Aston Martin Vantage V8 SP 10: Der Nine-to-Five-Job
Es gibt Jobs, die macht man besonders gern. Einen Aston Martin bewegen zum Beispiel. Der Vantage S mit V8 und in der SP 10 Variante ist ein besonderer Aston. Mit Speziallack und Handschalter.

 

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

 

Vor dem Job der dritte Morgen-Kaffee, mit Milch und Löffel. Irgendwo hinter den Wänden des Empfangsraumes wird der SP 10 mit einem feinen Staubtuch verwöhnt. Der Kaffee ist schön warm, in Glasvitrinen stehen Pokale, Auszeichnungen. Auto des Jahres, Bester Motor, Racing Car of the year und so weiter. Hinter mir, gut zehn Meter entfernt steht ein grüner Vantage mit zahllosen Aufklebern. Im Innenraum ist der Überroll-Käfig nicht zu übersehen, es fehlt jede Form von Komfort. Ein paar Blessuren an der Karosserie zeugen von Begegnungen mit Leitplanken oder anderen Rennwagen. Der Vantage fuhr beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in der Klasse SP 10. Eine Frage wäre damit geklärt.

Der Testwagen rollt fast unbemerkt um die Ecke. Schwarz, ohne Käfig, dafür mit schwarzen Bremssätteln und Handschalter. Man kann wählen. Automatik oder Kupplung plus Handarbeit. Je nach Lust.

Der Schlüssel, der keiner ist, liegt so satt in der Hand wie ein Luxus-Handy der neuesten Generation. Klein, handlich, wertvoll und für die Hosen- oder Jackentasche zu schwer. Man spielt damit und schaut ihn gerne an. Wie den Aston. Die Tür schwingt leicht nach oben, der Hebel der hydraulichen Handbremse liegt fast aufreizend links neben dem Fahrersitz. Ein Kollege klärte auf, Handbremsen dieser Art nennt man „Fly off“, sie sind auch für den Betrieb während der Fahrt geeignet. Normale Hand- oder Feststellbremsen sind nur für den Betrieb im Stand geeignet. Es mangelt ihnen an Leistung. Die Aston-Bremse sorgt bei Bedarf für blockierende Hinterräder, driften nennt man das. Ich nenne es auch rutschen und das soll nicht Gegenstand meines Ausfluges mit dem SP 10 sein.

 

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Kurz hinter der Tankstelle an der Döttinger Höhe kann man entweder links in Richtung Brünchen abbiegen oder man fährt weiter geradeaus Richtung Virneburg. Dort warten nach der Ortsdurchfahrt ein paar nette Aufgaben auf Fahrer und Coupé. Vorher zeigt der V8 noch schnell, dass man ihn gerne auf Touren bringen darf. Ein Blick in den Rückspiegel, nix los. Runterschalten in den Zweiten, vorher abbremsen auf 20 km/h und dann „gute Reise“. Die 6.500 Touren schreit der Wagen ganz ungeniert nach hinten raus, man schaltet nach oben bis die Marke 100 erreicht ist und das geht blitzschnell. Der Dritte Gang reicht völlig aus, dann noch schnell der Blick nach hinten. Leere, also Kupplung, Zwischengas weil´s so schön ist, runter in den Zweiten und der V8 singt sein Lied vom Sportabzeichen für Zweisitzer mit britischem Pass.

Jetzt kommt die zweite Übung. Zuerst bergauf, sieben Kehren, sieben mal rauf und runter mit den Gängen, die Bremsen werden warm und weicher. Keramik ist eine gute Idee. Der Brite lässt sein Heck tanzen, die Elektronik fängt es schnell wieder ein. Wer noch schneller unterwegs sein will, braucht keinen Gegenverkehr oder „Wohnen auf Rädern“ vor der Nase. Der Vantage gewöhnt sich schnell an dieser Art der Fortbewegung, bei weniger als viereinhalb Metern Länge und 1.600 Kilo Gewicht ist das eine feine Sache. Man bewegt keine Welten, sondern Emotionen. Genau das darf man von einem Aston Martin erwarten. Und die Erwartungen werden auch prompt erfüllt.

Nach der letzten Kehre darf das Coupé ein wenig verschnaufen. Der Wagen rollt mit 100 km/h im sechsten Gang gemächlich dahin. Der Sound im Innenraum ist sehr angenehm, das Smartphone schickt Carly Simon´s „You´re so vain“ durch die Boxen. Ich lasse das mal unkommentiert und geniesse den Refrain mit offenen Seitenscheiben. Koblenz rückt näher, mittlerweile ist The Who an der Reihe. „Babba O´Riley“ mit V8-Sound gemischt. Nicht schlecht. Leiser drehen, Stil bewahren.

Ein Parkplatz an einer Hauswand. Passanten laufen vorbei, der Brite lenkt ab. Mann bleibt stehen, Junge schaut durch die Scheiben. Junge Frau dreht sich um, Polizist hält seinen Dienstwagen an. Ein, zwei Blicke ein Handy macht Fotos. Auf der Wache gibt’s dann später ein Gespräch unter Fans.

Rückfahrt auf der Autobahn. 130er Limit. 436 PS an der Leine, zum Glück ist der sechste Gang lang übersetzt. Man weiß in Gaydon, dass ein Aston Martin auch mal durchatmen muss. Die 305 km/h Topspeed sind diesmal nicht drin. Den Sprint von Null auf 100 hat der Brite unter fünf Sekunden geschafft, per iPhone gestoppt, also nicht amtlich. Egal, allein der Sound ist bemerkenswert.

Kurz vor Five. Feierabend, leider. Die neun Stunden sind wie im Flug vergangen, der Aston Martin hat begeistert, überzeugt und ein paar Handys mit hoffentlich schönen Fotos gefüllt. Die Ausfahrt hat gezeigt, dass der V8 in Verbindung mit dem Vantage eine fast perfektes Team ist. Mehr Power kann man fast immer gebrauchen, aber das Handling des Coupés ist dank der direkten und sehr sauber arbeitenden Lenkung, dem nicht zu harten Fahrwerk und der sehr guten Balance des Wagens überzeugend. Das Getriebe macht Spaß, wer allerdings oft auf der Autobahn oder in der Stadt unterwegs ist, sollte sich lieber mit der Automatik anfreunden.

Vergleiche sind nicht notwendig. Es gibt die Streitaxt aus Italien, den Säbel aus Deutschland, die Kettensäge aus den USA und den Aston Martin.

Text und Fotos: Ralf Bernert

 

Foto: Ralf Bernert
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Die technischen Daten laut Hersteller:
Motor: V8
Hubraum: 4,735 ccm
Leistung: 321 kW / 436 PS
Drehmoment: 490 Nm bei 5.000 U/min
Fahrleistungen:
Topspeed: 305 km/h
0-100 km/h: 4,6 Sekunden

Maße:
Länge: 4.385 mm
Breite: 1.865 ohne Spiegel / 2.025 mit Spiegel
Höhe: 1.260 mm
Radstand: 2.600 mm
Wendekreis: 11,38 m
Kofferraum: 300 Liter
Tank: 80 Liter
Leergewicht: 1.610 Kg

Preis für den SP 10: ab 96.635,00 Euro plus Steuern