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24 Apr 2019

Blog Post

Austin Mini Cooper S Rally Replika: In einer Legende durch den Harz
Fahrberichte

Austin Mini Cooper S Rally Replika: In einer Legende durch den Harz 

Schön war´s, laut war´s, knackig war´s und gelacht haben wir auch. Mit einem ganz besonderen Mini haben wir die Hamburg-Berlin Klassik gerockt. 90 PS, die Knie im Dauerstress und immer an Rauno denken.

In Berlin steht der Mini mit einer ganzen Kollektion an Aufklebern auf dem kleinen Leib wie ein schüchterner Junge zwischen Rolls-Royce, Bentley und Ferrari. Gleich geht die Tour los, von Berlin nach Hamburg und der kleine Rote aus dem Jahr 1968 springt nach vorn, als gelte es noch einmal die Rallye Monte Carlo zu gewinnen. Bernd Schweikard vom AWR Magazin und ich werden den 68er Austin Mini Cooper S Rally Replika auf der Hamburg-Berlin Klassik 2015 von Berlin nach Hamburg pilotieren.

Es ist ein Sommermorgen, warm, trocken und mitten in Berlin. Das Ellington-Hotel war eine coole Herberge und die zehn Klassiker, die BMW für die Hamburg-Berlin Klassik mitgebracht hat, stehen in Reih und Glied vor dem Olympiastadion. Einige Motoren laufen schon. Der offene Silver Cloud von Rolls-Royce vibriert ein wenig, den Motor hört man nicht. Schon gar nicht, nachdem der Mini „Guten Morgen“ geschrien hat. Der winzige Vierzylinder unter der sehr kleinen Motorhaube hat mal eben eine Ansage gemacht. Er ist bereit, er wurde bereit geboren. Vorher wurde der Hauptstromschalter nach rechts gedreht, der Zündschlüssel, so klein wie der Schlüssel für einen normalen Briefkasten wurde ebenso nach rechts gedreht, ein Lichtlein leuchtet und nun drückt der Handballen auf einen Knauf unter dem Lenkrad, der Anlasser müht sich hörbar und dann fliesst der Saft durch die beiden Vergaser in den Motor und der rechte Fuß drückt schüchtern das Gaspedal nach unten. Vorher den Schalthebel von links nach rechts und wieder zurück geschoben. Kein Gang drin, Glück gehabt.

Austin Mini Cooper S Rally Replika – Dieser Mini schlägt alles

Der Weg vom Parkplatz des Hotels zum Berliner Olympiastadion, dem Startplatz der Rallye, ist gespickt mit Ampeln, Berufspendlern und sonstigen Strassenverkehrsfallen, die einem in den Sinn kommen, wenn man in einem waschechten Rallyewagen sitzt, der vor 47 Jahren gebaut und im Grunde nur auf Spielplätzen für Rallye-Profis konstruiert wurde. Ein Arbeitsgerät mit Strassenzulassung, das über eine Batterie von kleinen und grossen Schaltern hinter dem Steuer verfügt, ein Profi-Mini mit einer kleinen Armee an Schaltern in der Armlehne des Beifahrersitzes für die Scheibenwischer und sonstige Nebentätigkeiten des Copiloten, der wenn er nicht gerade aus dem Gebetbuch vorliest, aus dem Seitenfenster schaut und herausfindet, wo die verflixte Abbiegung ist, die eigentlich nach 360 Metern kommen sollte. Der Tripmaster zählt munter weiter und der Mini schreit seine Lebensfreude hinaus in die Berliner Luft. Am Stadion angekommen, dann das obligatorische Aufstellen, das Warten, das Zuhören, wenn der Orga-Chef der Rallye noch einmal über die Strassenverkehrsordnung, versteckte Zeitprüfungen und Fairness redet. Gegen 12 Uhr Mittags dann die ersten Oldtimer, der Streckensprecher erzählt Geschichten, der Mini wurde x-mal fotografiert und wir nehmen Platz. Gleich durch das Törchen und hinaus in die Welt. Die erste Zeitprüfung wartet. 100 Meter in acht Sekunden. Die Stoppuhr arbeitet, der Beifahrer zählt laut bis acht und die Stosstange des Mini durchtrennt einen Lichtstrahl, geschafft. Wir sind im Rennen.

