McLaren 720S – So schnell geht das

McLaren 720S – So schnell geht das

McLaren 720 S Foto: McLaren

McLaren 720 S Foto: McLaren

1.500 Stück verkauft. Mal eben so. Weil der 720 S Begehrlichkeiten weckt und weil McLaren seinen Platz unter den wirklich sehr guten Herstellern von exquisiten Sportwagen gefunden und gefestigt hat. Nicht eben mal so, sondern mit Leistung und Qualität.

McLaren 720 S Foto: McLaren

McLaren 720 S Foto: McLaren

Genf, Anfang März 2017. Vorne steht er, der Neue. Mit erhobenen Flügeln und dieser einladenden Geste. Reinsetzen und gleich losfahren wollen. Wer drin sitzt, kann gleich den neuen Anblick des Cockpits erleben. Die Instrumente hinter dem Lenkrad verschwinden auf Knopfdruck, zurück bleibt ein schmaler Info-Streifen. Für die notwendigen, die wirklich wichtigen Daten. Motorsport-Feeling und dazu der richtige Untersatz. Die Kunst derer in Woking. „Baue einen echten, modernen und vor allem glasklaren Sportwagen mit dem man auch außerhalb einer Rennstrecke seine Freude haben kann.“ Das Wort Alltagstauglichkeit greift zu kurz, weil Alltag nach Langeweile klingt, nach nine to five.

Leichter – schneller – dramatischer. Das klingt nach der üblichen Marketing-Rhetorik. Wer Sportwagen baut, wird den Nachfolger kaum langsamer, schwerer oder zurückhaltender bauen. Wer vor dem 720 S steht, hat automatisch Bilder im Kopf. Schnelle Bilder, Bilder mit Ton und Schwerkraft-Gezerre. Der 650 S als erster Botschafter der Super-Series aus Woking. Schnell – leicht und dramatisch wie ein Krimi mit Happyend. In Dunsfold, nahe Woking, konnten wir den 650-PS-Briten bewegen. Dort, wo Top Gear seine Testwagen über die Landebahn eines Flughafens scheucht. Der Zweisitzer war vermutlich gelangweilt, weil er nicht gefordert wurde. McLaren hatte schon damals gewußt, es Grenzen gibt über die der Wagen nur lächeln kann. Die Grenzen des Fahrers.

Fahrbericht McLaren 650S in Dunsfold

Und nun steht da dieser noch schnellere, noch leichtere 720 S. Sie haben seine Aerodynamik deutlich verbessert, die Luft fließt noch effizienter um und durch die Karosserie. Auf das der Wagen noch schneller durch Kurven läuft, noch besser mit der Fahrbahn verbunden bleibt. Der Kokon ist noch stabiler, weil man die Wanne, also den unteren Teil des Chassis neu konstruiert, noch fester und noch leichter gestaltet hat. Carbon spielt dabei eine herausragende Rolle. Und wenn ein Hersteller mit Carbon besonders gut umgehen kann, dann McLaren.

Hamburg Altona, 23. März 2017. Weiter hinten steht er. Noch verhüllt. Hamburgs McLaren-Händler Kamps hat geladen. Zur Deutschland-Premiere. Draussen stehen 570 GT und 650 S Spalier. Viele Hamburger sind dabei, warten auf die erste Sitzung. Den Einstieg erleben. Mit den neuen Türen, die, immer noch im Scheren-Prinzip, nach oben laufen und dabei einen deutlichen Vorteil gegenüber den Vorgängern offenbaren. Sie nehmen beim Öffnen einen deutlichen Teil des Daches mit, was zur Folge hat, dass man nun noch besser ein- und aussteigen kann. Alltagstauglichkeit, wie gesagt.

