Foto: Camillo Pfeil

Italienisch für Wahnsinnige Teil 4: Mercedes-Benz CLS AMG Shooting-Brake

Mercedes-Benz CLS AMG Shooting-Brake: Der Lange
Whow, was für ein Name. Die Visitenkarte ist zu lang für das Handschuhfach, der Wagen selbst ein langer Kerl, dem man die Länge nicht direkt ansieht.
Exclusive-Life hat den Power-Elegant-Mercedes in Italien erlebt und jede Menge Gepäck plus Kühlbox ziemlich fix bewegt.

 

Foto: Camillo Pfeil

Mercedes-Benz-CLS-AMG-Shooting-Brake-Aufmacher

 

Säßen jetzt hinter mir Tocher und Sohn, jeweils im einstelligen Alter, wäre die Tour ganz schnell beendet. Anhalten, aussteigen, Kinder sortieren, Kotztüten rumreichen, Wasser trinken lassen und weiter im Smooth-Modus. Also ein Blick in den Rückspiegel, nix zu sehen, Kommando an den Gasfuß: Volle Möhre.

Vor der Kür kommt das Schaumbad. Auf dem Weg zum Shooting, wo auch immer das sein mag, wird eine fast skurrile Waschanlage angesteuert. Zwei Boxen, wie für Pferde gemacht, stehen bereit. Kollege Mechtel gibt den Car-Washer. Dann ab in den Wald, zwischen Bäumen und auf einem kleinen Platz zeigt der Mercedes seine Kurven wie ein schüchternes Wesen. Stille und Kraft. Hier können Pilze wachsen, der Shooting-Brake würde Trüffel finden, Luxus und Natur, einträchtig zusammen. Nach dem Klick-Klick der Kameras führt der Weg zum Parcours. Eine Ausfahrt mit Zacken und Kanten.

Die Damen und Herren rund um den großen Parkplatz schauen fragend. Hier oben irgendwo bei Modena sind die Leute auf Wintersport eingestellt. Im Sommer verirren sich ein paar Radfahrer in die Berge. Rauf und runter, alle zwanzig Gänge des Bikes werden genutzt. Aus dem Sattel geht man nur selten. Bunte Leggings und lustige Helme, die wie die ekligen Krabben aus dem Film Alien aussehen, kleben auf den verschwizten Haaren. Meinetwegen. Ich fahre AMG, ohne Alien auf dem Kopf, eklige Hosen und Satteltaschen. Man schaut also, wie da vier Typen um zwei Autos schleichen. Ein Bentley und eben besagter Mercedes, der aus der Ferne sehr sanftmütig aussehen kann. Das geschwungene Heck, die breite C-Säule und die Front sehen sympathisch und harmonisch aus. Familien mit guter Kinderstube fahren solche Autos. Typen, die nach Italien fahren und dort die Bindung zwischen Apshalt und Untergrund testen, steuern andere Vehikel.

 
Rechts vorne liegt die erste Kurve, die Straße verschwindet zwischen den Bäumen, die Sonne kommt da nicht mehr hin. Einsehbar ist nur der Tacho und der Stern da vorn. 557 PS werden gleich aktiviert. Hinein ins dunkle Nass, der AMG ist der Neoprenanzug. Ein Blick in seine großen Augen sagt mir was. „Bind‘ den Kram da hinten fest, ich werd‘ gleich eskalieren.“ Keine Ahnung, wieviele Kurven und Kehren da vorn lauern, wieviele Orte links und rechts der Straße liegen und wieviele Postbusse und 40-Tonner uns entgegen kommen. Roarrr.

Kohle nachlegen, Bremse lösen, ablegen vom Pier, Kaptain auf der Brücke. Leinen los. Der Schwabe springt aus der Ecke, hinein in die kurze Nacht, ein paar Meter, dann kurz anbremsen, einlenken, alles sehr präzise, die Bremsen haben Druck, die Reifen und Bremsen wurden vorher aufgewärmt. Alles passt. Kein Heck in den Seitenspiegeln zu sehen, der Hintern wird im Sitz gehalten, die Seitenwangen und der Gurt arbeiten schön mit. Eine Kurve nach der nächsten wird attackiert, hoch die Nase und wieder runter. Die Lastwechsel sind deutlich spürbar, aber der Wagen bleibt auf allen Vieren stabil. Nach gut zehn Bremsmanövern wird es langsam weicher, aber immer noch gut dosierbar. Der Benz mit dem C63 am Heck hat deutlich Spaß, weiter unten muss einer die Straße gesperrt haben. Bei dem Lärm kein Wunder, kein Gegenverkehr, keine Sprünge an die Seite. Der Wagen schreit und stöhnt vor Vergnügen, ein Hund in der Nachbarschaft kläfft kurz zum Gruß. Unten am Ende der Strecke stehen zwei ältere Herren und schauen uns nach. Moin, sacht der Hamburger.

Einen Tag später. Modena – Mailand. Autobahn, Radarfallen, Berufsverkehr und innere Ruhe. Der Shooting-Brake gondelt vor sich hin. Wie ein Profi. Gelassen und super bequem. Jetzt fällt die Innenaustattung auf. Leder, Carbon, Alu. Alles bestens verarbeitet, alles passt. Die Kommando-Zentrale in der Mittelkonsole bedarf der Gewöhnung; Fabian Mechtel meckert über die Uhr. Zustimmung, es ginge edler. Überlegen, wer sowas in der Art zu bieten hat? Keiner.

Zum Abschied noch ein Foto in Mailand. Dort wo tagsüber Touristen per Handycam Millionen Fotos in die Welt schicken. Björn Habegger und Camillo Pfeil haben den Mercedes und den Bentley in aller Herrgottsfrühe vor den Dom gestellt. Als Erinnernung an eine sehr, sehr coole und bewegende Tour.

 

 

Text: Ralf Bernert
Fotos: Fabian Mechtel/Camillo Pfeil/Björn Habegger

Unser Testwagen: Mercedes-Benz CLS AMG Shooting-Brake

Mehr zum Roadtrip:

Trip to Italy

Auf folgenden Seiten haben die drei Kollegen Ihre Geschichten erzählt:

Björn Habegger

Camillo Pfeil

Fabian Mechtel

 

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