Italienisch für Wahnsinnige: Der Roadtrip Teil 1

Italienisch für Wahnsinnige
Eine Pizza, ein Roter, ein wenig Pasta, dann zum Abschluß ein schönes Gelato. Prego! Der Espresso wird bitte heiss und schwarz serviert. Ein Ferrari ist rot, ein Lamborghini ist gelb, der CLS Shooting Brake glänzt in designo graphit und der Bentley strahlt in sandstone.

 

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Nachts zwischen zwei und drei, wenn der Tankwart schläft und der Winterhuder Weg in Hamburg so leer ist wie die Nordschleife am Heiligen Abend, genau dann rollt ein LKW vor, er öffnet die Luke und heraus rollt ein Bentley GTC V8. Das Gewand schimmert, das Stoffverdeck sitzt wie eine Mütze oben auf und der Schlüssel liegt schwer in der Hand. Schlappe 1.300 Kilometer plus Umweg über das Stilfser Joch. Wer vom Norden nach Italien will, muss entweder den Kopf einziehen und den Röhren-Walzer tanzen oder er reckt die Nase in die Höhe, spielt den Hannibal und simuliert den vierten Punischen Krieg. Nur ohne Elefanten.

 

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Der Mercedes-Benz CLS Shooting Brake von AMG ist bereits auf Tour. Björn Habegger und Fabian Mechtel sind unterwegs Richtung Pagani.  Wir treffen beide am Dienstag bei Ferrari.

 
 

Die Startbahn reicht von Hamburg bis kurz hinter Füssen. Ludwigs Traumschlösser schauen dem Briten nach, man sagt in den Türmen sitzen noch heute edle Frauenzimmer und warten auf den Prinz. Der Bentley mag gülden schimmern, aber er ist heiss und steht auf italienisches Gemüse. Vorher gibts noch antipasto, das Stilfser Joch oder unzählige Kehren in Richtung Himmel. Die Startbahn wird enger, der Brite holt tief Luft und stürmt die Berge. Lauter und leiser, hier und da mit der Ruhe eines Budhistischen Mönches, dann wieder wie ein sehr grosser Terrier mit Biss und Jagdinstinkt. Man drückt den Knopf zur Fahrwerkseinstellung. Der Finger zieht den Regler von Links nach Rechts, Komfort wird durch Sport abgelöst. 507 PS und 660 Newtonmeter machen dem Cabriolet Beine.

Die Stille. Berge schlafen, ihre Häupter ragen empor wie Kronen. Majestäten wachen, sie erinnern sich an Wolf Bernato, der vor vielen Jahren hier oben seinen 3,5 Liter Open Tourer auf die Reise schickte. Seine Spuren sind noch hier, die Laute seines dunkelgrünen Bentley wurden hier verewigt. Als er wieder in England war, soll er zu einem Freund gesagt haben: „Nirgendwo sonst bilden Strasse und Berge eine solche Einheit, der Bentley wollte nur eins: hinauf.“ Und nun steht wieder ein Bentley vor dieser Kulisse, auch er will hinauf. Mit jeder Kurve wachsen die Gipfel, langsam wachen sie auf, die Sonne spielt Beleuchter und irgendwer hat die Strasse, oder besser die Asphaltschlange geleert. Der Bentley ist allein unterwegs, springt zwischen den Kehren hin und her. Holt Luft, stösst sie hinten wieder aus, schreit und flüstert in regelmäßigen Abständen, hechtet und gleitet. Die Berge schauen zu und werden sich an den Briten erinnern. Willkommen – welcome.

 

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Oben angekommen, könnten wir wie die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste den Berg hinunter stürmen. Alles aus dem Weg räumen was da so vor die Haube kommt, Murmeltiere zum Beispiel. Aber ein Bentley ist eben vor allen Dingen Gentlemen und Geniesser. Die Pelztiere dürfen passieren, die Kamera schiesst was das Zeug hält. Eine Schneewand kommt gerade recht, mitten im Juni auf über 2.400 Meter über dem Meeresspiegel könnte ein Schneemann locker überleben. Selbst im Sommer werden noch Menschen auf Brettern hier oben beobachtet, der Giro d’Italia läßt hier gerne seine Profis in die Pedale treten. Heute ist der Bentley fast allein, ein Motorrad leistet ihm Gesellschaft. Die Berge schauen zu, ein heisser Kaffee wärmt die Finger. Sieben Grad und eben noch bei 35 Gard geschwitzt.

 

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Abschied mit Ansage – Ciao. Nach der Bergtour liegen gut 300 Kilometer vor uns. Meran – Bozen – Trient – Verona – Modena. Kleine Dörfer, Städte schlechte Landstrassen und Menschen, die am Strassenrand dem Bentley nachschauen. Jungs, die später vielleicht ihren Freunden von diesem großen Cabriolet erzählen. Die Nacht kommt spät, die Hitze bleibt, natürlich ohne Verdeck. Nach 15 Stunden Fahrt steht der GTC gut bewacht vor dem Hotel, er wird den anderen Autos von seiner Fahrt berichten. Und sie werden zuhören, bgeistert sein. Von Neid keine Spur. Morgen ist ein neuer Tag.

 

 

Lesen Sie hier die Geschichte meines Kollegen Camillo Pfeil.

Weitere Bilder und Eindrücke finden Sie hier: Roadtrip 2013

Text und Fotos: Ralf Bernert / Foto in der Kehre: Camillo Pfeil

 

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