McLaren 720S – Die Normalität des Besonderen

Der Geschäftsführer von McLaren Hamburg, Ronald Ludwig, spricht. Er spürt die Ungeduld und macht es kurz. Das Buffet ist eröffnet, die Scherentüren öffnen sich und die Schlange wird länger. Das Lenkrad wird bewegt, das „Driver Display“ hinter dem Steuer klappt ein und aus. Drama im positivsten Sinne. Dann wird der neue 4-Liter Turbo-V8 gestartet und die Gäste lauschen mit Andacht. 1.500 Vorbestellungen vor diesem Termin. Auf einer Video-Wand rennt der 720 S über eine wunderbare Rennstrecke, der Cheftester spricht über den neuen Wagen und man kann in einigen Gesichtern der Gäste die Lust auf diesen Supersportler ablesen. Im Vergleich zum Vorgänger sei der 720 S noch besser, weil er seine Kräfte nun noch effizienter, noch spektakulärer und vor allem noch beherrschbarer anbiete. Man glaubt das vor allem dann, wenn man den 650 S schon bewegt hat und die Philosophie von McLaren am eigenen Leib erfahren konnte. Keine Diva, kein Witwenmacher, kein Showcar und auch kein „Ich-kann-besonders-gut-Nordschleife“-Auto.

Wieviele Orders an diesem Abend in Altona ausgesprochen wurden, wissen wir nicht. Dass der 720 S auch in Norddeutschland seine Fans hat, ist unbestritten.

Am Mikro: Dennis Reinert, daneben Ronald Ludiwg bei von McLaren Hamburg

Am Mikro: Dennis Reinert, daneben Ronald Ludiwg bei von McLaren Hamburg

Was kann also dieser nagelneue McLaren, dessen Layout dem Vorgänger so ähnlich sieht und dessen Kernkompetenz deutlich aber nicht revolutionär nach vorn entwickelt wurde. Den 650 S noch besser machen, ist eine Aufgabe.

Der Motor, nun mit glatten vier Liter Hubraum, leistet maximal 720 PS, er kann bis zu 770 Newtonmeter Drehmoment liefern und das schlägt sich in Fahrleistungen nieder, die man sucht und so gut wie nicht findet. Alles klingt nach Hypercar und wäre da nicht der P1, man würde glatt von Dimensionen der obersten Kategorie sprechen. Dass ist die eine Seite des 720 S. Die andere Seite ist die Realität auf dem Asphalt. Der 650 S war ein kaum zu schlagendes Beispiel für die Kunst des Verbindens von Fahrer und dem Wagen. Tempo 300 auf der Autobahn und man hatte das Gefühl, dass der McLaren so sauber und sicher nach vorn rennt, als wäre das die Normalität. Stabilität und Dynamik. Und nun das gleiche Spiel mit 70 PS mehr auf der Uhr?

Ein Kunde erzählt. Er hat den 720 S gerade bestellt. Liefertermin März 2018. Farbe: Orange. Ohne Testfahrt vorab. Ein paar Kilometer im 675 LT im letzten Jahr und nun der „Quantensprung“. Das eigenständige Design, die klare Sprache ohne Hysterie. Das hohe Qualitätsniveau, der Innenraum biete sehr viel Platz, enge nicht so ein und fühle sich sehr gut an. Die Alltagstauglichkeit in Kombinationen mit extremen Fahrwerten. Und immer wieder das Design. Das Geheimnis des 720 S ist kein Geheimnis, es ist die deutliche Steigerung des 650 S. Noch mehr Leistung, noch mehr Rennstrecken-Kompetenz, noch mehr innere Ruhe und immer wieder die Ausstrahlung dieses Sportwagens, der exakt zwischen Drama-Queen und Superstreber balanciert und niemals das Gleichgewicht verliert.

Cockpit McLaren 720 S

Cockpit McLaren 720 S

Cockpit McLaren 720 S

Cockpit McLaren 720 S

Kollegen erzählen. Eine Rennstrecke nahe Rom. Der 720 S als Rennwagen. Er begeistert, wenn man ihn laufen läßt.

NZZ.ch schreibt: „Einmal eingestiegen, ist der Wunsch nach dem Verlassen des 720S hingegen bald verschwunden.“

Motorzeitung.de: „Es ist vor allem die stoische Ruhe, mit der man dieses Auto immer näher ans Limit bringen kann. Als halte eine übersinnliche Macht alle Querkraft im Zaum, fliegt er wie von Zauberhand durch die Kurven und kennt in seiner Raserei keine Grenzen. Wenn es in diesem McLaren einen limitierenden Faktor gibt, dann ist es der Fahrer und nicht das Fahrzeug.“

Die Liste könnte länger sein, der Tenor bliebe gleich. Begeisterung ob der Fahrleistung, der Beherrschbarkeit, dem Zusammenspiel von Technik und Physik. Wir werden das selbst erleben, hoffentlich bald.

