Aston Martin Vantage – Drei Tage im Hurra-Modus

Fahrbericht Aston Martin Vantage

Der Wagen rollt aus der Halle, um die Ecke und vor die Tür des Aston Martin Performance Center. Er schimmert leicht, er zieht Blicke auf sich und er wird gleich zu Diensten sein. Ein Vantage, brandneu, Morning Frost White und bereit für die Eifel und ihre Strassen. Ein Erfahrungsbericht.

Es war im Sommer, die Sonne lachte, sie schickte reichlich Hitze nach unten und die Eifel strahlte nur so vor sich hin. Und dann war da noch der Brite namens Vantage, der die Eifel und ihre Strassen liebkoste mit der Zärtlichkeit eines sehr verknallten, Hormon-triefenden Teenagers. Er wollte nicht mehr loslassen, am liebsten hätte er Briefe geschrieben. An jede Kurve, jede Wiese, jeden noch so schüchternen Hügel, wie man sie hier so oft sieht. Der Vantage hatte, wie ein fröhlicher Wandersmann seine Lieder gesungen, ja geschmettert. So intensiv, dass man ihn noch vier Kurven später immer noch deutlich hören konnte. Wenn er durch ein Tal fuhr, wusste man sofort, wer da kam, wer sich ankündigte. Die Ingenieure in Gaydon, seiner Geburtsstadt, hatten ihm Gesangsunterricht verordnet, auf das er nicht klinge wie jeder. Seine eigene Stimme sollte er haben.Und er bekam sie. Wunderbar stark, klar, auch laut, aber ausgebildet, geschult und sauber.

Fahrbericht Aston Martin Vantage – Die Ahs und Ohs

Seine Kleider wurden ebenfalls sorgsam ausgewählt, von sehr guten Schneidern genäht. Handarbeit, zum Teil. Die Schuhe aus Italien. Pirelli, der geschätzte Bäcker hat Maß genommen und sie ihm auf den Leib geschnitten. Sein Gesicht, sein Hintern inklusive eines Diffusors, dessen Aufgabe kaum deutlicher zu Tage treten könnte und alles, was dazwischen zu sehen ist, spricht Bände. Erzählt von der Zukunft der Familie und von der Tradition, den Ausflügen in die Welt des Kinos, des Motorsports, der Ahs und Ohs, wenn man ihresgleichen zu Gesicht bekommt. Die Erwartung, die man bei einem solchen optischen Auftritt spürt. An den Seiten die Muskulatur deutlich erkennbar. Austrainiert, Spannung pur, eine Pracht, stark, schnell und rassig. Stimme und Kleid, passt.

Und dann rennt er los. Am liebsten von Kurve zu Kurve, jede ist sein Revier und jede eine Oase, durch er hindurch marschiert. Mit der Zielstrebigkeit des Hochleistungssportlers, für den jede Zehntelsekunde so wichtig ist, wie der letzte Schluck Single Malt an einem ruhigen Abend mit Jazz und Kaminfeuer. Er stürzt sich in die ersten Zentimeter der Biegung, er folgt dem grauen, teils brüchigen Asphaltteppich, bis die Kurve in ihrem Verlauf ihren Höhepunkt findet und die schmalen Augen den Scheitel erkennen, der Fahrer ist mehr als nur Passagier. Er geniesst, er beobachtet, er lenkt, bremst, er läßt dem Gasfuß seinen Spaß und bemerkt mit jedem weitern Meter, dass er mit dem Aston auf einer Wellenlänge unterwegs ist.

Kurze Pause zwischen Häusern, an Ampeln, Gespräche mit Leuten, die einfach mal was sagen wollen. „Sieht geil aus“, hört man schon mal. Oder „Hallo James“, die Antwort „Hallo Moneypenny“ kommt bei Frauen gut, bei Männern weniger. Der Blick in den Wagen motiviert zu anderen Sätzen. „Die Schalter kenne ich“ oder Coole Sitze“. Es ist nicht mehr der Wasserfall, den man im Vorgänger noch mit dem Christall-Monolith gefüttert hat. Es ist auch nicht mehr die quälend langsame Volvo-like-Infotainment-Anlage. Alles läuft schneller, präziser, moderner. Wenn auch nicht von Aston Martin erdacht und gestaltet. Aber es passt, läuft, funktioniert.

Der V8, jene Maschine, die man recht häufig in Modellen der Marke Mercedes-Benz findet, arbeitet routiniert, mit hörbar kultiviertem Klang, also ohne das ursprünglich als pubertär geltende Getöse und trotzdem seiner Kräfte huldigend. 510 PS sind bei einer Masse von 1,5 Tonnen nicht zu wenig, man spürt den Sportler im Vantage, den technisch versierten Dynamiker, dessen Talente deutlich sicht-hör- und fahrbar sind. Auf der Autobahn rennt der Brite tatsächlich über 310 km/h, er ist neutral unterwegs, es sei denn, man will das Heck unbedingt aus dem normalen Lauf bringen. Dann läßt sich der Hecktriebler wunderbar zügeln und recht sauber quer fahren. Aber das sind Spielereien. Wirklich ernsthafte Übungen zur Querbeschleunigung absolviert der Zweisitzer mit dem gewaltigen Diffusor so sauber und präzise wie man es von einem Sportler seines Kalibers erwarten kann.

Nach drei Tagen haben wir den Vantage wieder zurück gebracht. Mit Wehmut und der Frage, ob man dieses Sportcoupé mit dem Habitus eines echten Sportwagens nicht auch bald mit manuellem Getriebe und einem 12-Zylinder erleben kann. Der Vorgänger war damit unterwegs und die Testfahrt damit war einen deutlichen Tick nachhaltiger. Womit der V8 Vantage in keiner Weise eingeordnet werden soll. Er hat uns begeistert, mit seiner Ästhetik und seinem kraftvollen Herz.

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Fotos Exterieur: Ralf Bernert
Foto Interieur: Aston Martin

Text: Ralf Bernert
Fotos: Aston Martin / Ralf Bernert

Fakten:
Motor: V8 BiTurbo
Hubraum: 3.982 ccm
Leistung: 375 kW / 510 PS bei 6.000 U/min
Drehmoment: 685 Nm bei 2.000 bis 5.000 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:
Länge: 4.465 mm
Breite: 1.942 mm ohne Spiegel
Höhe: 1.273 mm
Radstand: 2.704 mm
Leergewicht: 1.530 kg
Gepäckraum: 350 Liter
Tank: 73 Liter

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,7 Sekunden
Top Speed: 314 km/h

Preis in Deutschland ab: 154.000,00 Euro