Exclusive-Life driven by exception

Aston Martin DBX707

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Fahrbericht Aston Martin DBX 707 – Faster than ever

Schneller ist keiner, stärker auch nicht und eleganter sowieso nicht. Der DBX 707 trägt seine Kräfte im Namen und er rennt durch die Gegend, als wäre Speed eine Droge. Wir haben den Rausch erlebt. Auf Sardinien.

Ja, man könnte. Den James herbei schreiben, ihn reinsetzen, ihn gut aussehen lassen. Vielleicht im Urlaub. Mit Kind und Kegel. Und dann, irgendwann tauchen schwarze Autos auf, getönte Scheiben. Bei James klingelt´s im Bauch und er gibt Gas. Mal eben so. Und er wäre weg, mal eben so. Weil schwarze Autos keine 707 PS unter der Haube haben und schon gar nicht 900 Newtonmeter. James würde ihnen wegfahren. Mit Gebrüll und diesem typischen Grinsen. Speed ist eben doch keine Droge. Speed ist Technik. 


Den DBX, seit zwei Jahren unterwegs, haben wir erlebt. Auf Landstrassen in der Eifel plus Matsch auf den Felgen in einem Gelände-Parcours. Beide Ausfahrten waren ereignisreich, weil schnell, präzise, robust, emotional und ganz schön exklusiv. Dieser Aston hat unseren Horizon erweitert, weil man Aston Martin eher auf als neben der Spur kennt. 


Und nun stehen wir an einer Landstraße auf Sardinien, der 707 schaut mit uns die Landschaft an. Satin Titanium Grey, so heisst die Aussenfarbe unseres Testwagens. Und bevor wir auch nur einen Zentimeter des Wageninneren erkunden, rennen und spazieren wir um diesen Briten, der aussieht, als wäre er der Kommandowagen eines Spezial-Einsatzteams des MI6. Alle Waffen wurden perfekt versteckt. Falls man mal ein Gala-Diner stürmen will und nicht auffallen darf. Ein besonderer SUV mit dem Charme eines echt coolen Gentleman, der auf jedem Parkett zuhause ist. Selbst das Thema Abtrieb wurde so elegant wie möglich umgesetzt. Der Heckflügel nur leicht vergrössert, im Vergleich zum DBX. Vorn saugt der 707-Brite mehr Luft ein, unter der markanten Kühlermaske, wurde der Lufteinlass vergrössert. Nicht nur der Optik wegen, es geht um Kühlung und um Luftführung. Damit die Nase am Boden bleibt und nicht zur Tragfläche mutiert. All´ diese Anbauten, technischen Lösungen, der Traktion dienend, sind da und doch nicht da. Kaum sichtbar und wenn, dann so sauber integriert, die Ästhetik nicht störend. Auch das zeichnet diesen Briten aus. Er ist, was er ist. Ein eleganter Wagen mit dem Punch eines Profis und der Strahlkraft eines echten Gentleman.


Nach gefühlt einer Stunde Tür öffnen, einsteigen, den gewohnten Anblick im Innenraum inspizieren und spüren, dass der Finger den Startknopf drücken will, muss. Wohl wissend, dass in diesem DBX eine kräftige Hand voll mehr Leistung steckt, dass dieser DBX den „normalen“ DBX mit Leichtigkeit überholt, ihm wegfährt. Der V8 erwacht, meldet sich nachhaltig mit einem leichten Grollen. Wenn du morgens am Löwenkäfig rüttelst, wird er sich melden. Dir zeigen, dass er Dich bemerkt hat und du wirst wissen, dass das keine leere Versprechung ist. 


Genau so fühlt sich das an. Die ersten Meter, vorsichtig. Sachte und beobachtend. Die Maße im Blick, weil sie diesen DBX nicht als gewöhnlichen Luxus-SUV gebaut haben. Sie haben ihm noch mehr Leben eingehaucht, noch mehr Energie antrainiert und ihn hungrig werden lassen. Hungrig auf Asphalt und hungrig auf automobile Lust. D drücken, der Bremsfuß hebt sich und 707 Pferde spazieren los. 


