BMW Sports & Classics Rallye: Mit dem Z1 auf Tuchfühlung
Zack oben, zack unten. Dies ist keine Schiebetür und auch kein Flügel. Hier geht es um wichtige Zugangsdaten. Der Z1 will bestiegen werden. Und dies bei widerlichem Regenwetter und wunderbarer Landschaft.

 

BMW-Z1-Titel
Der Fotograf sagt: „Mir egal, ich sitze trocken.“ Die Heckklappe des 5er Touring schwingt nach oben, Hardy Mutschler nimmt Platz und zückt seine Kamera. Car-to-Car. Es regnet nicht, es schifft. Das Leder wird langsam nass und hinter dem Lenkrad des Z1 sitzt jemand, dessen Resthaar wie mit Pomade beschmiert an der Kopfhaut klebt. Es soll schlimmere Momente im Leben eines Journalisten geben. Ich könnte auch im Dezember in Finnland Erlkönige schiessen.

 
 

Am Schliersee ist heute Ruhetag, nur BMW hat eine ganze Kompanie von Klassikern plus eine Abordnung aus der DTM plus diverse Weltmeister und Olympiasieger aus dem Wintersport hier nach Bayern gebracht. Das Thema: BMW Classic Rallye meets DTM meets Wintersport.

Wir werden nach Spielberg fahren. Im Z1, im Z8, im M1 und dann auf dem Red Bull Ring noch ein paar wilde Runden im M3 Gruppe A aus dem Jahr 1987. Es kann also heiß werden. Prinz Poldi rockt den 328 Roadster und dann später den M3. Einige DTM-Piloten bespaßen den Z8 oder einem aktuellen M6. Der aktuelle DTM-Champion Bruno Spengler lässt die Hinterräder des Z8 rotieren, Joe Hand macht im M1 eine sehr gute Figur und insgesamt hat man den Eindruck, ein Regen lässt sich im BMW ganz besonders gut ignorieren.

Zurück zum Z1, dem Roadster der späten Achtziger. Dieser Zweisitzer, der mit seinen raffinierten Türen, die man per Knopfdruck in die Versenkung schickt, für Aufregung unter sonnenhungrigen Automobilisten sorgte, steht nun hier im Regen und wartet auf Bewegung. Es geht voran, Hardy senkt den Finger in Richtung Auslöser, ein paar Bayern stehen am Strassenrand und würden den Kopf schütteln, wenn sie nicht mit der perfekten Haltung ihres Regenschirmes beschäftigt wären. Der BMW läuft wunderbar rund, der Reihensechslzylinder aus dem 325i war die beste Motorenwahl für den leichten Zeisitzer. Und weil die Maschine als Frontmittelmotor den Schwerpunkt des Wagens in die beste aller Positionen rückt, liegt der nicht ganz vier Meter lange BMW sehr satt und ruhig auf der Fahrbahn. Damals, Ende der Achtziger, war der Z1 nicht nur wegen seiner Türen ein Unikum. Viele Karosserieteile sind aus Kunststoff, andere Teile wie die Heck- und Frontklappe bestehen aus GFK. Das macht den BMW leicht und bot den Entwicklern wichtige Informatioen für die Zukunft des Autombilbaus. Der Z1 war also auch ein Versuchsträger, allerdings mit der Attitüde des Spaßmobils.

Nach dem Fotoshooting kann das Model seinen Hut wieder aufsetzen, der Catwalk steht an. Kurven, Setigungen, Kehren und leichte Beschleunigungsübungen.

Die 170 PS haben mit den 1250 Kilogramm keine Probleme, heute eh nicht, weil wir die 225 km/h Topsteed weder anpeilen noch fahren dürfen. Autobahnen lassen den Roadster kalt, auch bei Sonnenschein. Auf nasser Fahrbahn stehen auch die Reifen auf dem Prüfstand. BMW hat dem Z1 sehr gute Schuhe besorgt, der BMW tanzt durch die Kurven und macht besonders beim Beschleunigen viel Freude. Seine starke Seite kann der Roadster in Ortschaften ausspielen, die Türen werden versenkt und die Schenkel freuen sich über schöne Aussichten. Bei Sonnenschein ist diese Beinschau besonders nett, man kann mit dieser Einlage einen Jungfernstieg in Hamburg zur Bühne machen. Als der Z1 ein Neuling war, wurden wohl viele Beine auf diese Weise auch von der Seite gebräunt. Natürlich hat dies auch Nachteile, der lässige Typ von Welt muss über darüber nachdenken, wo nun der linke Arm bleiben soll. Vielleicht greift Mann mit beiden Händen zum Lenkrad.

Zurück auf der Piste, bei nicht enden wollendem Regen. Der Zweisitzer kann seine Neutralität ausspielen. Über- oder Untersteuern ist kaum machbar, die Lenkung ist auch nach über 24 Jahren sehr präzise. Die Klassik Abteilung der BMW AG ist für ihre tadellose Arbeit und Sorgfallt im Umgang mit den Klassikern bekannt. Das Interierur ist im Vergleich zu zeitgenössischen BMW ein wenig zu sehr mit Kunststoffen überzogen. Schwarz dominiert. Die Sitze sind bequem und bieten ausreichend Halt. Man kann auch lange Strecken bequem und sportlich bewältigen. Der Kofferraum reicht für kleines Gepäck und der Benzinverbrauch löst keine Schockstarre an der Tankstelle aus. Nach gut 120 Kilometer erreichen wir Berchtesgaden. Zwei junge Menschen stehen am Hoteleingang und bewundern den kleinen BMW. Sie fragen nicht nach PS oder Topspeed. Sie wollen die Türen in Aktion erleben, kein Problem. Zack oben – zack unten. Jetzt wartet noch ein Z auf uns. Der Z8 in Rot steht bereit. Bruno Spengler grinst und steigt aus. In drei Tagen wird er in Spielberg siegen.

 

 

Die technischen Daten des BMW Z1:
Motor: Reihensechszylinder
Hubraum: 2.494 ccm
Leistung: 125 kW / 170 PS
Drehmoment: 222 Nm bei 4.300 Umdrehungen
Topspeed: 225 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,9 Sekunden
Verbrauch kombiniert: 7,9 Liter / 100 km
Tank: 58 Liter
Antrieb: Hinterrräder
Getriebe: 5-Gang Handschalter
Länge: 3921 mm
Breite: 1.690 mm
Höhe: 1.277 mm
Radstand: 2.400 mm
Leergewicht: 1.250 kg
Produktion: 8.000 Stück
Produktionszeitraum: 1089 bis 1991
Preis: 83.000,00 DM

 

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Text: Ralf Bernert
Fotos: BMW AG