• Homepage
  • >
  • Top 5
  • >
  • Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit Foto: Ralf Bernert

Wir machen es mal andersrum. Rückwärts. Handschalter. Kupplung per Fuß und V12 ohne Luftstrom per Schaufelrad. Also Vergangenheit pur. Und das in einem Aston Martin. Wie einst James Bond, nur mit mehr Zunder unter der Haube. Und ohne Martini im Glas.

Nebenan tobt der Oldtimer Grand Prix. Immer teurere Rennwagen, mittlerweile, wenn sie überhaupt echt sind, Millionen wert, tapsen auf dem Grand Prix Kurs durch die Gegend. Die Nordschleife ist tabu, weil dort Touristen mehr Geld in die Kasse spülen. In den Vorkriegs-Kisten sitzen Männer mit Vollhelm und feuerfesten Unterhosen. Zwischendurch sieht man in der Boxengasse ältere Herren im Rennanzug, dessen obere Hälfte nach unten geklappt und mit den Ärmeln um die Hüfte geschwungen sind. Sehr lässig, manchmal lustig anzusehen. Man hat´s geschafft, die zweite Karriere läuft. Rennfahrer.

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Viele Schulern

Wir warten am Aston Testcenter in Hörweite der Döttinger Höhe. Im Showroom stehen ein paar Briten auf breiten Rädern und mit dem mittlerweile typischen Hintern. Fein anzusehen, man will unbedingt einsteigen. Eine Kleinfamilie, Mutter, Vater, Sohn aus den Niederlanden will mal einen Blick riskieren. Der Sohn ist schwer angetan, als unser Freund für die nächsten Tage ums Eck kommt. Er grummelt, also der Aston, er schaut nach vorn und sieht aus, als wolle er gleich los.

Schlechte Laune? Nein. Wer mitten in der Eifel als Sportwagen oder besser als Sport-Roadster in einer Halle steht und zuhören muss, wie die Kumpels den ganzen Tag draussen spielen, der will mit, der will raus. Also los.

Fahrbericht Aston Martin DB11

Die ersten Meter ein Spiel. Zwei Füsse, drei Pedale. Wie gesagt, man verlernt das nie und trotzdem. Die Feinheiten, die Abstimmung. Kupplungspunkt treffen, die Gänge liegen dicht beieinander, Drei und Eins zwei und vier. Immer wieder, vor allem an Ampeln muß die Kupplung leiden, aber es wird. Es ist wie mit der ersten Freundin, mit 15 hat man noch keine Routine. Der erste gemeinsam Kinobesuch, in der Eisdiele. Legt man den Arm lässig um ihre Schulter oder doch ein schüchternes Fremdeln vor den Kumpels. Nicht zu nah und doch zeigen, dass man zusammen ist. Der Vantage hat viele Schultern um die man seinen Arm legen kann. Infotainment zum Beispiel.

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit Foto: Aston Martin

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S Roadster: Reine Handarbeit Foto: Aston Martin

Der schwarze Monitorblock fährt aus der Konsole. Touchscreen und reichlich Vernetzung. Navi einstellen mit dem Finger, schneller als früher, sicherer, umfangreicher. Das Smartphone mit dem Wagen verkuppeln. Einfach, weil Apple CarPlay. Nicht sehr hübsch, die Apps wirken zu groß, Apple mag keine Anpassung an die Ästhetik des Aston. Das Dach nach hinten und immer wieder schalten. Bis es passt, bis der rechte Fuß seinen Rhythmus hat, die rechte Hand mit dem Fuß auf einer Welle schwimmt und die beiden ein Pärchen sind. In der Eisdiele, im Kino und eben auf der Landstrasse.

