driven by exception

Der FF vor unserem Brückenkopf
Foto: Ralf Bernert

Italienisch für Wahnsinnige Teil 2: Ferrari FF

Italienisch für Wahnsinnige Teil 2: Ferrari FF
Du rotes Ding. Du schnelles Ding. Du lautes Ding. Du Schreihals mit zwei F. Du Flaneur – Du Charmeur. Du Italiener mit Herz und zwölf Eiern in der Hose.

 

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

 

Du rennst schneller durch die Dörfer als die Feuerwehr, Du brennst Spuren in den Asphalt und hinter meinem Nacken läuft ein Sissi-Film. Ach Joseph, Du wärst genau wie ich ruckzuck über die Alpen gerast. Du hättest den feinen Ledersessel vorn links besetzt und die Zügel in die Hand genommen. Und vorbei wär´s gewesen mit der Ruhe am Fuschlsee.

 
 

Die Schranke am Werkstor in Maranello hebt sich, die Ampel leuchtet grün und der FF schleicht nach links. Fast schüchtern rollt er durch den Ort, zwei drei Kreise werden umfahren, niemand dreht sich um. Kein Wunder, hier werden Ferraris im Minutentakt durch den Ort chauffiert. Kunden kommen und gehen, immer mit lässiger Sonnenbrille. Oft mit weißem Haar. Flavio lässt grüßen, hier und da wird eine Heidi auf dem Beifahrersitz ihre schönen Beine sonnen. Und dahinter liegen ein paar Taschen mit Schuhen, Prospekten und zwei Flaschen Wein, die man in der Nähe noch schnell eingekauft hat. Der Rote in den Roten. Klischee und Wahrheit liegen dicht beieinander.

 

Ferrari-FF-Strasse

 

Irgendwann geht´s nach rechts. Den Berg hinauf, ein paar Kurven, ein paar Häuser, ein paar Menschen. Immer noch Ignoranz. Fast wie in Deutschland. Und dann ändert sich alles. Hemmungen fallen. Der Fuß senkt sich, der Ferrari gehorcht sofort und springt los. Die ersten Kurven werden noch sauber genommen, das nächste Dorf mit 50 oder 60 durchrollt. Und dann wirkt die Droge, wie ein zu schneller Schluck aus dem Glas mit Champagner. Etwas steigt in den Kopf, dort wo Ordnung herrscht, in die Verwaltung mit Vorschriften und Mahnungen. Betriebsfeier im Kopf. Der Büroleiter tanzt auf dem Tisch, der Kollege wirft sein Hemd weg und kopiert seine Brustbehaarung. Remmi-Demmi und der Fuß senkt sich. Ab dafür. Ein paar Jungs wollen per Handy ein Foto machen, auf dem Bild dürfte nur das Heck zu sehen sein. Der Tacho ist weg, die Anzeige der Geschwindigkeit sehe ich nicht mehr. „Wissen Sie eigentlich wie schnell Sie waren?“ „Nein, Signore Brigadiere, aber Sie werden es mir sicher genau sagen können.“

Nach zwei, drei Dörfern lockt ein kleines Lokal. Mit Parkplatz, Tischen und Stühlen vor der Tür. Unser Brückenkopf für diesen Nachmittag. Vor der Tür ein Bentley GTC und der Ferrari FF. Einträchtig wie zwei Hunde, die sich kennen und respektieren. Ein Airdale und ein Maremmano Abruzzese. Oha, jetzt schreit wer. Ein Ferrari ist ein Hengst, bitteschön. Ok, also vor der Tür stehen einträchtig ein Hengst aus Maranello und ein englisches Vollblut. Scusi!

Nun also ein kleines Essen, Pasta, ein paar Flaschen Aqua Minerale. Zwischendurch verschwindet ein Kollege. Der Ferrari schreit dann die ganze Umgebung zusammen und so wissen wir immer wo Björn, Camillo, Ralf oder Fabian im Moment gerade steckt. Man hätte uns auch ein Glöckchen um den Hals hängen können, aber der Ferrari ist schon geiler. Später ein Kompliment an die Küche, so wie es nur ein Björn Habegger aussprechen kann: „ Mangiare multo bene!“

 

Jetzt bin ich dran. Rein da, Tür zu und das Signal-Pedal unten ganz rechts gedrückt. Herr Bürgermeister, hier kommt der Maranello-Express. Halten Sie ihre Verkehrsschilder fest, der Dorfpolizist hat Mittag, die Jungs stellen ihre Mopeds ab, wir wissen was jetzt kommt. Rosso Maranello in schnell und das im Stil der klassischen Coupés, die 250, 275 und 375 hießen. Immer ein Dutzend Zylinder vorn und hinten jede Menge Leder zum Draufsitzen. Dazu Raum für Koffer und Köfferchen, Einkäufe und kleine Mengen Nahrung. Man fuhr damals oft und gern, man flog eher selten. Heute fahre ich, ohne Gepäck aber dafür mit Stil und meist vier angetriebenen Rädern. Der FF legt sich wunderbar ins Zeug, die Lenkung ist erwartungsgemäß direkt und wenn man sich mit dem Lenkrad, das man sicher nicht Volant nennen sollte, einigermaßen angefreundet hat, werden Fahrer und Hengst schnell eine Einheit. Die Dörfer fliegen vorbei, der Motor singt die Maranello-Hymne und der Brückenkopf entfernt sich ganz schnell aus dem Gedächtnis. Die Pasta werden kalt, das Wasser warm und der Kollege scharrt mit den Füßen. Man spürt das, weil man sich gut vorstellen kann, was der jetzt empfindet. „Wo bleibt der denn. Ich will auch mal.“

Später ist noch Zeit für ein Shooting auf einer kleinen Landstrasse. Ein paar Traktoren rollen vorbei, einer dreht ein paar Mal um. Der Fahrer zückt die Kamera, klick. Shooting für Alle.

Ein kleines Plätzchen im Dorf, auf der Bank sitzen ein paar ältere Herren. Ein, zwei Fotos, wieder zurück, dann ein kleines Haus mit schöner Fassade. Klick, klick. Der Innenraum wurde vom Werk besser abgelichtet, als ich es je könnte. Wieder auf dem Parkplatz, Motor aus, Pasta ordern, Wasser trinken und zuhören. Der FF singt wieder sein Lied, Björn ist unterwegs. Verkehrsschilder bitte festhalten. Das rote Ding ist wieder da.

Der Roadtrip in seiner ganzen Pracht:

www.facebook.com/BloggerRoadTrip

Teil 1 Italienisch für Wahnsinnige

 

Für Zahlenfreunde (laut Werk):
Motor: V12 65°
Hubraum: 6262 ccm
Drehmoment: 683 Nm bei 6.000 U/min
Leistung: 660 PS bei 8.000 U/min

Antrieb: permanenter Allradantrieb
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplung

Fahrleistungen:
Topspeed: 335 km/h
0-100 km/h: 3,7 Sekunden
0-200 km/h: 11 Sekunden
100 – 0 km/h: 35 m

Maße:
Länge: 4.907 mm
Breite: 1.953 mm
Höhe: 1.379 mm
Radstand: 2.990 mm

Trockengewicht: 1.790 Kg
Kofferraum: 450 Liter
Tank: 91 Liter

Verbrauch:
Drittelmix: 15.4 l/100 Km
CO2: 360 g/km

Preis: ab 258.000,00 Euro netto

 

Text: Ralf Bernert

Fotos:

Außenaufnahmen Ralf Bernert

Innenraum/Motor: Werk

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