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Fahrbericht Audi e-tron RS GT – Schnell – Leise – Schick – Elektrisch

Na also, geht doch. Was ein US-Amerikaner einst als bestes Kaufargument für ein E-Auto entdeckte, wird nun auch in unseren Breiten in Elektroautos eingebaut: Emotionen. Die Lust fährt fast immer mit. Wir haben es erlebt.


Da steht er und wartet. Wie ein nagelneuer Audi. Lang gestreckt, der Hintern recht aufreizend, dank des auffälligen Leuchtbandes, zur Schau gestellt. Die aufrecht stehenden Rückleuchten sind als Lockmittel bei Dunkelheit ganz besonders aktiv. Wer hinter diesem Wagen herfahren muss, wird sich Gedanken machen. Vor allem, wenn dieser Wagen dann ansatzlos in der Dunkelheit verschwindet. Nur die Stäbe winken dir etwas länger zu. Adieu.


Dann sprechen die Zahlen. 646 Pferdestärken, wenn man den Boost nutzt. 3,3 Sekunden, wie eine Bohrmaschine, rennen die Räder los. Ohne Vorwarnung. Elektromotor halt. Er hat Ausdauer, für maximal 472 Kilometer. Wenn man die Kräfte kontrolliert, das RS im GT sorgsam führt. Wie ein Rennpferd an der Leine. Was aber leider sehr schwer ist. Der Gasfuß will, was der Gasfuß will.


Da steht er. In der Speicherstadt, Hamburgs schönstes Erkennungszeichen. Roter Stein, uralte Brücken, Pflastersteine und Gusseiserne Geländer. Und der Audi steht da, wie hingegossen. Vorne flach, zwar mit dem obligatorischen Single-Frame, aber so unauffällig wie nur möglich, weil mit Abdeckung. Frischluft wird zwar gebraucht, aber nicht vorn, sondern unten, dort wo die Batterien wohnen. Die beiden Motoren sitzen jeweils an den Achsen, dadurch der Allradantrieb, welcher nicht variabel verwendet werden kann.


Das Ende dieses Audi ist fast so flach wie der Anfang. Das hintere Leuchtband, eine Visitenkarte in der Nacht. Vielleicht einen Tick zu auffällig, aber auf alle Fälle markant. 1,4 Meter hoch, also kein Flachmann der schnellen Art, eher das Coupé mit dem typisch langen Radstand, der Klappe hinten und 350 Liter Fassungsvermögen hinten den Rücksitzen.


Endlich losfahren. Irgendwie lockt das Datenblatt mit den 3,3 Sekunden und automatisch erinnert man sich an ein paar Momente im RS7, der schafft den Standard-Sprint in 3,6 Sekunden und er kümmert sich dabei um die Ohren, weil er dank des V8 plus Sound-Technik in der Abgasanlage diesen typischen Sound eines sehr potenten Autos. Der e-tron kann das zwar auch, aber eben nicht so kernig, nicht so kraftstrotzend. Er ist der E-Sportler mit dem Brummen einer schlecht gelaunten Hummel. Wenn man will, denn die Musik ertönt nur auf Knopfdruck.


In Wilhelmsburg, im Süden Hamburgs, drehen sich die Köpfe, auch weil dieser Audi in „Taktikgrün“ dahin rollt und man könnte auf den ersten Blick meinen, hier testet das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ein neues Fahrzeug zur blitzschnellen und leisen Erkundung. Leise, ja. Blitzschnell, auch ja. Aber militärisch weniger interessant, weil sehr teuer, zu eng für Insassen mit voller Ausstattung und überhaupt zu schade für diese Art der Nutzung. Man will ihn geniessen, laufen lassen und hier und da mal im Sprung erleben.


Wir probieren das aus und sind beeindruckt. 2,4 Tonnen Masse im Tiefflug, aus dem Stand, ansatzlos. Natürlich kennen wir das, aus diversen Testfahrten in E-Autos. Der Katapultefekt als Showeinlage an der Ampel. Immer ein wenig pubertär, immer diesen Tick too much. Meint man. Bis man den RS GT erlebt und das Thema Durchzug in einem neuen Licht erblickt. Sportliche Ampelstarts sind in diesem Wagen so relevant wie der Gepäckraum in einem Formel-E-Wagen.Es geht um das Paket: Dynamik, Komfort und moderne Technik an Bord, sprich: Connectivity.


Unser Paket ist komplett, es glänzt, es schimmert und es trägt diese Schleife aus Kanten und Linien. Dem RS7 die lange Nase zeigend, dem Taycan zuzwinkernd. Den potenziellen Kunden mit einem Fragezeichen im Gesicht stehen lassen. Dieser Audi wirft Fragen auf, die sich dir vor Monaten noch nicht gestellt haben, weil e-tron bisher für einen bulligen SUV ohne Aussenspiegel stand, ein Audi entweder des Aussendienstlers bester Freund war oder Iron Man´s Spielzeug im Kampf gegen sehr böse Typen aus den Tiefen des Weltalls.


