Wer hätte das gedacht, der Q7 ist nicht mehr allein. Da ist der Q8, eine Nummer weiter, aber eben nicht eine Nummer grösser. Der Q7, seit 14 Jahren in Diensten der Sicht über die Dinge des Alltags, wurde verfeinert und wir haben den grossen Audi auf Irlands schlanken Strassen ausprobiert.

Audi Q7 Foto: Audi AG

Das Heck ist dank der schlanken Leuchten und vor allem wegen der Chromspange deutlich eleganter als vorher. Die Nase wird natürlich noch immer durch die Kühlermaske mit breiter Chromumrandung dominiert. Die sehr breite hintere Säule verrät, dass wir vor einem Wagen stehen, dessen Ladelust noch immer sauber ausgeprägt ist. Wer zu Zweit reist, kann fast 2.000 Liter Sachen mitnehmen. Man könnte also nach Irland mit der Fähre reisen und auf dem Rückweg allerhand Souvenirs mitbringen. Zu Erbauung der Familie oder als Erinnerung, als man noch ohne Visum und lästige Kontrollen auf die sehr grüne Insel reisen konnte. Wir wissen es nicht, aber man könnte.

Vor dem Testdrive erzählen uns die Leute von Audi, dass man den Q7 nunmehr deutlich „robuster“ und „kraftvoller“ da stehe. Die Lamellen ganz vorn, die Lufteinlässe, die Schweller und ein Unterfahrschutz sollen das U in SUV besser betonen. Immerhin kann der Wagen dank zweier Differenziale bei Matsch, Schnee und sonstigen Wetterkapriolen noch ganz gut die Fassung waren. Er ist keine Bergziege, auch weil Bergziegen eher selten über zwei Tonnen wiegen und wenn doch, dann leben sie besser auf dem Flachland.

Fahrbericht Audi Q7 2020 – Auf Erkundungstour

Unser Testwagen hat einen Dieselmotor unter der Haube und der kann maximal 286 PS abliefern, 600 Newtonmeter Drehmoment sind auch dabei. Beides zusammen reicht dann laut Datenblatt für fast 241 km/h Top Speed und 6,5 Sekunden von Null auf Hundert. Die Energie dazu soll bei 6,8 Liter pro 100 Kilometer Strecke liegen. All´ dies haben wir nicht testen können, weil Kerry in Irland lieber 120 km/h als Höchsttempo sieht und die Strassen eigentlich viel besser für den ruhigen Swing ausgelegt sind. Es fehlt meist an zwei Dingen: Mittelstreifen und Breite. Entgegenkommende Busfahrer grüssen freundlich, vermutlich weil sie sich freuen, dass der Gegenverkehr das Tempo reduziert und den linken Rand der Strasse untersucht. Man kommt zurecht, es wird zuweilen eng aber nie richtig eng.

Während die erbauliche Landschaft an den sehr grossen Fenstern des Audi vorbei zieht und hier und da sogar ein kleiner Strand mit optischen Lockrufen von der Strasse ablenken will, erwischt man sich bei der ein oder andere Pause am Strassenrand zwecks Untersuchung der neuen, von Audi angepriesenen Technik, die es bisher im Q7 nicht gab und die natürlich erkundet werden will.

Da wäre das Kombinat aus Kameras und Sensoren, die den zehn Quadratmeter umfassenden Wagen komplett ausleuchten und auf den Motor in der Mittelkonsole transportieren. Das hilft im Parkhaus und beim Rückwärts rangieren, wenn dies vor Publikum passiert. Man muss dann nicht ständig aussteigen und nachsehen, ob es noch vier oder fünf Zentimeter bis zum Kuss mit der Stosstange des hinteren Wagens sind. Zärtlichkeiten zwischen Autos sind selten erotischer Natur.

Und dann ist da noch das 48-Volt-System, das den Wagen in ein Segelauto verwandelt, weil man lupft den rechten Fuß, der Motor legt sich auf´s Ohr und pausiert. Der Wagen rollt weiter und verbraucht: Nix. Und Energie kann auch noch gespeichert werden. Dafür gibt es einen Speicher und daraus zieht der Wagen dann den Strom, den er für die Klimaanlage, die sehr gute Wankstabilisierung oder andere Verbraucher haben will. Das senkt den Dieselverbrauch laut Audi um 0,7 Liter pro 100 Kilometer. Immerhin.

Gefahren sind wir auch noch. Gesessen haben wir, die Handflächen haben mit Leder gespielt, die Augen haben die Nähte bewundert und überhaupt der Innenraum. Cool, modern, lackiert und aufgeräumt. Sehr edel und das Steuer liegt sehr gut in den Händen. Wenn ein Gegenverkehr mal zu lässig sein Revier markieren wollte, waren die Bremsen zur Stelle, welche den licht ganz leichten Wagen sauber und sicher entschleunigt haben. Musik haben wir auch gehört. Unser iPhone war per Apple CarPlay immer an Bord. Die Spitze unseres Zeigefingers wurde zum Taktstock. Auch nicht schlecht. Und dann haben wir hier und da den Freiraum mangels Gegenverkehr genutzt und den V6 Turbodiesel geweckt. Siehe da, der Fünf-Meter-Audi kann ganz schön nach vorn laufen. Nicht hastig oder sehr ehrgeizig aber schon motiviert.

Was noch? Wir sollten mal auf der Autobahn testen, wie lange der neue Q7 bis 241 braucht und wieviel Diesel er auf unserer Haustrecke braucht.

Audi informiert auch über die Zukunft des Q7. Zum Marktstart werden zwei Varianten (3-Liter Diesel und Benzin) ab September geliefert. Später kommt dann noch ein PlugInHybrid und natürlich ein V8-Benziner hinzu.

Die technischen Daten laut Hersteller:
Model: Audi Q7 50 TDI quattro tiptronic (210 kW) 7-Sitzer
Motor: V6 Diesel Turbo
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 210 kW / 286 PS bei 3.500 bis 4.000 U/min
Drehmoment: 600 Nm bei 2.250 bis 3.250 U/min
Getriebe: 8-Gang Tiptronic
Antrieb: Allrad permanent

Länge: 5.063 mm
Breite ohne Außenspiegel: 1.970 mm
Höhe: 1.741 mm
Radstand: 2.294 mm
Wendekreis: 12.50 m
Kofferraum: 740 bis 1.925 l
Leergewicht: 2.165 kg
Tank: 75 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 6,5 s
Top Speed: 241 km/h

Verbrauch und CO2:
kombiniert: 6,8 l/100 km
CO2: 178 bis 181 g/km

Preis in Deutschland: ab 69.900,00 Euro