James Bond ist mir egal. Völlig. Auch wenn M 007 im Moment am Gardasee in einen DBS gesetzt hat, den er mit viel Schweiß im Angesicht des Todes ordentlich bearbeitet. Bond ist mir egal. Der Vanquish als Coupé steht vor der Tür. Und Bond ist weit weg.

Eine Stunde streift der Solitär in der Hand von Finger zu Finger. Wie nennt man dieses Ding? Mit Kristallglas am Kopf, dem Logo darunter und den kleinen Rechtecken, auf die man drückt wenn man die Türen entriegeln, die Heckklappe öffnen oder den Wagen abschließen will. Schlüssel? Zu profan. Türöffner? Zu technisch und nicht korrekt. Jetzt kommt Lou Reed vorbei und rät: „Walk on the wild side“! Ich nenne das Ding jetzt „Transformer“. Auch wenn Hollywood den Begriff anders, wesentlich kitschiger verwendet hat.

Der Transformer ist ein Autoverkäufer. Ein wirklich guter Autoverkäufer. Da kommt man in den 70ern aus dem Kino, man will sofort in die nächste Vorstellung. Curd Jürgens ist grandios, er wohnt in einem gigantischen Aquarium, die Fische schauen im beim Morden zu. Mit Hilfe der Wissenschaft und der damals als Konstante herrschenden politischen Systeme. Und James ist ein Therapeut, nur eben nicht auf Krankenschein. Man ging in seine Sitzung und kam geheilt hinaus. „Such´ Dir nen guten Schneider, kauf´ Dir richtig gute Schuhe, trink´ was ordentliches und lass´ den Quatsch mit der Sesshaftigkeit. Kauf´ Dir kein Auto, Q bringt Dir eins“ So einfach war das damals. Man durfte in Autos rauchen, deshalb wurde die Nebelleuchte erfunden. Man wachte morgens auf und niemand fragte, was man weshalb gestern gemacht hat. Der Tag war Dein Freund, die Nacht Deine Freundin.

Und nun? Bond hat den DBS abgeliefert. Der Wagen sieht aus, hätte ihn jemand durch einen Steinbruch gejagt und vorher noch durch eine Kolonne von LKW und Durchschnittslimousinen gehetzt. Geht man so mit staatlichen Eigentum um? Unser Vanquish gehört Aston Martin, deutsches Kennzeichen, Farbe blau, frisch gewaschen. Innen schwarz. Der V12 hat zwölf Zylinder, einen Turbolader oder Kompressor sucht man nicht, man vermisst ihn nicht, man denkt noch nicht einmal darüber nach. Und das, ohne einen einzigen Kilometer Fahrt in diesem blauen Ding, dessen Optik, Ausdruck, Eindruck diese Geschichte vom Glückspinsel erzählt, der diese alte Ölfunzel im Keller findet, weshalb auch immer daran reibt und dem dann ein komischer, dicker Kerl gegenüber schwebt und dem man dann sagt, er möge doch bitte dafür sorgen, dass man, nach dem sehr erfolgreichen Besuch der Spielbank in Monte Carlo, vor dem Eingang einen bildschönen Aston Martin mitsamt Schlüssel vorfinden möge. Mit vollem Tank natürlich. Und die Küstenstrasse Richtung Nizza oder in die andere Richtung soll gesperrt sein. So sieht dieser Vanquish S aus.

Der Wasserfall genannte Mittelkonsolen-Teil beherbergt ganz oben den Navi-Monitor von Volvo, was nicht schön ist. Aber darunter wird es immer besser, der Schacht für den „Transformer“ lockt den Spieltrieb. Ob da ein Jeton aus Monaco´s Spielplatz rein passt? Der Monolith jedenfalls passt wie ein Maßschuh und wenn man ihn mit Nachdruck bis zum Ende hinein drückt, wird der Geist aller zwölf Zylinder geweckt, es röhrt dann einmal gewaltig und anschließend eher abwartend. Bis das D unter dem Glas gedrückt, die Fly-Off-Bremse gelöst und der rahmengenähte Schuh das Gaspedal sanft und nachhaltig darnieder drückt. Der Vanquish S löst sich von seinem Standort und verschwindet mit leichtem, nach bester Laune klingenden Brummen aus dem Sichtfeld derer, die gerade an Ölfunzeln im Keller denken. Möge der Geist mit ihnen sein.

