die Ohren gespitzt, die Trommelbremsen arbeiten bis ans Limit, sobald sie quietschen, ist Vorsicht angesagt. Dann übernimmt der Motor die Reduktion der Geschwindigkeit. Motorbremse, was bedeutet, dass man den Wagen in einem niedrigen Gang laufen läßt und die Temperatur im Auge behält. Im schlimmsten Fall ist eine Pause am Straßenrand angesagt. Wie gesagt, er ist fast 80 und er besteigt noch immer mit großer Leidenschaft Berggipfel.

Fotos: Gudrun Muschalla/Hardy Mutschler