Cadillac Winter Drive 2015: Schneewalzer in der Schweiz

 

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Früher, also in Zeiten als Heckflossen noch so groß wie die Tragflächen eines kleinen Airbus waren, ja damals hätte man mit einem Cadillac keine zarten Schwünge auf frisch präpariertem Schnee machen können. Ein El Dorado wäre hier direkt neben dem Flugplatz bei Gstaad glatt abgehoben und erst hinter der französischen Grenze wieder gelandet. Damals ist heute vorbei, ein Cadillac kann tanzen und swingen. Die Flügel sind Geschichte, der Cadillac bleibt am Boden, meistens jedenfalls.

Das Steigenberger liegt in Schneeball-Wurfweite zum klitzekleinen Flughafen Saanen, eine Lande-Start-Bahn aus grauem Asphalt sieht wie ein glatter Strich in der Winterlandschaft aus und direkt daneben sieht man vom Hotel aus ein paar kleine Autos, die scheinbar sinnlos große und kleine Kreise im Schnee fahren. Hier und da dreht sich ein Wagen wie ein Brummkreisel. Ein hübsches Bild und morgen malen wir mit.

 

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Vorher hat der Verstand noch Unterricht. Flipchart, ein Lehrer und die Erinnerung an den Physik-Grundkurs. Masse, Geschwindigkeit, Trägheit, Erdbeschleunigung, Haftung, Traktion und so weiter. Das alles spricht miteinander, das alles wirkt und das alles lässt sich nicht ausschalten. Wer im Auto sitzt hat viel zu tun. Vor allem wenn der Wagen tanzt und swingt.

Ein Cadillac SRX schält sich aus dem Eisblock

Ein dicker, fetter Eisblock steht da auf dem Holzregal. Knietief und dazu ein paar Werkzeuge. Drei Beitel, ein Abzieher, zwei Fuchsschwänze und die Hände in den Handschuhen. Minusgrade, fantastischer Schweizer Käse, Schinken, Glühwein, zwei Fotografen. Es folgt die erste kreative Phase des Cadillac Winter Drive in Gstaad. „Macht was draus“. Aha. Zu viert, keine Idee. Außer ein Auto, ein Schlitten, ein Irgendwas. Ein Zettel mit Strichen zeigt einen SRX. Oder so. Die Maße stimmen, der Beitel fliegt über´s Eis, der Abzieher macht auch mit. Zwei, drei Glühwein, jeder ist mal dran. Dazwischen Schinken und Käse. Der SRX schält sich aus dem Eisblock. Man ist stolz ob der Produktivität bei minus irgendwas Grad.

Und nun? Neun Uhr morgens, schnell Kaffee und Verdauung in Verbindung bringen. Nicht zu viel. Wer zuviel isst, muss den Kram später wieder aufwischen. Man lernt nun sitzen, also im Auto und hinter dem Steuer. Der Beifahrer, ein Kollege aus Frankreich schaut zu und freut sich und lässt die Rückenlehne ein gutes Stück nach hinten laufen. Im Cadillac kann man auch ganz bequem ruhen. Der Fahrer muss ran. Ans Lenkrad und ran mit dem Rücken an die Lehne. Damit man sich nicht am Volant festhält. Wir reden ja vom Lenkrad und nicht vom Halterad. Schlau.

 

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Der ATS steht mit 276 PS gut im Saft, alle vier Räder werden angetrieben, der sportlichen Fahrweise wegen, stehen den Hinterrädern mindestens 60 Prozent der Leistung zu. Die markant gezeichnete Limousine erfreut den Fahrer mit einem HeadUp-Dispplay, einem erstaunlich schnell arbeitenden Automatikgetriebe, einem elektrischen Differenzial und der optionalen Magnetic Ride Controll, einem adaptiven Dämpfersystem das in drei Varianten einstellbar ist: Sport, Tour und Schnee/Eis. Die Neugier empfiehlt Sport, der Instruktor sagt Schnee/Eis. Die Neugier obsiegt und der Ami rennt los. Man sieht aus der Ferne sieben oder acht Hütchen in gelb-rot. Narrenzunft. Der Instruktor sagt, das seien Omis. Ich sag, die sind selbst schuld. Mit 60 losfahren und dann knapp davor nach rechts oder links vorbei, dann Vollbremsung. Die Omis bleiben stur im Weg stehen, drei  müssen dran glauben. Jetzt mit 70, alle verfehlt. Omi-Bowling. Bei 80 geht der Spaß richtig los, der Cadi lenkt sauber ein, die Reifen haben genug Grip, kurzer Gruß an die Gelb-Rot-Fraktion, knapp vorbei ist auch daneben, der Instruktor ist zufrieden. „So macht man das, schön eingelenkt, wieder gerade gestellt und dann den Fuß auf die Bremse bis der Wagen steht.“ Ach ja, die Traktionskontrolle muss draussen bleiben. Regelwut und Schnee haben keinen Spaß miteinander.

