Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011: Spuren am See

Der Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011 ist vorbei, die Ikonen vergangener und zukünftiger Epochen haben ihre Spuren hinterlassen. Nun sind sie auf dem Weg in ihr Zuhause oder zum nächsten Stelldichein der automobilen High Society.

Teardrops beim Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011
Teardrops beim Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011

Der Rolls-Royce schleicht, knistert und summt auf dem Weg zur Terrasse über den hellen Kies. An der hellen Spirit of Ecstasy erkennt man die Besonderheit, der 102 EX transportiert drei Menschen, die beeindruckt aussteigen, sich bei der jungen Dame, die hinter dem Steuer sitzt, bedanken und scheinbar genau wissen, dass sie einen Moment der Zukunft erleben konnten. Ein Rolls-Royce mit Elektroantrieb. „Den habe ich erlebt, an der Villa D´Este.“ Das reicht aus, als Signal, als Erkennungsmarke. Villa D´Este und 102 EX. Moderne trifft Tradition, Zukunft trifft Herkunft. Dort, wo der hellblaue Phantom 102 EX nun steht, werden morgen Konzeptautos stehen, die ähnliche Botschaften verkünden werden.

Ein Aston Martin im Zagato-Anzug. Mit Dubble-Bubble und leichtem Gewand. Erinnernd an den legendären GT4 Zagato, einer Ikone, die schon viele grosse Sammlungen bereicherte. Morgen wird der Brite mit italienischem Tuch die Zuschauer begeistern, Ulrich Bez wird stolz daneben stehen, der Aston Martin V12 Zagato wird sein Lied von Kraft und Sportlichkeit singen und für einen Moment im Mittelpunkt stehen. Später wird die Jury den roten Italo-Briten zum Sieger aller Konzept-Autos küren. Ehre wem Ehre gebührt.

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Edelstes Blech aus der Vogelperspektive beim Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011

Daneben ein Schweizer als Gegenentwurf, eine Hommage an Lebensfreude, Strandparty, Sorglosigkeit und Freude an Farbe und Form. Der BamBoo ist Erinnerung und Zukunft zugleich, unter der Freizeit-Hülle arbeitet ein Elektromotor mit ausreichend Kraft für kurze Strecken und maßvolle Tempi. Bambus und leichte Stoffe sind sein Markenzeichen, ein Fahrrad ist an Bord. Frank M. Rinderknecht zeigt ein anderes Gesicht der kommenden Epoche, ein Gesicht das Freude ausstrahlt, ein Gesicht das lächelt und daran erinnert, dass Automobile keine Kampfhunde sein müssen.

Beim Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011 siegten am Ende alle

Aus den USA kommt ein schwarzer Hengst mit beachtlichen Nüstern, einer Rüstung aus Carbon und der Aura der Unbesiegbarkeit. Der letzte Ferrari Enzo geriet in die Hände der Maßschneider von Pininfarina, unter der Regie des US-Amerikaners James Glickenhaus entstand ein Schlachtross für zeitgenössische Turniere. 660 PS, die die beiden Maßsitze samt der Hülle bis auf 372 Kilometer pro Stunde beschleunigen. James Glickenhaus will mit dem „Scuderia Cameron Glickenhaus P4/5“ die Arenen des Motorsports erobern. Hier am Comer See, weit weg von aller Highspeed-Hektik, kann man Menschen beobachten, die im Geiste den Rennwagen durch Schikanen und über lange Geraden hetzen. Siegerpokale errang der Spezial-Ferrari keine, glänzende Augen der Motorsport-Gemeinde waren ihm sicher.

Zurück zu Chrom, Blech, Holz, Leder und Aluminium. Die 60er standen an diesem Wochenende im Vordergrund. BMW zeigte seine Coupés, der 503, ob offen offen oder mit Blechdach zeigte seine stille Eleganz, zwischen Barockengel 502 und Über-Roadster 507 hat man in München ein feines Coupé platziert.
Das ganz grosse E aus dem Hause Jaguar schob seine fantastische Nase immer wieder auf die Bühne, begeisterte die Zuschauer mit seiner genial-einfachen Formel, die sich auf zwei Komponenten reduzieren lässt: lange Nase – kurzer Hintern. Zum Fünfzigsten Geburtstag des britischen Edelmetalls wird Exclusive-Life bald ein Special mit zahlreichen Details liefern. Am Comer See wurde der 1961er E-Type mit der „Trofeo Vranken Pommery“ als „best iconic car by the Jury“ bedacht. Gratulation.

