Fahrbericht Aston Martin DB9 GT – Last order please

Aston Martin DB9 GT   Foto: Ralf Bernert
Aston Martin DB9 GT Foto: Ralf Bernert

Er geht. Der Neue steht auf der Bühne und der Schatten des DB9 ist noch zu sehen. Es ist ein langer, kraftvoller Schatten. Die Konturen deutlich gezeichnet, die Silhouette noch einmal im Scheinwerferlicht. Applaus, und ab.

Der erste Vorhang hob sich vor zwölf Jahren. Damals, wie seine Brüder Vantage, Virage, DBS, oft verkannt. Als Sportwagen bezeichnet und mit anderen Sportlern verglichen. Was falsch war und falsch ist. Aston Martin baute und baut Sport-GTs, vermutlich die besten der Welt. Bildschön, elegant, britisch, schnell und komfortabel. Und genau das zeichnet einen Aston aus. Langstrecke, Hamburg – Mailand, kurze Tankstopps, das Jacket hinter dem Fahrersitz, rahmengenähte Schuhe auf den Pedalen. Im Lamborghini undenkbar, im Ferrari 458 unpassend. Ein Aston fährt vor, andere vorbei.

Foto: Aston Martin
Foto: Aston Martin

Und nun der GT, eine Geste des Abschiedes. Den DB9 fuhren wir nie. Vanquish, V8 Vantage N430, Rapide, Virage Volante, V12 Vantage Coupé. Und nun der letzte Auftritt des DB9. Mit dem GT verziert. Am Heck die beiden Buchstaben, wie Initialen. Unter der Fronthaube mehr Leistung, 30 PS. Im Vergleich zum DB9 um ein Zehntel schneller bei 100 km/h. Ganz weit vorn, Diffusor und Splitter tragen schwarz. Neue Felgen wurden aufgezogen und dann der Innenraum. Noch immer die schwarze Behausung. Sie verneigt sich. Allerdings nur, wenn sie sich zurück zieht, in ihre Garage ganz oben am Rand des Wasserfalles, der die beste Unterkunft für Knöpfe, Schalter und den Schlüsselschacht ist. Genau da glänzt der DB9 GT, wie auch seine Kollegen, mit Einzigartigkeit und Charme. Man muß den schwarzen Kasten, der als Gehäuse für den Monitor dient, nicht unbedingt mögen, aber seine Auf- und Abtritte sind bühnenreif.

Fahrbericht Aston Martin DB9 GT – Richtung Zukunft

Das neue AMi III läuft sauber und schnell. Man findet alles auf einen Blick, der Prozessor hinter dem Vorhang arbeitet fleißig und gewissenhaft. Das war früher, also zwischen 2004 und 2014 anders. Damals war die Ästhetik wichtiger als die Technik. Scheinbar. Heute bewegt sich Aston Martin in Richtung Zukunft. Man weiß, wie wichtig Connectivity und Infotainment sind. Im DB 11 geht es einen Schritt weiter nach vorn.

Fahrbericht Aston Martin DB9 GT - Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht Aston Martin DB9 GT – Foto: Ralf Bernert

Und dann starten wir den Motor. Wie immer, der Zeigefinger schiebt den edlen Monolith in den Schacht und das Orchester aus einem Dutzend Zylindern beginnt mit der Ouvertüre, einer Fanfare der Mobilität. Ein kurzes Fauchen, dann die Ruhe nach dem Sturm. Der Zeigefinger wandert zum Knopf mit dem großen D, das hinter einem Christallglas liegt und den Beginn einer feinen und in unserem Falle zu kurzen Freundschaft ankündigt. Die Handbremse links neben dem Fahrersitz ist gelöst, sie ist eigentlich keine Hand- oder Feststellbremse. Eigentlich ist sie eine Fly-Off-Bremse. Also dem Thema Motorsport gewidmet.