Der Motor des Mini hat ein wenig mehr als 1.000 Kubikzentimeter Hubraum, etwa 90 PS Leistung wurden verkündet, der ganze Wagen wiegt lächerliche 670 Kilo, plus zwei Erwachsene und Gepäck macht rund 850 Kilo. Verteilt auf drei Meter Länge, 1,4 Meter Breite und sehr sportliche 1,3 Meter Höhe. Der Beifahrersitz ist eine Aufgabe, kein Seitenhalt, dafür ein Hanfseil zum Festhalten, wie in einer uralten Strassenbahn. Eine Handkurbel mit Holzgriff kann die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach vorn oder hinten bugsieren. Der Fahrer hat sich bitteschön nach dem Sitz zu richten, der ist festgeschraubt und damit fertig. Gurte gibt es auch, aber die hängen nach dem dritten Ein- und Aussteigen arbeitslos herum. Und dann folgt die linke Hand dem Gebot der Kupplung, vier Gänge plus Rückwärtsgang ganz weit hinten rechts. Ein grosses H, dessen Geographie einfach aber die Wege zu den einzelnen Station manchmal recht schwierig ist. Erstens, weil man als Kontinental-Europäer eher mit der rechten Hand schaltet und zweitens, weil das Getriebe nur zum Teil synchronisiert ist. Das heisst, Zwischengas und hoffen, dass man trifft. Manchmal trifft man nicht, wenn das dann mitten auf dem Dorfplatz passiert und die Zuschauer, deutlich in die Knie gehend, durch das nach hinten geschobene Plexiglas grinsen und Dich fragen, ob Du auf nem Automatik den Führerschein gemacht hast, dann, ja dann kommt Freude auf und man wünscht sich, dass die Fahrt in diesem wirklich eindrucksvollen Mini einen Tag früher auf einem Übungsplatz begonnen hätte. Hat sie aber nicht.

Irgendwann verschwindet Berlin im klitzekleinen, rahmenlosen Spiegelchen. Landstrassen tauchen auf, Dörfer mit wild winkenden Menschen am Strassenrand werden zum Normalfall. Die HBK, so liebevoll nennen wir Teilnehmer die Hamburg-Berlin Klassik, treibt den Mensch aus seinem Haus und teilweise aus seinem Oberhemd. Nackte Oberkörper sind auch bei 35 Grad oberhalb des Gefrierpunktes nicht immer elegant, der Mini hält das aus. Man will uns antreiben. Fäuste werden von links nach rechts geworfen, hau´ den Lukas oder so. Der kleine, rote Brite soll mit Zunder um die Ecken fliegen und wir gleich mit. Da wäre dann noch eine Strassenverkehrsordnung und das Thema Sicherheit für Alle. Also Zwischengas in Dosen. Hämm, Hämm, Hämm. Ja der Spaß ist mit an Bord, der 90 PS Rallye-Profi rennt mit reichlich Hurra aus den Kurven hinaus, er mag die 4.000er auf dem Drehzahlmesser, schmale Landstrassen sind eine Freude, der Fahrer rechts streichelt Gänseblümchen am Wegesrand und der Beifahrer schaut sich die Augenfarbe entgegen kommender 40-Tonner-Fahrer an. Es lebe die freie Wildbahn, die Rallye Monte Carlo, Rauno der Held und die Jungs bei BMW Classic, die diesen Mini besten in Schuss halten und uns hinter das Steuer dieser Legende setzen.

Die Kniescheiben sind noch dran, man spürt das ganz genau. Nach rund acht Stunden auf dem Fahrersitz, der mehr Schale als Sitz ist, den Händen um das schlanke und recht abgegriffene Lenkrad und dem Geschrei eines Motors, der mit rund 90 PS recht deutlich zur Sache geht, steigt man aus und schaut sich um. „Bin ich der Einzige, der hier wie ein uralter Mann aus einem sehr kleinen Auto steigt und sich fühlt, als hätte er gerade in einer Fernseh-Show eine Wette verloren?“ Nein, bin ich nicht. Zudem bin ich aus einer Legende gestiegen. Dieser Austin Mini Cooper S Rallye wurde im Jahr 1968 als eineiiger Zwilling des Dienstwagens von niemand geringerem als dem Rallye-Professor Rauno Aaltonen gebaut. Eins zu Eins. Und Rauno hat das Original 1967 als Sieger durch die Rallye Monte Carlo gelenkt. Und nun entsteige ich einer perfekten Replika dieses Siegerwagens. Was kümmern mich da meine Kniescheiben?

