Bis auf 3.715 Meter hoch könnte er steigen. Auf Teneriffa. Wir haben den nagelneuen RS Q8 nach Oben geschickt. Kurven und Lavasteine. Unten Sommer, oben Winter und der Ingolstädter musste zeigen, wie er sich macht, wenn die Luft ein wenig dünn wird.

127.000,00 Euro werden verlangt. Mindestens. Das ist eine Menge Holz und dafür darf dann auch was verlangt werden. Top Speed und Standardbeschleunigung ist dann doch zu wenig. Das können viele andere auch liefern. Es geht dann doch um das Thema Coupé, also die Silhouette. Das Heck läuft deutlich nach unten, also die Dachlinie und genau das ist derzeit en voque. Also eigentlich seit dem X6 aus München. Aber wir schreiben keinen Vergleichstest. Wir sitzen im schnellsten, stärksten und vermutlich auch coolsten aller Q8. 600 Pferdestärken und 800 Newtonmeter liegen an und wir entfernen uns vom Hotel direkt am Meer auf Teneriffa. 25 Grad auf der Kopfhaut, Sonnenbrille auf der Nase und wir chillen mal eben nach Oben. Ins Gebirge inklusive Kurven und kurzen Geraden dazwischen.

Teneriffa, jenes Eiland, das wie seine Kollegen, den anderen Kanarischen Inseln, Teil des Afrikanischen Kontinents ist und zu Spanien gehört, ist eine Vulkaninsel und deshalb mit schwarzen Lavasteinen bedeckt ist. Das ist hübsch anzusehen, für Fotos wunderbar geeignet und leider auch nur auf befestigten Wegen befahrbar ist. Unsere 23-Zöller würde im Handumdrehen die Luft ausgehen. Lavagestein ist ungemein hart und sehr scharfkantig. Ausflüge in die Botanik sind nur mit äusserster Vorsicht möglich. Rein geht, raus meist nur mit mindestens einem Platten.

Fahrbericht Audi RS Q8 – Tanz auf dem Vulkan

Wir lassen also die Geländefertigkeiten des RS Q8 links liegen und konzentrieren uns auf die dynamischen Qualitäten des Ingolstädters. Ab Werk sind Allradlenkung, Luftfederung, Keramik-Bremsen und zahlreiche Fangleinen an Bord. Also Spurhalte-, Abstands-, Bergabfahr-, und weitere 26 Assistenten. Eine Wankstabilisierung ist auf Wunsch auch dabei, plus ein Effizienz- und ein Kreuzungsassistent. Der ganze Wagen ist ein rollendes Lager an Computertechnik. Es gibt sogar Umgebungskameras, die den Fahrer vor Hindernissen warnen können. Falls mal ein besonders neugieriger Lavastein vor den Wagen rollt.

Die ganze Armada an Technik sorgt für ein besonders sicheres und, wenn gewollt, auch für ein dynamisches Fahrvergnügen. 600 PS plus ein paar Superhirne, es geht natürlich um den Vortrieb und den Sound, der da hinten aus den Rohren springt und die frohe Kunde von der Potenz des Über-Q8 verkündet. Der RS Q8 kann laut und sehr offensiv klingen. Und er kann auch genau so schnell wein, wie klingt, vor allem, wenn man ihn an den Drehzahlbegrenzer schickt.

Leinen los, das bayrische Wunderkind rennt los, auch bergauf, als wäre ein Preis für den schnellsten Gipfelstürmer ausgelobt. Die wirklich riesigen 23-Zoll-Räder verkuppeln sich mit dem Asphalt, das Fahrwerk, auf Sport+ gestellt, meldet zwar jede Fahrbahnunebenheit, aber die Strassen Teneriffas sind bestens in Schuss. Es hoppelt, kneift oder springt also nichts. Der Wage liegt sauber und sehr satt auf der Straße. Kurven werden sauber genommen, die Lenkung gibt reichlich Rückmeldung, obwohl reinrassige Sportwagen das sicher besser können. Man vergisst hier und da, dass da 23, Tonnen plus Insassen unterwegs sind. Das Mitteldifferenzial kümmert sich um die gerechte, oder sinnvollste Verteilung des Drehmomentes und die Bremsen halten den großen Audi sehr sauber und nachhaltig auf der Spur. Bergab ist ein wenig Umsicht angesagt, weil Masse eben schiebt und viel Masse viel schiebt.

Wieder unten, die Lunge hat sich wieder beruhigt, 2600 Meter Höhe sind kein Pappenstiel. Die Landstraße mit einer langen Geraden ist perfekt für einen Zwischenspurt und der RS zeigt, wie er nach vorne gehen kann. Das Haupt kurz angehoben, die Fanfare auf volles Rohr gestellt und die bayrische, gewaltige Kanonenkugel ist tatsächlich nach weniger als vier Sekunden auf 100 km/h. Die Nummer 305 können wir nicht bringen, Teneriffa ist keine Autobahn-Insel. Beim Verbrauch lesen wir manchmal mehr als 30 Liter, was nur bei extremen Beschleunigungen passiert. Nach unserer Ausfahrt, etwa 200 Kilometer, zeigt der Bordcomputer einen Wert um 15 Liter. Ob der RS Q8 tatsächlich mit 12 Liter auskommen kann, haben wir nicht messen können. Wir schlussfolgern aber, dass man bei Tempo 120 im 8-Gang auf ebener Strecke durchaus an die 13 heran kommen kann. Ob das allerdings der Seele des RS Q8 schmeichelt wissen wir nicht. Auf alle Fälle hat uns der Tanz auf dem Vulkan gefallen. Auch weil der schnelle Q8 so bequem, komfortabel und blitzgescheit ist.

Fotos:Audi AG

Fahrbericht Audi Q8 50 TDI
Fahrbericht Audi Q7 2020

Die technischen Daten laut Hersteller:
Motor: V8 BiTurbo
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 441 kW / 600 PS bei 6.000 bis 6.250 U/min
Drehmoment: 800 Nm bei 2.200 bis 4.500 U/min

Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Gang Automatik
Lenkung: Allrad

Maße:
Länge: 4.986 mm
Breite (mit Spiegel): 1.995 mm (2.190 mm)
Höhe: 1.705 mm
Radstand: 2.995 mm
Höhe Ladekante: 820 mm
Laderaum: 605 bis 1.755 l
Leergewicht: 2.300 kg
Tank: 75 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,6 s
Top Speed: 305 km/h

Verbrauch/Co2 nach NEFZ:
kombiniert: 12,1 l/ 100 km
CO2: 277 g/km

Preis in Deutschland ab: 127.000,00 Euro