Im DB9 liegt der Hebel in aller Ruhe links unten. Wer am Hang parkt zieht zweimal hintereinander beide Paddels und der Aston steht fest und stabil. Wir aber wollen fahren, den V12 in seiner Rolle als Hauptdarsteller erleben. Die Eifel blüht, überall satte Wiesen, Mähdrescher machen Überstunden, die Sonne ist ein etwas zu motivierter Beleuchter, der Himmel blau und das Schönste: Der Oldtimer Grand Prix am Nürburgring zieht nahezu jeden Mensch aus der Region in seinen Bann, wie haben freie Bahn, die Bühne gehört dem Aston.

Der erste Gang, ein paar Meter rollen, grollen, wummern. 12 Zylinder flanieren durch die Gegend. Wie ein Rudel Löwen im hohen Gras. Auf Beute lauernd, auf den richtigen Moment wartend. Zuerst beschleunigen im Normalmodus. Sehr eindrucksvoll, ohne Turbo. Also auf hohe Drehzahlen wartend. Bei 6.000 Touren rennt der Aston so richtig nach vorn, als Begleitmusik wird eine Arie gegeben, die jeden Löwen zurück ins hohe Gras befördert. Der DB9 GT schreit aus Leibeskräften, er rennt und rennt und bleibt dabei stabil. Das Heck bleibt sauber in der Spur, der Vorderwagen sitzt dank des V12 sauber auf dem Asphalt. Die Lenkung bleibt präzise und man stört sich nur am Tempolimit. Die Gerade ist, wie so oft, zu kurz. Der Aston verbindet ein Eifel-Dorf mit dem anderen. Connectivity und Völkerverständigung auf die elegante, britische Tour.

Fahrbericht Aston Martin DB9 GT – schneller und sauberer

Ein paar Kurven, Kehren sogar. Radstand und Gewicht spielen eine Rolle. Die Paddels werden zu Hauptdarstellern. Die 6-Gang-Automatik arbeitet schneller und sauberer als beim DB9 vor zwei Jahren, Aston Martin hat sich an die Arbeit gemacht. Motor und Getriebe verstehen einander nun besser. Im DB11 werden dann acht Gänge von ZF sortiert. Der Radstand von 2,750 Meter stört ein wenig in sehr engen Kurven, wenn man den GT aus der Kurve hinaus beschleunigt, versetzen die 547 PS die Hinterräder in Alarmzustand.

Die P Zero von Pirelli suchen und finden dann jeden Haltepunkt im Asphalt, der Hinterwagen schiebt den Rest des Aston mit der Gewalt eines NFL-Runningbacks nach vorn. Wir sprechen hier von knapp sechs Liter Hubraum, einem Dutzend Zylinder ohne Turbo und maximal 620 Newtonmeter Drehmoment. Autoquartett? Sticht.

Fahrbericht Aston Martin DB9 GT - Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht Aston Martin DB9 GT – Foto: Ralf Bernert

Und dann sind da noch ein paar lange, offene Kurven. Der Aston umrundet ein paar Eifel-Erhöhungen, er tanzt durch kleinste Dörfer, Fachwerk, uralte Bäume im Sommerkleid, ein Traktor fährt rechts an und läßt uns vorbei. Und immer wieder der Abschiedsgruß an die Bewohner. Kein pubertäres Geschrei, ein erwachsenes, kultiviertes „Good By“ aus zwölf Brennkammern. Immer wieder mit 50 aus dem Dorf und mit ausgebreiteten Armen bis zum nächsten gelben Schild. Kempenich, Spessart, Heckenbach, Kesseling und so weiter. Perlenkette per Aston Martin. Die Eifel als Spielplatz, der Aston Martin DB9 GT als Ausdruck großer Freude. Er schreit, brummt, wummert, flaniert, spaziert und er steht da wie ein geduldiger Herr im feinsten Sonntagsanzug. Wenn der DB11 seine ersten Auftritte hat, werden wir uns an den GT erinnern. Stabübergabe, Wechsel der Generationen? Kann sein. Aber der frei saugende V12 bleibt im Kopf, im Bauch, im Programmheft. Wer noch einen ergattert, hat Glück.

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Text: Ralf Bernert
Fotos: Ralf Bernert / Aston Martin
Video: Aston Martin