Der erste Tag nimmt ein feuchtes Ende. In Wolfsburg, dort wo man dem Auto eine ganze Stadt gebaut hat, steht der Mini auf der Rampe, ein Herr erklärt freundlich was es mit dem Wagen auf sich hat und später am Abend wundern wir uns darüber, dass die Fussballer von 1. Herrenmannschaft von Shaaalke in unserem Hotel wohnen. Der blaue Bus steht vor der Tür und direkt daneben ein paar Fans. Der nächste Tag bringt wieder reichlich Sonne, Sommer und noch mehr Landschaft wovon der Beifahrer so gar nichts hat. Wir haben getauscht, Bernd Schweikard, gestern noch hoch motiviertes Kartenlesegerät, sitzt heute hinter dem Steuer und läßt den Mini durch den Harz fliegen. Das Publikum hat grosse Freude an dem kleinen Wagen, man unterhält sich bei einer Fotopause vor einer Feuerwache. Und am Abend wurden schon mal die Olympischen Spiele feuerlich eröffnet, 15 Jahre Autostadt und es regnete Flammen, Wasser, Musik und Video.

Es geht nach Hamburg, der letzte Tag. Unten rum, also Lüneburg und seine grüne Lunge. Ein Fest für die Teilnehmer, mehr Kurven, mehr Landschaft und mehr Vorfreude auf Hamburg kann man kaum erleben. Dann die riesige Köhlbrandbrücke und der Containerhafen. Der Mini flitzt zwischen den grossen, wirklich, echt grossen Legosteinen hin und her. Dann über die Elbe, rein in die Stadt. Die Elbphiharmonie weist den Weg, die Dauerbaustelle Hafen-City wird zum Tor und schließlich die Fischauktionshalle. Wir rollen direkt vor dem schwarzen 328 durch die Menge. Kati Witt und Ulrich Knieps ziehen das Publikum magisch an und wir im Schlepptau durch die Menge. Zwischen die Reifen des Mini und den Füssen der Zuschauer passt keine Flunder, der Rote schreit noch einmal das Hallali in die Menge. Wir sind da. Lebendig, klatschnass geschwitzt, müde und stolz. Bernd Schweikard und Ralf Bernert haben den legendären Austin Mini Cooper S Rally Replika aus dem Jahr 1968 von Berlin nach Hamburg gebracht. Wir haben drei Tage gelacht, gestaunt, im Roadbook nach der richtigen Abbiegung gesucht, wir haben Stoppuhren zum Laufen gebracht, wir haben Stempelabdrücke gesammelt, unzählige Male den Arm durch die kleine Öffnung geschoben und gewunken, wir haben Gänge gesucht und gefunden, wir haben einigen Leuten die Ohren durchgepustet und wir haben im Gesamtergebnis keine echte Rolle gespielt. Rauno würde den Kopf schütteln. Der Mini war ein Erlebnis. Ein einzigartiges. Der Motor laut und stark, wer länger als 1,75 ist, wird nach ein paar Stunden hinter dem Steuer über Rückengymnastik nachdenken. Der Beifahrer lernt den Begriff Seitenhalt von einer vollkommen neuen Dimension kennen, es duftet permanent nach Benzin, es ist unglaublich laut, die Seitenscheiben lassen sich nur zur Hälfte nach hinten schieben, von Federung wollen wir erst gar nicht reden. Der Rallye Mini ist ein ein Arbeitsgerät, kein Lifestyle-Auto und nach gut 750 Kilometer in diesem außergewöhnlichen Mini kann man ohne Übertreibung sagen: Danke BMW Classic für diesen Wagen und nochmals Danke für drei Tage des Donners. Jetzt kann man ungefähr erahnen, was Männer wie Paddy Hopkirk, Rauno Aaltonen und Timo Mäkinen plus ihre Co-Piloten damals Mitte der 60er geleistet haben. Und denen hat kein Ortsbürgermeister nebst Weinkönigin Schnittchen plus Apfelsaft gereicht.

Und so schaut der Austin Mini Cooper S Rally Replika im Inneren aus:

Text: Ralf Bernert

Fotos: Gudrun Muschalla für BMW Classic / Ralf Bernert

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