Lost Race Tracks: Männer im Nebel

Die roten Jacken leuchten wie Signalkerzen. Wenn bei den ersten Bergrennen am Schloss Solitude Nebel aufzog, wird man vielleicht auch Männer in Rot auf die Treppe gestellt haben. Bei der Lost Race Tracks Tour jedenfalls gab es mit dem Nebel keine Probleme. Ganz im Gegenteil. Wir haben die Zukunft des Motorsports gesehen.

 

Range Rover Evoque

 

Hier oben standen sie. Zu Zigtausenden. Sie schauten herab und bevor sie die waghalsigen Helden sahen, hörten sie das Kreischen der Motoren. Sie flogen zum Schloss. Mit irrsinnigem Tempo, sie rasten dem Jubel entgegen und oben, am Schloss Solitude in Stuttgart, fanden sie ihren verdienten Lohn. Begeisterung und Anerkennung.

Rund zwanzig Jahre später wurde aus dem dem Bergrennen ein Rundkursrennen, über mehr als 22 Kilometer mussten die Rennfahrer zurücklegen. Start und Ziel war das Schloss Solitude. Ab 1931 wurde die Strecke um fünf Kilometer verkürzt, 1935 noch mal, die endgültige Strecke war 11,4 Kilometer lang und führte durch das Mahdental, dort steht noch heute das Start- und Ziel-Haus. Und alle kamen. Die ganz großen Jungs mit ihren fantastischen Maschinen. Hermann Lang, Karl Kling, Graf Trips, Jim Clark, Jack Brabham. Das klingt nach dem Motorsport-Himmel und das war es auch. Bis zu 250.000 Menschen umrandeten den Kurs, sie sahen und hörten die Elite des Motorsports. Man sammelte Autogramm-Karten, man traf seine Helden persönlich und man nahm Erinnerungsfotos mit nach Hause. Die 50er und 60er Jahre kann man ohne Übertreibung als die Blüte des modernen Motorsports bezeichnen und hier, am Solitude-Ring, strahlte diese Pflanze weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus. Es waren schnelle Zeiten und mit dem Bau moderner Rennstrecken verblasste der Glanz der Straßenrennen langsam. Das Thema Sicherheit verdrängte die Rennwagen nach Hockenheim, zum Nürburgring und zu den modernen Arenen des Motorsports. Man kann das bedauern, aber die Faszination dieser Zeit ist ungebrochen. Seit einigen Jahren kann man die goldenen Zeit der Solitude-Rennen wieder nachempfinden. Beim Solditude-Revival erwachen die Rennwagen der damaligen Zeit wieder zum Leben. Die Endrohre spucken wieder, die winzigen Lenkräder werden dann wieder bewegt und das Publikum strömt wieder nach Stuttgart.

Viele Jahre nach dem letzten Start, steht unser Evoque vor dem  ehemaligen Start- und Zielturm und wenn jetzt einer die Startflagge senkt, werden wir den Range Rover auf die schnellste Etappe seiner Reise schicken. Keine Flagge – kein Rennen. Sorry Range.

Das alles ist viele, viele Jahre her. Rund um das Schloß herrscht heute vornehme Ruhe. Die Rennmotoren bleiben still, aber das Fieber der Geschwindigkeit, die Lust auf Speed ist immer noch greifbar. Und weil man manchmal für seine Mühen belohnt wird und unverhoffte Ereignisse wie aus dem Nichts erscheinen, hat uns die Reise nach Stuttgart nicht nur Erinnerungen und Zeugnisse einer großen Epoche des Motorsports beschert, sondern auch eine Begegnung mit der Zukunft des Rennsports möglich gemacht.

 

Axel und ich stehen am Schloss, der Weg hinunter zum Westbahnhof ist durch dicke Nebelschwaden bedeckt, man denkt darüber nach wie man wohl damals bei solch einer Suppe ein Rennen fahren konnte. Und dann, aus dem Nichts ein Minivan mit Anhänger. Die Besatzung ist im Durchschnitt kaum älter als die Fahrer damals beim Solitude-Rennen. Der Hänger öffnet sich und heraus rollt ein Formel-Wagen. Ein wenig kürzer als bei der Formel-1, der Motor liegt frei, darüber ein stattlicher Flügel. Die Jungs rollen den Wagen vor die Schlosstreppe, der Fahrer im Rennoverall steigt ein und nun könnte man meinen, dass gleich eine lautstarke Demonstration folgt. Leider bleibt der Motor still, Sicherheit geht vor.

 

Rennteam Stuttgart

 

Die jungen Herren kommen aus Stuttgart, genauer von der Uni Stuttgart. Im Gepäck haben sie erstens ihren Siegerwagen und zweitens die Gewissheit, dass hier ein Meisterwerk des Rennwagensbaus seine Aufwartung macht. Die Formula Student ist zu Gast. Und das Team aus Stuttgart zählt zum Besten was man derzeit finden kann. Mannschaften aus aller Welt treffen sich regelmäßig und küren in einem fünftägigen Wettbewerb, das Stuttgarter Team siegte 2010 und 2012. Die Touristen hier am Schloß umrunden den Rennwagen, kleine Jungs sitzen im Geiste bereits hinter dem Steuer und schnüffeln am Lorbeerkranz. Korbinian Käufl, einer der Konstrukteure, spricht über den Wagen. Ein Vierzylinder mit rund 90 PS, der Wagen wiegt gerade mal 170 Kilo und bei Tempo 125 endet der Vortrieb. Bei Formular Student geht es nicht nur um Racing, sondern um insgesamt acht Disziplinen. In den drei dynamischen Disziplinen werden die Fahreigenschaften (Beschleunigung, Querbeschleunigung, Langstreckentest) gemessen, außerdem müssen die Rennwagen und ihre Teams zeigen, dass sie als Konstrukteure, Manager und Designer Spitze sind. Dies alles haben die mehr als 40 Studenten aus Stuttgart eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wir drücken die Daumen, dass ihr eindrucksvoller Rennwagen auch in Zukunft Bestmarken setzen wird.

 

 

Text: Ralf Bernert

Fotos: Ralf Bernert und Heiko Seibel

 

Weitere Infos zum Solitude-Rennen und der Formula Student gibt es hier:

www.rennteam-stuttgart.de

www.solitude-revival.org

 

 

Und natürlich hat Alex Kahl seine Sicht der Dinge aufgeschrieben:

www.der-probefahrer.de

 

Unser Partner Shell hat ebenfalls auf seiner Website einige beeindruckende Infos und auch einen ersten Videofilm veröffentlicht.:

www.shell.de