Wir erinnern uns an 550 PS im „regulären“ DBX und was diese Kräfte mit dem DBX machen. Als würde man einem Gepard das leckerste Hühnchen der Welt vor die Nase halten und es mit Highspeed vor ihm her ziehen. Er rennt los, der Duft des Hühnchens erreicht die Nase der schnellen Katze und die Energie in ihr wächst und wächst. Er rennt und rennt und rennt immer schneller. Und jetzt sitzen wir in einem Aston Martin und vor uns wird das perfekte Steak an der leine gezogen und wir senken den Gasfuß so tief es nur eben geht. Das Bodenblech meldet Kontakt und wir heben den Schuh, auf dass der Brite wieder runter kommt. 

Das Steak kommt später an die Reihe, jetzt kommt die Vorspeise. Wir wollen wissen, wie man in einem Über-Drüber-Aston eine Insel erkundet und dabei den Komfort und die britische Seele des Wagens erleben kann. Also runter vom Gas und den V8 in Ruhe lassen. Das Fahrwerk auf Komfort und der 2,2-Tonner spaziert über alles, was sich ihm in den Weg stellt. Fast ignorant, ein wenig snobistisch. Löcher, Dellen, Kanten und Steine, die im Weg liegen, werden um- und überfahren. Weiter hinten im Wagen sitzt man derart bequem, derart lässig, als führe man zur Downing Street und werde gleich erklären, dass die Zeiten der Limousinen nun endgültig vorbei seien. Der 707 als präsidiales Gefährt sei nun state of the art. Schnell, edel, überaus komfortabel. 



Wieder zurück in der Realität. Knöpfe bewegen, ein HeadUp-Display vermissen, die Präzision von Lenkung, Pedalerie und Getriebe bewundern. Und die Lässigkeit, mit der der 707 von Komfort auf Sport+ umschaltet, als würde er die ganze Zeit nur auf diesen Augenblick warten. Wie ein Feuerwehrmann in Bereitschaft. Es klingelt, eine Sirene schreit los und er rennt zur Stange, rutscht hinunter und das Feuer kann sich auf was gefasst machen. Allzeit bereit.


Und dann taucht die Sirene auf. In Gestalt einer wunderbaren Landstraße. Mit Geraden und Windungen dazwischen. Der 707 erkennt das Signal, der Gasfuß senkt sich schneller als ein Fallbeil, die acht Kolben stürzen sich auf die Arbeit und der 707 nimmt uns mit auf eine Reise, die schneller vorbei ist als eine Runde in Silverstone. Unser Brite braucht gerade mal drei Sekunden plus drei Zehntel, bis er Tempo 100 erreicht hat. Auf jeder Geraden belegt der 707 auf´s Neue, dass er das kann. Kaum erreicht unser Testwagen den Eingang einer Kurve, rennt er los, erklärt unterwegs, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, weil das Thema Traktion zu seinen Grundnahrungsmitteln gehört. 


Wir glauben ihm jedes Wort, und weiter geht die Reise. Der Scheitel löst jeden Zweifel in uns, dieser Aston Martin ist schnell, sehr schnell und er verdient sich das Prädikat „schnellster und stärkster SUV der Welt“ derart klar, dass die Erinnerung an Testfahrten im italienischen Urus sehr schnell verblassen. Wo dort pure Kraft wütet, umgibt dich der DBX707 mit dieser, typisch britischen, Gelassenheit, die sich im richtigen Moment in einen elitären, traditionellen Club verwandelt, in dem eine heftige Speed-Party stattfindet. Später wachst Du auf und fragst dich, was das eben war. Wieder in den Komfort-Modus, runterkommen. Ausschau halten nach den nächsten Kurven. Lernen, dass auf Sardinien eine Natur zuhause ist, die man sich unbedingt ansehen sollte. Also alle Fenster runter, gäbe es einen Fahrmodus zum Dösen, hier wäre er angebracht. Der 707 kann das. Auch, weil die Sitze so bequem, das Interieur so hoch qualitativ und die Farben so klar sind. Ein Flaneur kann er sein, ein Derwisch, ein Transporteur und ein Offroad-Könner. Alles zusammen. Da bleibt die Speed-Party als Spitze des Eisberges gern im Gedächtnis. 


Fotos: Max Earey für Aston Martin