Bristol Blenheim 3: Der junge Klassiker

Tony Crook’s Blenheim 3 ist ein Aussenseiter, eine Kuriosität. Der Wagen steht da wie ein Denkmal und ist doch eher eine Botschaft: “Seht her, ich bin der letzte Rest des Empire auf Rädern.”
Exclusive-Life  hat sich den merkwürdigen Wagen angesehen, der zwar noch jung im Blech, aber uralt in der Philiosophie ist.

Bristol Blenheim 3
Bristol Blenheim 3

Bevor der Wagen zur Sprache kommt, muss die Geschichte der Firma Bristol kurz erzählt werden. Bristol baute einst Flugzeuge und deren Motoren, genauer Kampfflugzeuge. Sie hiessen Beaufighter und Blenheim. Beide Modelle waren zu Kriegszeiten echte Erfolgsmodelle.
Nach dem letzten Krieg stieg man auf die Produktion von Automobilen um, dabei half die Lizenz zum Bau eines dem BMW 326/327 und 328 sehr ähnlichen Modelles, dem Bristol 400. Bristol übernahm den britischen Hersteller Frazier-Nash, trennte sich recht schnell wieder und konzentrierte sich auf die Entwicklung und Produktion eigener Fahrzeuge. Es entstanden die Reihen 400 und 401/403. Bristol trennte sich bald vom BMW-Design, man beauftrage Touring in Mailand mit dem Entwurf eines eigenen Designs, der 401 trug noch die BmW-Niere, später verschwand auch diese Erinnerung an die Ursprünge von  Bristol Cars, man wuchs langsam und machte sich einen Namen als Hersteller  besonders exklusiver Autos.

Daren hat sich bis zum Ende der Firma im Grunde nichts geändert, man blieb im Design der 80er Jahre hängen, die Technik wurde zum großen Teil eingekauft, nachdem Rolls-Royce, Bentley, Aston Martin und Jaguar/Land Rover an ausländische Konzerne verkauft wurden, stellte sich Bristol als letzter eigenständiger Hersteller britischer Luxusaustos dar. Man ist geneigt dies zu glauben, darf aber nicht übersehen, dass die Autos zum großen Teil von Zulieferern ausgestattet wurden. In den letzten Jahren wurden die meisten Blenheim aus Gebrauchtwagen zusammengebaut wurden. Es fehlte schlicht an den notwendigen Mitteln, die Marke Bristol verschwand zusehens aus dem Radar, selbst eingefleischte Briten gaben der Marke kaum noch Chancen auf dem wachsenden Markt für Luxus-Autos eine entscheidende Rolle zu spielen. Bristol musste Anfang 2011 Insolvenz anmelden, das Schweizer Unternehmen Kamkorp Autokraft übernahm Bristol kurz darauf und plant eine Produktion von Hybrid- und Elektroautos unter dem Label Bristol.

Nun zum Blenheim 3, hier unser Text aus dem Jahr 2008

Fragen Sie nicht nach einem Händler, nach einer Links-Lenker-Version oder moderner Ausstattung. An der Kensington High Street in London hört man solche Fragen nicht so gerne. Mit britischer Höflichkeit wird auf solche Bedürfnisse eher zurückhaltend reagiert. Wer einen Bristol Blenheim kaufen will, muss leiden können.

Enthusiasten wissen die Eigenheiten der Bristol-Verantwortlichen durch zu schätzen. Britische Traditionen stehen seit den Übernahmen der großen britischen Automobilmarken durch internationale Konzerne hoch im Kurs. Skuril ist angesagt auf der Insel. Nirgendwo sind existieren derart viele kleine und interessante Autohersteller.


Der Blenheim zählt sicher zu den absoluten Exoten unter den großen Coupés. Das Design schreckt sicher viele Autofans ab. Die 70er sind zumindest im Autobereich eher out. Der Blenheim wirkt weder modern noch retro, das Heck erinnert an Opel, die Front an Ford. Lediglich die Seitenlinie ist als Eigenart des Bristol identifizierbar.

Bristol Blenheim 3
Bristol Blenheim 3

Im Innenraum herrschen Raum und Fülle. Dicke Sessel vorn und ein bequemes Sofa dahinter versprechen Komfort und Qualität. Das Armaturenbrett hat Tradition, die eigenwilligen Instrumente kennt man auch aus früheren Bristol-Tagen. Das Ersatzrad unter dem Kotflügel vorne links ist das Erkennungsmerkmal schlechthin.

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: V8
Hubraum: 5.900ccm
Getriebe: 4-Gang Automatik
Antrieb: Front
0-100 km/h: 6,3 Sekunden
Länge: 4.870 mm
Breite: 1.765 mm
Höhe: 1.441 mm
Radstand: 2.890 mm
Wendekreis: 11.912 mm
Leergewicht: 1.728 kg

Preis: 161.000 Euro plus Steuer und Transport

Text: Martin Ring
Fotos Bristol