Und jetzt die große Nummer. Vergessen wir die Eisskulptur oder die Omis in Reih und Glied. Jetzt ist Hütchentango angesagt.

Der Cadillac ATS ist kein Sportler

Gelb-Rot steht jeweils in Rufweite auseinander, ein Slalom wird geboten. Gute dreihundert Meter lang, hin und auf der Gegenseite wieder zurück. Am Ende dann die Kurve, wie im Stadion. Eine Runde zur Orientierung. Keine Fangleinen, alles auf Sport. Der ATS ist kein Sportler. Eher die klassische Limousine, mit Stufenheck, bequemen Sitzen, schöner größer Monitor, kein Schreihals, im Kofferraum liegen tatsächlich Koffer, die Kinder auf den Rücksitzen und der Vierzylinder schnurrt vor sich hin. So ist das. Und jetzt. Koffer und Kinder raus. Das Navi würde hier durchdrehen, die Sitze könnten mehr Halt brauchen und der Motor liefert genug Vortrieb. Den Schreihals geb ich selbst und mein Beifahrer. Die zweite Runde, Abstand nach vorn und los.

Die ersten beiden Hütchen noch locker und sehr diszipliniert umkurvt, das Heck läuft brav wie ein perfekt erzogener WauWau hinterher. Bis der rechte Fuß die Taktung ändert. Schneller, noch schneller, dann den Fuß kurz anheben und der Kofferraum schaut vorbei, dann Gegenlenken und wieder aufs Gas und der Wagen läuft quer zwischen den Omis durch, wieder in die andere Richtung lenken, weiter Gas geben, wieder Fuß vom Gas, Gegenlenken und so geht das bis zur großen Kurve. Anlauf nehmen, Heck kommen lassen, Gegenlenken und Gas bis die Gerade wieder im Blick ist. Coole Sache. Schön wär´s. Wäre da nicht das Thema Präzision und wäre da nicht der blöde Untergrund, der an verschiedenen Stellen mal sehr glatt, mal weniger glatt und mal komplett griffig ist. Der Fahrer ist keine Maschine, er wird immer schneller, immer unkonzentrierter und immer unvorsichtiger. Mal zu wenig Gas, mal zuviel. Mal zu früh eingelenkt, mal zu spät. Eiskunstlauf ist eine andere Disziplin und der Cadillac trägt auch keine Schlittschuhe. Die ersten Ausdreher, die ersten Ausflüge in Richtung Landebahn. Bremsen, Fuß vom Gas, wieder losfahren und immer wieder anhalten, aussteigen, den Schnee von den Scheiben wischen. Man will schließlich wissen, wie nah man den Kollegen ist.

 

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Ein Ausflug in die Botanik. Der SRX steht bereit. Ein paar Kilometer weiter, ein Parcours. Verschränktes Fahren, Berg rauf und wieder runter und dann noch schräg am Hang. Die Elektronik bleibt online, driften ist jetzt so was von out. Zuerst über die fiesen Buckel, der Wagen hebt aus, ein Rad nach dem anderen verliert die Bodenhaftung, schön langsam, das elektronische Sperrdifferenzial arbeitet fleißig, schickt die Kräfte auf die Räder mit Bodenkontakt. Dann den Hang hinauf, ein wenig Anlauf, kein Thema. Wieder runter, blos keine Hektik. Wer zu schnell ist, verliert die Kontrolle. Das gleiche bei der nächsten Übung. Schräg in den Hang. Blos die Rille treffen, Schiebedach auf, der Instruktor schaut rein und sagt was. „Langsam, langsam. Du musst in der Fahrspur bleiben und dann in aller Ruhe wieder raus.“ Eigentlich will man schnell wieder raus, Cadillac-Umkippen ist kein Sport.

Der Winter ist noch lange nicht vorbei. Das x-te Wintertraining. Man lernt immer wieder was dazu. Spaß haben ist wunderbar, echte Omis sind nicht aus Gummi, das Heck bleibt hinten und wer was kann, lässt den Wagen laufen und nicht rennen. Es sei denn man trifft sich auf einer schönen, großen Tanzfläche zum Schneetango.

Text: Ralf Bernert

Fotos: Cadillac