Fahrbericht BMW M1: Der bayrische Flachmann
Gut eineinhalb Jahre sind vergangen, seit wir einen BMW M1 durch die Alpen von St. Moritz nach Bayern begleiten durften. Nun war die Zeit reif für eine zweite, tiefer gehende, Begegnung. Das Rendez-vous fand diesmal auf M1-Parkett statt. Auf und in direkter Nachbarschaft der Nordschleife.

Nürburg, 29.10.2009

BMW M1

So sieht man sich wieder. Man kennt sich, muss nur kurz schnuppern, eine Runde, um sich die Figur noch einmal anzusehen. Wunderbar. Das markante Gesicht mit den kleinen Nüstern und der forsch nach vorn strebenden Nase. Der provokante Hintern, stramm und sportlich. Und natürlich das Profil, auf den einmaligen Rädern steht eine glasklar zu identifizierende Skulptur, die man mehr als 25 Jahre nach ihrem ersten Auftritt noch bewundern mag. Wie die Bardot oder die Loren. Nur mit weniger Rundungen und mehr Kanten. Aber dafür unverwechselbar. Ein Italiener hat die Form geschaffen, ein deutscher Ingenieur hat ihm Leben eingehaucht und ein cleverer Manager hat seiner Karriere den wichtigen Schub verpasst. Die gewaltige Bühne der Formel-1 sorgte für ein Millionen-Publikum.

Die zweite Begegnung entwickelt sich prächtig. Die Begrüßung fällt kürzer aus, dafür war die Vorfreude auf dieses Treffen umso größer. Man erinnert sich an die erste Ausfahrt und man erinnert sich an die Vorsätze, falls man wieder zusammenkommt. Der Sportler im M1 sollte noch mehr gefordert werden, die Potenziale sollten noch stärker zum Leben erweckt werden. Beim zweiten Date darf man gerne mutiger, forscher zur Sache gehen. Schon der Ort ist Verpflichtung. Der Nürburgring, genauer die Nordschleife, wurde als perfekte Location auserkoren. Hier lernte der BMW den Rhythmus des Kurven-Tango, hier brachten Paul Rosche, Marc Surer, Jochen Neerpasch und ein kleines Team dem Prototyp die ersten Schritte bei, lehrten ihn die hohe Kunst des Begeisterns, des Mitreißens und des Siegens.

Heute werden die Talente des M1 nur im Ansatz genutzt. Der Weg, den wir in den nächsten Momenten gemeinsam gehen, ist Faszination pur. Dies ist sein Revier und seine Sprache. Mit diesem Kunstwerk alleine auf der Nordschleife, ihm zuhören und spüren. Irgendwann tanzen die eigenen Füße im Takt der Kurven. Der BMW gibt den Ton an, das Parkett weist den Weg und der Fahrer geht auf eine kleine Reise.

„Die Formel-1 Fahrer hatten einen Mords-Spaß“, erinnert sich Jochen Neerpasch. „Am Anfang musste ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden, aber nach den ersten Rennen war die Begeisterung enorm groß. Die ProCar-Autos waren mit bis zu 800 PS das perfekte Trainingsgerät vor dem Formel-1-Rennen.“ Heute sieht und hört man beim Oldtimer-GP vier oder fünf ProCar-Autos auf der GP-Strecke des Nürburgrings um die Wette fahren. Die Fans sind begeistert; dem Mythos M1 und den aktuellen Preisen für die Supersportwagen verhilft die aktuelle Studie „M1 Hommage“ zu neuen Höhenflügen.

Im Straßen-M1 fliegen die Fahrbahnbemalungen und Abschnittschilder wie Herbstlaub vorbei. Hatzenbach, Brünnchen oder Hohe Acht. Hier wurden unzählige Runden gedreht, das Fahrwerk abgestimmt, das Getriebe justiert und die perfekte Gewichtsverteilung gefunden. Die Nordschleife war der Kreissaal, die Formel-1 das Sportstudio. Jetzt sind wir uns näher gekommen. Haben die Schritte beschleunigt. Für einen Tanzwettbewerb reichen die Kenntnisse noch nicht aus. Aber die Lust wird von Kilometer zu Kilometer stärker.

 

Nach dem Tanz der Spaziergang an der frischen Luft. Der M1 wechselt das Kleid. Vom feurigen Orange zum frommen Weiß.
Vorbei an kleinen Dörfern, über schmale Landstraßen und durch den Indian Summer der Eifel. Die Jungs drehen sich um. Meine Eroberung macht Eindruck und mich stolz. Zugegeben der M1 ist nur geliehen, aber die hübsche Blonde in der Tanzstunde war auch nicht mein Eigentum. Who cares? Irgendwo zwischen zwei Feldwegen eine kleine Pause. Die Kamera will diesen Moment einfangen. Ein M1 in regungsloser Pose. Eine Seltenheit.

Nach einer Stunde ist das Date zu Ende. Damals, beim ersten Anblick im Playboy-Heft, wurde der Wunsch, diesen Wagen einmal zu besitzen, geboren. Vor eineinhalb Jahren in der Schweiz wuchs dieser Vorsatz, heute werden Angebote studiert. 140.000 Euro werden aufgerufen. Das Angebot ist knapp, der M1 steht hoch im Kurs. Kein Wunder, bei diesen Talenten.

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla
Foto: Gudrun Muschalla

Buchtipp
BMW M1 Hommage

Text: Ralf Bernert
Fotos: BMW/Ralf Bernert

www.bmw.de