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B Engineering Edonis


Der ehemalige EB 110 – B Engineering Edonis



Noch nicht ganz vergessen, aber irgendwie nicht wirklich an der Oberfläche hängen geblieben. Ein U-Boot des Sportwagen-Ozeans. Abgetaucht aber noch sichtbar. Eine kurze und sehr typische Story über ein Projekt. 


Vor zwanzig Jahren aufgetaucht, während der VW-Konzern seinen Veyron zusammensetzte, der EB 110 noch nicht vergessen war und irgendwo auf der Welt jede Menge echte oder „echte“ Bauteile des 110 umher schwirrten. Hypercars waren noch kein Trend. Es ging im Grunde um Sportwagen, die außerhalb der üblichen Ferrari-Lamborghini-Porsche-Welt durch die Köpfe schwerreicher Leute rannten. Man wollte was Besonderes, was Teures, was Individuelles. Auto-Quartett für sehr reiche Eitelkeiten. Der Edonis kam und weckte Begehrlichkeiten. 


Die Herren Nicola Materazzi , Jean Marc Borel, Frederico Trombi und  Dr. Walter Barbin haben mit knapp 40 Supersportwagen-Projekten weltweit Männer- und Frauenherzen beglückt. Lancia Stratos, Ferrari GTO, Testarossa und F40, um nur einige zu nennen, sind Referenz genug. Im Jahr 2000 haben sich die Herrschaften in Modena niedergelassen, um "Freude" (Edonis griech. für Freude) auf die Strassen zu bringen.


Die ultimative Fahrmaschine "Edonis". Man denkt sofort an den legendären McLaren F1. In unmittelbarer Nähe vergleichbarer Sportwagen-Manufakturen gebaut, auf den gleichen Landstrassen getestet. Sehr zur Freude auto-

mobil-begeisterter Anwohner. Ein neues Jagd-Objekt der örtlichen Polizei und perfekt für Fotografen und Auto-Spotter, die es damals offiziell noch nicht gab.



Dass unter der Aluminioumhülle ein mächtiger V12 mit vier Litern Hubraum lauerte und die Freude mal eben über die 350-km/h-Marke rennen lies, war damals schon eine Hausnummer, man wusste noch nicht über kommende elektrisch angetriebene Boden-Boden-Raketen. 1.900 PS und mehr. Wie gesagt, der Edonis war damals schon ganz oben. Beim Thema Speed und Newtonmeter. Und der Preis war, logisch, noch sichtbar, aber doch weit vom üblichen Obolus sportlicher Zweisitzer entfernt. Um 800.000 Euro wurden aufgerufen. Plus Extras. 


Das Hauptgeschäft von B Engineering basiert auf der Reparatur und Wartung des EB 110. Und von dem wurden rund 140 Exemplare gebaut. Und weil man alle wichtigen Unterlagen zum EB zur Verfügung hatte und die Inhaber genug Kompetenz mitbrachten, wurde gebaut und verkauft. Die Jungs von B Engeneering kauften das alte Bugatti-Werk in Campogalliano mitsamt eines Inventars und das bestand aus jede Menge Technik. Sie übernahmen das Carbon-Chasis, setzten eine Karosserie aus Alu drüber. Der EB war ästhetisch passé, der Edonis schaute anders aus der Wäsche. Allein die gigantischen Lufteinlässe sprechen Bände. Viel Luft für sehr viel Leistung, also Motor- und Bremsleistung. Mit diesem 1,2 Meter hohen Italiener sollen Männerträume erfüllt werden. Kompromisslos und sehr selten. Handarbeit. Man denkt an Horacio Pagani und seine Carbon-Kunstwerke. 


Und dann. Eine Handvoll der Rennwagen wurde wohl gebaut und verkauft. Ob sie auch bezahlt wurden, wissen wir nicht. Vermutlich ist das Projekt 2008 der allgemeinen Finanzkrise zum Opfer gefallen. Ähnlich wie Wiesmann, Spyker oder andere Extrem-Autos ohne das finanzielle Polster eines Milliarden-Konzerns. 


Unter http://www.bengineering.it liest man aktuell: „Sito in manutenzione Site Maintenance“.


Sollte es in den nächsten Monaten ein Lebenszeichen des Edonis geben, melden wir uns.