McLaren 720 S Foto: McLaren

McLaren 720 S Foto: McLaren

Und dann ist da noch ein ganz besonderer 720 S. Er stand in Genf, hinter den Kulissen. Sein Name: McLaren 720 S „Velocity“, was grob übersetzt „der Schnelle“ heisst und die Untertreibung des Jahres sein dürfte. Ein Kunde hat mit MSO, dem A-Team von McLaren, gesprochen und heraus kam ein Meisterwerk. Zwei Farben verschmelzen, verwandeln das Einzelstück in eine Installation. Man umrundet den Wagen, sieht Nuancen, Landschaften, als hätte sich jede der beiden Farben eine Lieblingsstelle auf der Karosserie ausgesucht und dort niedergelassen. Mehr als 330.000 Euro hat der Wagen gekostet. Der Kunde wird ihn hüten. Hier eine kleine Galerie dieses Kunstwerkes.

Text: Ralf Bernert
Fotos: McLaren
Video: McLaren

Der neue McLaren 720S kann ab sofort bei den Händlern bestellt werden, die ersten Kunden sollen ihre Fahrzeuge bereits im Mai erhalten. Es werden drei Ausstattungsvarianten angeboten, die mit ihren auf Performance und Luxus ausgelegten Ausstattungen weit über das Standardniveau herausgehen. Darüber hinaus ist eine Auswahl von verschiedenen Optionspaketen erhältlich. Ausführlichere Details zu dem neuen 720S, dessen Preis bei € 247.350,- startet, können neben einem Portfolio von neuen visuellen Eindrücken auf der McLaren Media Website gefunden werden.

Technische Daten (laut Hersteller):
Motor: M840T Motor, 4,0-Liter Doppelturbo V8, 3.994ccm
Antriebsstrang: Längsmontierter Mittelmotor, RWD
Leistung PS (@ U/m): 720 @ 7.500 U/m
Drehmoment Nm @U/m: 770 @ 5.500
Getriebe: 7 Gang Seamsless Shift Doppelkupplungsgetriebe
Federung: Unabhängig arbeitende Dämpfer, Doppequerlenker, Proactive Chassis Control II
(PCC II)
Bremsen: Karbon Keramik Scheiben (V: 390mm H: 380mm)
Räder (Zoll) vorne: 9J x 19; Hinten: 11J x 20
Reifen vorne: 245/35/R19 93Y (XL); Hinten: 305/30/R20 103Y (XL)

Maße:
Länge: 4.543 mm
Radstand: 2.670 mm
Höhe: 1.196 mm
Breite, mit Spiegeln: 2.161 mm
Breite, eingeklappte Spiegel: 2,059 mm
Breite, ohne Spiegel: 1.930 mm
Spurweite (jeweils Aufstandsmitte)
Vorne: 1,674 mm; Hinten: 1,629 mm
Leichtestes Trockengewicht: 1.283 kg
DIN Leergewicht,[Flüssigkeiten + 90% Kraftstoff]: 1.419 kg
Stauraum vorne: 150l; Hinten: 210l
 
 
Leistungsdaten*
 
Beschleunigung 0-100 km/h: 2,9 Sekunden
0-200 km/h: 7,8 Sekunden
0-300 km/h: 21,4 Sekunden
¼ Meile: 10,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 341km/h
200 – 0 km/h Bremsung: 4,6 Sekunden/117 m
100 – 0 km/h Bremsung: 2,8 Sekunden/29.7 m
 
 
 
Effizienz
CO2 Emissionen [NEDC]: 249 g/km
Kraftstoffverbrauch – EU l/100km
Kombiniert: 10,7 l /100km
Innerorts: 15,8 l /100km
Außerorts: 7,9 l /100km
 

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