Bentley Continental GT V8: Label in red

Diversifikationen aus Crewe. Zwei Baureihen, drei Motoren. So viel Bentley gab es noch nie, die Briten fächern ihre Kollektion auf und kümmern sich verstärkt um junge Liebhaber,die eine Vorliebe für kraftvolle Edelsportler haben.
Ein paar Runden auf einer Rennstrecke und eine feine Ausfahrt in die Heimat des Rioca zeigen, dass sich der neue V8 im Coupé und im Cabriolet sportlich und in aller Ruhe genießen lässt.

 

Bentley-Continental-GT-V8-Titel

 

Eine Rennstrecke kann ein Kreissaal sein, eine Geburtsstätte für ein neues Leben. Man ist umgeben von Fachpersonal, die Fahrbahn gleicht einem Reinraum, die Rennfahrer wissen das, Rennställe nutzen das und Hersteller schätzen den besonderen Klang des Ausrufes, wenn der Fahrer aussteigt und über seine Eindrücke spricht. Jetzt steige ich aus und schreibe über das neue Leben aus Crewe.

 
 

Das Herz schlägt, oder besser es swingt. Von einer Kurve zur nächsten, mit einem Schlag bis zum Ende der Skala und das auch ohne Stethoskop deutlich hörbar. Benzin rennt durch die Adern, man muss dem “Kleinen” keinen Klaps auf den Popo geben. Ein kurzer Tritt auf das Pedal rechts reicht und der Bub schreit den Saal zusammen. Man will unbedingt los, Helm auf, Kapuze drunter, Gurt sortieren, vorher Sitz einstellen, Spiegel in Position, vielleicht noch Musik. “Highway Star” von Deep Purple wäre ganz schön. Ein Kinderliedchen, gesungen von Heinz Rühmann, wäre eher unpassend. Wenn ich mit ihm fertig bin, kann der Red Label ein Schläfchen machen. Vollgas.

Er sei ein rechter Wonneproppen, hiess es. Er sei zu schwer, meinen andere. Er sei kein Sprinter, wird behauptet. Andere sind leichter, schlanker, sehniger. Und langsamer.

Der GT mit vier Liter Raum verteilt auf acht Brennkammern ist schnell, sehr schnell. Die kurze Rennstrecke in Los Arcos im Norden Spaniens wird von Formel-1-Teams als Teststrecke genutzt. Auf knapp vier Kilometer Länge wurden 15 Kurven verteilt, die Start-Ziel-Geraden misst 800 Meter. Der Streckenrekord wurde 2010 aufgestellt: 1.27,348 Minuten. Der V8 wird diese Marke nicht knacken, das Thermometer zeigt knapp vier Grad Celsius, die Augen melden leichten Regen und die Messanlage ist inaktiv.

Rundengespräche: Neben mir sitzt ein Fahrinstruktor, der Menschen zeigen kann, was in einem Auto steckt. Die erste Runde darf ich beobachten, lernen, staunen und notieren. Die Gerade fordert das Getriebe, von 1 bis 8. Die Gänge laufen durch, kein Ruckeln, kein Verzögern, kein Problem. Bei Tempo 200 taucht die erste Bremsmarkierung auf, der Bentley ist für seine Kopflast bekannt und meistert den Lastwechsel sehr überzeugend. Das Spiel mit Lenkung, Getriebe, Drehmoment und Fahrwerk entwickelt sich schnell zum Spaß, die Rundenzeiten werden kürzer, die sportlichen Talente des Briten treten deutlicher zutage. Wir haben dem Coupé den Einreiher ausgezogen, der Trainingsanzug steht ihm gut.

Eine Nacht unter spanischen Sternen, ein Rioja der Spitzenklasse, natürlich in Maßen. Der Bentley mag keinen Restalkohol. Nach dem Frühstück warten Farben vor der Tür.

(Aussen/Innen)
Glacier White/Beluga
Violette/Beluga
Porcelain/Burnt Oak
Dragon Red/Beluga
Thunder/Brunel
Beluga/Newmarket Tan
Sunburst Gold/Burnt Oak

Violette und Beluga, eine Kombination für kühle Sonntage. Das Verdeck bleibt meist geschlossen, dafür muss man hier und da die Fenster bewegen. Der Sound aus den beiden Endrohren, die übrigens wie liegende Achten geformt sind, ist die Musik mit dem sportlichen Unterton, den man gerne hört. Vorne wird gearbeitet – hinten wird gesungen.

Landstrassen, Autobahnen, kleine Gassen und eine wunderbare Landschaft, die man gerne wieder besuchen will. Jeder Sonnenstrahl vertreibt das Verdeck nach hinten, bei Schrittgeschwindigkeit oder vor der Ampel versenkt die Mechanik das Dach und jede Chance auf ein paar Hundert Meter freie Bahn werden zwecks Beschleunigung genutzt. Das ist wohl der Unterscheid zum GTC W12. Der neue V8 animiert und verführt ein wenig mehr. Dass der W12 ein wenig mehr Reserven hat, einen GTC V8 auf deutschen Autobahnen überholen kann, ist hier in Spanien nicht relevant. Wichtig ist vielmehr die Charakteristik des GTC Red Label, der ein wenig knackiger, lauter und vielleicht auch jünger daher kommt.

Red Label oder das kennen wir doch. Den GT und GTC V8 erkennt man nach einem Blick auf die Motorhaube, das grosse B ruht auf rotem Grund. Bentley-Kenner erinnern sich an den Arnage Red Label, eine Limousine mit einem sehr sportlichen V8 unter der Haube. Heute wird der Mulsanne mit dem Klassiker V8 6.75 Liter befeuert, damit ist Bentley der einzige Hersteller, der zwei sehr unterschiedliche V8-Motoren im Programm hat. Ein Luxus, der auch in Zukunft Bestand haben soll, so Unternehmenssprecher Martin Bommer auf die Frage, wann der neue V8 auch in der Mulsanne-Baureihe Einzug halten wird.

Im Continental jedenfalls macht der moderne Motor eine sehr gute Figur, der Verbrauch ist dank der Zylinderabschaltung beeindruckend niedrig und in dieser Klasse unerreicht, laut Bentley soll der Verbrauch im Vergleich zum W12 um vierzig Prozent niedriger liegen. Die optischen Unterscheide zum Continental W12 sind natürlich erkennbar. Der Grill ist glänzend-schwarz inklusive einer Trennstrebe, die Frontschürze ist dreigeteilt und über die Endrohre wurde weiter oben bereits gesprochen. Das Red Label dient zur Identifikation auf Parkplätzen, im Fahrbetrieb wird man kaum genug Zeit finden den Untergrund des schnellen B zu erkennen.

Fahrbericht: Bentley Mulsanne

Fahrbericht: Bentley Mulsanne auf der Rennstrecke 

Fahrbericht: Bentley Continental GT W12

Fahrbericht: Bentley S1

Restauration: Bentley T2

Konzept: Bentley Mulsanne Vision

 

 

Die Technik (laut Hersteller):
Motor: V8 Twin Turbo mit Zyilnderabschaltung (V4)
Hubraum: 4,0 Liter
Leistung: 373 kW/507 PS
Drehmoment: 660 Nm bei 1.700 bis 5.000 U/min
Reichweite: über 800 km
Getriebe: 8-Gang-Automatik mit Schaltwippen
Antrieb: 40:60 Allrad (vorn: hinten)
Preis GTC: ab 149.600,00 Euro
Preis GT: ab 136.000,00 Euro

Text: Ralf Bernert
Fotos: Ralf Bernert/Max Earey für Bentley und Bentley Motors