Ein Auto hat die Besucher ganz besonders beeindruckt. Ein DAF 55 Siluro aus dem Jahr 1968. Die Van Doorne’s Aanhangwagenfabriek e.V, Ende der 20er Jahre als Maschinenfabrik in Eindhoven gegründet, baute LKW-Anhänger, begann Ende der 40er Jahre mit dem Bau von LKW und stellte 1958 den DAF 600 her, ein Auto, das dank seiner Keilriemen-Automatik vorwärts ebenso schnell unterwegs war wie rückwärts. Am Comer See präsentierte sich der 55 Siluro als aussergewöhnliche Studie. Karossiert von Turiner Designer Michelotti.

Der Samstag startet mit reichlich Sonne und einem automobilen Picknick unter den Ästen eines gigantischen Baumes. Rund um den Stamm versammeln sich die ganz Grossen der Auto-Welt. Bugatti, Rolls-Royce, Talbot Lago, Ferrari, Jaguar und so weiter. Von oben betrachtet ein Treffen der Stammes-Ältesten, ein Rat der Weisen. Dazwischen viele Menschen, deren Bewunderung für derart kunstvolle Technik nicht zu übersehen ist. Kaum fünfzig Meter daneben der Kindergarten, Conceptcars genannt. Man reist mit ein paar Schritten zwischen den Epochen hin und her. Und dies umringt von Stein und Natur, die bereist seit Jahrhunderten an diesem Ort das Ufer des Sees bereichert. Die Verbindung all dieser Zeitalter wäre eine feine Sache, ein Schatz an Erfahrungen kombiniert mit Gründergeist, Enthusiasmus und handwerklicher Meisterschaft.

Wie man Vergangenheit und Gegenwart auf spektakuläre Art verbinden kann, wurde durch die Hommage des BMW 328 Roadster belegt. Das Team um den Chefdesigner Adrain van Hoydonk stellte die Studie eines puristisch-sportlichen Zweisitzers vor. Die Messlatte lag bei diesem Projekt ausserordentlich hoch, der legendäre 328 gilt noch heute als Meilenstein der Automobilbaukunst. Mit dem „BMW 328 Hommage“ demonstrieren die Münchner wie man zukünftig Höchstleistungen unter dem Diktat von Effizienz und modernster Technik auf die Räder stellen kann.

Die Besten ihrer Zunft wurden auch in diesem Jahr wieder geehrt. Mit Pokalen, Schleifen und reichlich Applaus beim Defilee am Samstag Spätnachmittag und danach am Sonntag auf dem Geländer der Villa Erba, dort unter den Augen zahlreicher Zuschauer. Zwei Nova dürfen nicht unerwähnt bleiben: Die Oldtimer-Auktion durch das kanadische Auktionshaus RM-Auctions lockte zahlreiche zusätzliche Besucher nach Norditalien, vor allem eine sehenswerte Bertone-Sammlung entwickelte sich bereits im Vorfeld zu einer beachtlichen Attraktion. Die zweite Neuerung hat sich zu einem Publikums-Magnet entwickelt. Eine feine Auswahl an historischen Motorrädern bereicherte den Concorso D´Eléganza. Die in einem sehenswerten Pavillon ausgestellten Zweiräder sollten nach Meinung vieler Besucher auch im nächsten Jahr wieder an dieser Stelle gezeigt werden.