Die Klassiker werden immer leiser, die Eifel lockt mit herrlichen Revieren. Immer wieder begegnet man Briten in ihren Sportwagen, die den Oldtimer GP zum Anlass nehmen, den eigenen Zweisitzer mit grosser Begeisterung durch die Eifel zu schicken. TVR, Aston, Lotus und auch ein paar Klassiker. Alvis, Healey, Bentley und so weiter. Und mitten drin der V12 Vantage, als Fortsetzung einer grandiosen Tradition. Kupplung kommen lassen, Gas geben und die wirklich sehr feine Lenkung spielt mit dem Roadster das uralte Rein- und Raus-Spiel. Eine lange Gerade im Dritten, dann runter, Zwischengas, auch wenn es technisch nicht notwenig ist, in die Kurve, wieder raus, hochdrehen und in den Dritten. Die Eifelluft fliegt um die Nase, ein paar Kühe drehen sich um. Neugier trifft Leidenschaft.

Fahrbericht Aston Martin DB9 GT

Zwischendurch immer wieder anhalten. Den Wagen ansehen, von allen Seiten. Die Nase mit den Nüstern, der Hintern mit den typischen Leuchten, unter dem Nummernschild schaut ein Schalldämpfer des Auspuffanlage hervor. Nicht gerade elegant, aber sportlich.

Fahrbericht Aston Martin V12 Vantage S – Wenn er seine Stimme erhebt

Und dann kommt das Finale, die Lässigkeit des Arms um die Schulter. Man hat drei Tage miteinander verbracht. Abends den Wagen abgestellt, morgens den herrlichen Aufschrei des Motors genossen, der dann sofort das Grummeln als Zeichen der totalen Zufriedenheit hinterher geschickt hat. Dach weg, Gang rein und los. Bis die Sonne verschwindet und die Nacht zum Tanz ruft. Über die Mosel in den Hunsrück. Wieder die Landstrassen, gewunden, mit einzelnen Bäumen verziert. Kleine Dörfer als Wegpunkte. Gegen Mitternacht dann die Ouvertüre. Man weiß, dass ab 4.000 Touren der Motor seine wahre Stimme erhebt.

Fahrbericht Aston Martin V8 Vantage N430

Also rein in die Schallmauer, immer wieder vor Kurven den rechten Fuß nach unten, Hebel nach hinten und Gas geben. Bis die vorderen Räder das Ende der Biegung sehen und sich die Nase des Aston ganz leicht erhebt. Wie ein Späher, der Ausschau hält. Gegenverkehr gibt es kaum und wenn, dann sieht man ihn Minuten vorab. In den Dörfern schallt der V12 noch schöner, die Stimme des Briten läßt vermutlich die ein oder andere Blumenvase auf dem Nachttisch vibrieren. Im Bett dreht sich einer um und denkt er träumt. Der Vantage läuft durch den Ort, verabschiedet sich mit einer Stimme, die an Höhe gewinnt, wie ein Airbus beim Start. Nur wilder, freier und mechanischer. Er rennt hinaus in die Dunkelheit, kündigt sein Kommen an und will immer weiter. Man schaltet wie im Rausch, rauf, runter. Droge.

Was bleibt hängen? Man kann die Automatik mögen. Im Stau, von Ampel zu Ampel. Und man kann den Schalter lieben. An Tagen wie diesen. In der Eifel, im Hunsrück oder wo auch immer Kurve und Gerade eine Liaison bilden. Dann ist der V12 Vantage S mit Handschalter eine Offenbarung, eine Lust und eine Versuchung.

Fotos: Aston Martin / Ralf Bernert

Technische Daten (laut Hersteller):
Motor: V12 Sauger
Hubraum: 5.355 ccm
Leistung: 421 kW / 573 PS bei 6.750 U/min
Drehmoment: 620 Nm bei 5.750 U/min
Leergewicht: 1.665 kg
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 7-Gang Handschalter
Tank: 80 Liter

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3.9 Sekunden
Top Speed: 323 km/h

Verbrauch:
kombiniert: 14,7 l/ 100 km
CO2:

Preis in Deutschland: ab 193.295,00 Euro

Previous «
Next »

3 Comments

  1. Pingback: Aston Martin DB11 Volante: Wiedersehen mit dem Himmel
  2. Pingback: Aston Martin Vantage 2018
  3. Pingback: Fahrbericht Aston Martin DB11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.