Aserbaidschan: Das andere Europa

Eine kurze Reise, eher eine Visite. Nach Baku und nach Shahrdag. Die Touristen mögen kommen. Es riecht nach Kultur, nach Geschichte und nach Geld. Das Erdöl fließt und die Wolkenkratzer schießen in die Höhe.

 

Asserbaidschan-Titel

 

 

Ich war in Aserbaidschan. Ohne Lieder, ohne Band und künstlerische Ambitionen. Viele Menschen haben Aserbaidschan besucht. Damals, als man nach Göteborg wollte. Baku als Sprungbrett, als Motivator, als Fenster. Die Kollegen suchten 2012 Hotels, Bars, Geschäfte und sicher auch Standards, die man in allen Metropolen der Welt findet. Leitlinien des Lebens, den roten Faden an dem man sich entlang hangelt oder von dem man sich ziehen lässt. Je nach Kraft und Ausdauer und die braucht der Mensch in Baku.

 
 

Der Flug von Hamburg endet in Istanbul, dann wieder einsteigen. Baku heißt das Ziel. Am Flughafen warten Männer mit großen Mützen und leicht düsterem Gesichtsausdruck. Aserbaidschan hat seine sowjetische Vergangenheit noch nicht ganz abgelegt. Man schaut mir tief in die Augen und fragt nach dem Grund meiner Reise. “Ich bin Journalist und will mir Ihr Land ansehen.” Das genügt. Weiter gehen, zum Ausgang, das Gepäck wird in den kleinen Bus geladen, die Kollegen kommen nach. Einer wurde etwas länger befragt, auch das ist normal in diesem Land. Später auf der Autobahn nach Baku schaut man auf frischen, perfekt gelegten Asphalt. Die Verbindung zwischen dem Airport und der Hauptstadt ist ein feiner Teppich. Man kommt an und schaut hinauf zu den Flammen. Oben auf dem Hügel stehen sie. Nachts illuminiert und höchst beeindruckend.

 

Asserbaidschan-Wintersport

 

 

Das Hotel liegt in der Altstadt, die Strassen sind nicht mehr perfekt. In Baku wird gebaut, abgerissen und planiert. Die Stadt lebt, wächst und gedeiht. Wieviele Menschen hier leben? Mehr als vier Millionen, sagt man. Es können auch fünf sein. Unzählige Wohnblocks sind in den letzten Jahren entstanden, früher lebten die meisten in Eigentumswohnungen und kleinen Häusern in der Innenstadt. Heute wird modernisiert, aufgeräumt und umgesiedelt. Der Mitarbeiter des Tourismusministeriums spricht von Dubai als Vorbild.

Am nächsten Tag, ein Ausflug an die Flaniermeile. Direkt am Meer, mit Blick auf prachtvolle Glasfassaden, Hotels mit Meerblick und natürlich Prada, Gucci und so weiter. Man wähnt sich in Hamburg, London oder eben Dubai, Lifestyle auf hoher Ebene. Baku kann sehr teuer sein und auch sehr prächtig. Hinter den ersten beiden Straßenzügen mit Edelgeschäften entdeckt man dann das alte Baku. Die Strassen werden holpriger, die Häuser älter, eine charmante Altstadt breitet sich hier aus. Verwinkelte Gassen, abenteuerlich befestigte Balkone hängen an den Fassaden, Tempel und kleine Parks haben sich wie kleine Inseln in der Stadt eingenistet. Man hofft, dass diese kleinen Oasen den Durst nach Kultur noch viele Jahre stillen werden.

Ski heil made in Austria. Gut 150 Kilometer nordwestlich von Baku werden Pisten vorbereitet. Der “Winter- und Sommertourismus und Erholungskomplex Shahrdag” soll zigtausend Touristen nach Aserbaidschan locken. Zwei Milliarden Euro sollen insgesamt investiert werden. Die Regierung hat Spezialisten aus Österreich und San Marino engagiert. Bisher wurden einige Liftanlagen, ein Fünf-Sterne-Hotel inklusive Shopping-Meile plus Skischule gebaut. Der Schnee ist vortrefflich und die Verantwortlichen versprechen weitere Baumaßnahmen. Shahrdag soll ein Hotspot des Wintersports werden und wenn man sich die momentane Lage anschaut, dann kann man das gerne glauben.

Ein Fazit: Aserbaidschan wandelt sich. Die ehemalige Sowjetrepublik mausert sich mit ungeheurem Tempo. Die Öl-Dollars sprudeln reichlich und Staatspräsident llham Aliyev investiert einen großen Teil davon in den Tourismus. In einigen Jahren wird dieses Land mit seinen kulturellen Schätzen, seiner modernen Architektur und einem luxuriösen Wintersport-Gebiet ein ernstzunehmender Mitstreiter unter Europas Destinationen sein.

 

 

 

Infos:

Flüge ab Frankfurt/Main direkt nach Baku kosten rund 500,00 Euro. Manche Fluglinien bieten auch preiswertere Flüge an. Reine Touristenhotels der gehobenen Klasse sind in Baku noch nicht zu finden. Direkt an der Uferpromenade finden sich allerdings verschiedene Business-Hotels mit sehr gutem Service. Hier finden Sie einen Bericht über das Hilton in Baku.

Text und Fotos: Ralf Bernert