Hier nun die Sieger des Concorso D´Eléganza Villa D´Este 2011

Trofeo BMW Group Best in Show by the Jury Alfa Romeo, 33 Stradale, Berlinetta, Scaglione, 1968, Clive Joy, UK Coppa d’Oro Villa d’Este Best of Show by Public Referendum at Villa d’Este Alfa Romeo, 6C 2500 SS, Coupé, Bertone, 1942, Corrado Lopresto, I Trofeo BMW Group Italia By Public Referendum at Villa Erba Alfa Romeo, 33 Stradale, Berlinetta, Scaglione, 1968, Clive Joy, UK Concorso d’Eleganza Design Award for Concept Cars & Prototypes By Public Referendum at Villa Erba Aston Martin, Zagato, Coupé, 12 Cyl., 2011, Ulrich Bez, UK

Class A: CLOSED FOR COMFORT Class Winner Talbot-Lago, T23, Coupé Royal, Figoni & Falaschi, 1938, Joseph Cantore, USA Mention of Honor Delage, D8 105 S, Coupé, Autobineau, 1935, Alex Vazeos, GR
Class B: OPEN SKY Class Winner Delage, D8 S, Roadster, de Villars, 1933, James Patterson, USA Mention of Honor Mercedes-Benz, 380 K W22, Cabriolet, Mercedes-Benz, 1934, Berthold Albrecht, D
Class C: FIFTIES CHIC – CARS FOR THE JET SET Class Winner Ferrari, 212 Export, Berlinetta, Vignale, 1951, Peter McCoy, USA Mention of Honor Lancia, Aurelia B24 S ‚America‘, Spider, Pinin Farina, 1955, Efisio Carutti, I
Class D: NEW DAWN – SMALL CAR, BIG PERFORMANCE Class Winner Siata, 400 F, Berlinetta, Balbo, 1953, Jan De Reu, B Mention of Honor Siata, 208 S, Spider, Motto, 1953, Robert Davis, USA

Class E: SWINGING SIXTIES STYLE Class Winner Ferrari, 250 GT SWB California, Spider, Scaglietti, 1963, Jean-Pierre Slavic, CH Mention of Honor Lamborghini , 400 GT, Coupé, Touring, 1966, Dietmar Götz, D
Class F: THE BIRTH OF THE SUPERCAR Class Winner Alfa Romeo, 33 Stradale, Berlinetta, Scaglione, 1968, Clive Joy, UK Mention of Honor Lamborghini , Miura S, Berlinetta, Bertone, 1970, Konstantin Ioannidis, CH
Class G: MASTERS OF CREATIVITY Class Winner BMW, 2000 CS, Coupé, Karmann, 1966, Michael Ulbig, D Mention of Honor Glas, 3000 V8, Coupé, Frua, 1967, Christoph Schnyder, CH
Class H: COLOUR AND SPEED – POST-WAR RACING ICONS Class Winner Ferrari, 375 MM, Spider, Pinin Farina, 1953, Andreas Mohringer, A Mention of Honor Jaguar, E-Type Lightweight, Low Drag Coupé, Jaguar, 1963, Peter Neumark, UK

Special Prizes by the Jury Trofeo Rolls-Royce To the most elegant Rolls-Royce by the Jury Rolls-Royce, Phantom II, Special Town Car, Brewster, 1933, Norbert Seeger, FL
Trofeo FIVA To the best preserved pre-war car by the Jury Rolls-Royce, Phantom II, Special Town Car, Brewster, 1933, Norbert Seeger, FL
Trofeo ASI To the best preserved post-war car by the Jury Mercedes-Benz, 300 SL, Roadster, Mercedes-Benz, 1962, Heiko Seekamp, D
Trofeo Automobile Club di Como To the car driven from farthest away Bugatti 57 Ventoux, Coach, 1937, Andrea Capra, CH
Trofeo BMW Group Classic For the most sensitive restoration by the Jury Aston Martin, DB5, Convertible, Touring, 1965, Jim Utaski, USA
Trofeo Rolls-Royce To the most elegant Rolls-Royce by the Jury Rolls-Royce, Phantom II, Special Town Car, Brewster, 1933, Norbert Seeger, FL
Trofeo Vranken Pommery To the best iconic car by the Jury Jaguar, E-Type, Coupé, Jaguar, 1961, Christian J. Jenny, CH
Trofeo Foglizzo The best interior design by the Jury Fiat, 8V, Berlinetta, Rapi, 1953, Martin Gruss, USA
Trofeo Auto & Design To the most exciting design by the Jury Ford, GT40 MkII, Coupé, FAV, 1965, Claude Nahum, CH

Text: Ralf Bernert
Fotos: Ralf Bernert/Gudrun Muschalla

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