Fahrbericht Aston Martin Vanquish S Coupé: So viele Talente

So schön die Gedanken an Flaschengeister, Glücksbringer und Spielbanken auch sein mögen. Unser Brite wischt alle Wünsche nach Glück derart klar beiseite, wenn man nur ein klein wenig Gas gibt. Jeder Zentimeter Richtung Tepich-belegtem Bodenblech löst eine Adrenalin-Dosis aus, die man aus der Musik, die den Endrohren entspringt, plus der Strasse, die im Blickfeld des Schaufensters weiter vorn ihre Windungen hoch erfreut präsentiert. Wir sind in der Eifel, aus Adenau kommend, in Richtung Mosel unterwegs. Grünste Weiden, kleine Hügel, ein paar Vulkan-Kegel, dazwischen Maare, ein paar Dörfer und es geht so gewunden zu wie in einem Film, der die Vorzüge des Vanquish preisen will. Der Wagen zeigt seine Talente. Die Lenkung im Sport-Modus so präzise wie nötig, die Bremsen auch nach zwanzig Manövern ohne jede Form des Fadings. Der V12 so hungrig nach nach Drehzahlen, aus dem Brummen bei Tempo 50 wird nach dem Ortsausgang ein Freudenschrei der Freiheit. Und jedesmal ist genau das die Form der Dankbarkeit, die man dem dicken Typ aus der Flasche erweisen will. Er sieht und hört das und weiß, dass es gut ist.

In ruhigen, langsamen Phasen des Ausfluges in Richtung Hunsrück, also der anderen Seite der Mosel, schauen sich Hintern und Rücken das Gestühl des Briten an. Das Leder weich, die Nähte sauber, man wird links und rechts der Sitzfläche behutsam gehalten. Die Atmosphäre des Innenraumes will modern und zugleich british sein. Also die Tradition des Hauses Aston Martin ist irgendwie immer dabei, das Instrumentarium ist rund, übersichtlich und sehr fein in Chrom eigefasst. Alles wirkt eher nach Handwerk, denn nach Massenfertigung. Was einerseits ein wenig antiquiert wirkt, andererseits aber den Charme der Sorgfalt des Handwerksmeisters ausstrahlt. Beides zusammen ist immer ein wenig schwierig, weil man schnell den Eindruck gewinnt, der Hersteller zögert beim finalen Schritt in die Gegenwart. Zu viele Kunden sitzen in ihrem Aston und freuen sich über die positive Sturheit der Macher bei Aston Martin.

Es wird Zeit. Der Vanquish rollt die kleine Auffahrt zum Testcenter am Nürburgring hinauf. Der V12 macht Feierabend, die Tür schwingt leicht nach oben und zur Seite. Der „Transformer“ springt aus dem Schacht und liegt dann schwer in der Hand. Die Öllampe liegt wieder im Keller. Bis zur nächsten Begegnung mit dem Geist und dem Wunsch nach sieben oder acht Stunden Kurvenswing ohne Turbo, dafür mit Drehzahlen jenseits der sieben Tausend. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass ein Aston Martin kein Supersportler ist oder sein will. Er ist ein Supersport-GT mit der Lizenz zum Verzaubern.

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Fotos: Aston Martin und Ralf Bernert
Video: Aston Martin

Die technischen Daten laut Hersteller:
Motor: V12 Saugmotor
Hubraum: 5.935 ccm
Leistung: 444 kW / 603 PS bei 7.000 U/min
Drehmoment: 630 Nm bei 5.500 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:
Länge: 4.730 mm
Breite: 1.912 mm
Höhe: 1.295 mm
Radstand: 2.740 mm
Leergewicht: 1.739 kg

Fahrleistungen/Verbrauch:
0-100 km/h: 3,5 s
Top Speed: 323 km/h
Verbrauch kombiniert: 13,22 l/100 km
CO2: 302 g/km

Neupreis: ab 262.950,00 Euro