Und jetzt wissen wir: Der e-tron GT, vor allem als RS, steht für diese kleinen, sehr kurzen Momente, bevor man dem Gaspedal so richtig auf die Pelle rückt. Wir nennen das mal Vorfreude.


Im Moment lassen wir das Gaspedal mal in Ruhe, Füße stillhalten ist in einem Elektroauto immer ein Moment der Besinnung und der Energie-Rückgewinnung. Natürlich auch in diesem Model aus Ingolstadt. Die Batterie nuckelt den Saft aus den Bremsen oder besser aus deren Energie. Viel ist das nicht, aber es läppert sich und in naher Zukunft werden wir nicht mehr so oft an die großen Futterstellen pilgern müssen, weil Rekuperation im Focus der Energie-Ingenieure steht, was auch Sinn macht, denn Energie, die sinnlos im Raum abhängt, ist langweilig und pure Verschwendung.


An jeder Ampel, der obligatorische Blick ins Innere dieses neuen Audi. Vieles ist typisch, bekannt und wie gewohnt sehr hochwertig. Die Verarbeitung macht uns keine Sorgen, das Design auch nicht. Alles passt, sitzt und gehört genau dahin, wo es das Auge hin haben will. Und dann strahlt uns der Monitor auf der Mittelkonsole an, perfekt integriert, im Grunde ein Teil des Ganzen, das sich zum großen Teil über den Screen steuern, einstellen, justieren und bewegen läßt. Wir kennen das aus anderen Derivaten aus Ingolstadt. Die Bayern können das schon lange. Allein der Screen vor dem Lenkrad ist Legende.


Die Sitze bequem, reichlich Seitenhalt bietend, für lange Touren bestens geeignet. Hinten für NBA-Profis nicht so cool, weil der Himmel so nah, dank der Coupé-Form. Aber vorn ist alles im Lot. Der klassische Weg, also nahezu alle Informationen dem Fahrer zugewandt, dazu reichlich Möglichkeiten der Unterhaltung für alle Insassen. Bluetooth, USB, Apple CarPlay, Android Auto und so weiter. Man würde sich auch sehr wundern, wenn dieser Audi nicht alle Kanäle moderner Kommunikation anbieten würde. Zudem erleben wir ein Coupé, das das Thema Automatisiertes Fahren fast erlebbar macht. Die komplette Palette elektronischer Helferlein darf noch nicht arbeiten, aber es kommt.


Wir rollen weiter, raus aus der Stadt. Landstraßenswing ist angesagt, was aber meist im sehr schnellen Tango endet. Die Kurve wird durchlaufen und dann schlägt der elektrische Vorschlaghammer zu. Bis wir 100 lesen und die Rekuperationsabteilung geht ans Werk. Wieder und wieder, das Spielchen macht Freude, der Audi spielt mit. Man kann die Fenster öffnen und den Sound hören. Er brummt, der e-tron und er zischt. Wie ein Raumschiff, dass den Warpantrieb aktiviert hat. Rums, die nächste Gerade wurde verschluckt und gegen eine Kurve ausgetauscht.


Autobahn. Kurz nur, weil die zwei Stunden fast vorbei sind. Tempo 250 geht, sehr lässig. Aber der Spaß beginnt immer bei 130 und diesem Wusch, das dem Gasfuß auf dem Pedal urplötzlich folgt. Wie gesagt: Bohrmaschine.


Wir ziehen einen Faden und hängen ein paar Worte dran. Zum trocknen. Zwei Worte hängen: Ein Fazit. Der e-tron GT RS ist ein Muskelprotz ohne Protz, dafür mit dem Aussehen eines Gentleman. Elegant, an den Radhäusern die Muskeln präsentierend. Innen die Lounge eines sehr guten Hotels, nur ohne Drehtür. Auf der Straße werden Gegner gesucht und keine gefunden. Vorerst. Der Preis ist ein Hammer, der Antrieb ein Vorschlag.





Die technischen Daten (laut Hersteller):

2 E-Motoren

Leistung: 440 kW / 598 PS

Boost: 475 kW / 646 PSMaximales Drehmoment: 830 Nm

Akku: 93,4 kWh

Antrieb: Allrad


Maße:Länge: 4.989 mm

Breite ohne Spiegel: 1.964 mm

Höhe: 1.396 mm

Radstand: 2.900 mm

Leergewicht: 2.347 kg


Reichweite nach WLTP:

433 bis 472

Top Speed: 250 km/h

0-100 km/h: 3,6 s

0-100 km/h

Boost: 3,3 s


Preis in Deutschland ab: 138.000,00 Euro