Fahrbericht McLaren 570S Spider: Das Gelbe vom Auto

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Fahrbericht McLaren 570S Spider: Das Gelbe vom Auto. Der 570S Spider ist ein offenes Versprechen, eine Ansage aus Woking und vor allem weit mehr als nur ein weiterer McLaren. Man entfernt das kleine Dach über sich und läßt den V8 in die Fahrerkabine. Auf das es grollen möge.

Fahrbericht McLaren 570S Spider: Das Gelbe vom Auto. Foto: Pirelli

Den 650 S Spider hatten wir schon in Händen. Den 675LT Spider leider nicht und den 650 S Can-Am Spider werden wir wohl nie fahren, dafür vielleicht bald den 720S als Spider. Und nun den 570 S Spider. Aus der Sport Series. Also die Modelle, die man täglich in die Finger nimmt, die Alltagsautos aus Woking. Mindestens 208.975,00 Euro, plus Extras und den Bonus für die ganz besonderen Gimmiks bei MSO, der Spezialabteilung von McLaren. Einsteigen, wie immer, dann den Hebel ziehen und die frische Brise strömt hinein. Die kleine Glasscheibe hinter den Köpfen bleibt oben, auf das der Scheitel nicht leide.

Unser 570S Spider ist gelb, Sicilian Yellow um genau zu sein. Pirelli hat uns den Wagen zur Verfügung gestellt. Wir sollen mal ausprobieren, wie sich der McLaren mit nagelneuen P Zero anfühlt. Und dann ist da noch das Thema Ästhetik. Die Pirelli Color Edition verwandelt den Pneu per Farbstreifen in ein Unikum. Alles ist möglich, es lebe der Streif am Horizont der schwarzen Schuhe des Briten. Hauptsache farbig, Hauptsache Traktion, also Sicherheit, Dynamik und Komfort. Und das alles im besten Verhältnis. Unser 570S Spider sitzt auf weiß gestreiften Pirellis, die Tour vom Tegernsee nach München steht an. Es lebe der Regengott, denn der ist heute im Urlaub.

Der Brite soll uns zeigen, was er auf Landstrassen, der Autobahn und im Stau so drauf hat. Den Stau haben wir nicht eingeplant, er war plötzlich da und hinter uns beäugt die Besatzung einer Limousine, wie sich das Dach des McLaren erst leicht hebt, dann nach hinten schwebt und schließlich unter einem Deckel verschwindet. Wir sitzen im Freien und der V8 plus Turbolader brummelt vor sich hin. Wir simulieren im Grunde den Alltag in einer grösseren Stadt. Ampel-Hopping, nur dass die Abstände zwischen den Stopps ein wenig kleiner sind. Genau hier freut man sich über ein Getriebe ohne Kupplungspedal. Der Insulaner steht da und verschönert den Stau.

Fahrbericht McLaren 570S Spider – Mach´s gut Stau

Irgendwann ist dann mal gut. Rumstehen auf vier sauteuren Italienern ist irgendwie dekadent. Vor uns lichtet sich das Feld, wir sehen die Landschaft am Ende des Tunnels. Kurven, Geraden, mal bergab, mal bergauf. Wer sich in einen McLaren hinter´s Steuer setzt, gibt ein Versprechen ab. Laufen lassen, die Zügel liegen in den Händen, reiben sich darin und sind doch frei. Die 570 PS werden zur Nebensache, die ganze Technik wird zur Möglichkeit. Dass da ganze Herden an Technikern jahrelang an jeder nur erdenklichen Schraube gedreht haben, dass unzählige Steuerbefehle in C++ geschrieben, gelöscht und optimiert wurden. Who care´s. Der Zweisitzer ist so gelb wie eine Sonnenblume, nur dass man dieses Gewächs kaum pflücken kann. Da sind sie wieder, die 570 PS.

Fahrbericht McLaren 570S Spider: Das Gelbe vom Auto. Das Lenkrad ist frei von Schaltern und Knöpfen, dafür liefert das Display mehr als nur Farben und Grafiken.
Foto: Pirelli

Aufsaugen und wieder ausspucken. Kurven werden abgefrühstückt, vorne rein, hinten wieder raus. Würde man den Briten auf zwei, drei Zentimeter schrumpfen und verschlucken, er würde sich in den Dünndarm verlieben. Nur dort ist die Natur des McLaren, eines jeden McLaren, so richtig ausgeprägt. Er ist im Gunde der Feind des einfachen geradeaus, auch wenn man einmal den unwiderstehlichen Drang nach vorn erlebt haben sollte. Bis 328 soll die Reise gehen, später lernen wir, mal wieder, dass der Gelbe das auch kann.

Aber zuerst die Kür, das hinter anderen Autos herfahren, das Lauern, Warten, die Zunge fährt über die Lippen, immer wieder der Blick links am Vordermann vorbei. Kommt das was und was sagt das Tempolimit? Man könnte locker mit 180 durch die Gegend laufen, aber der Kopf spielt da nicht mit.

Und dann geht doch was, die P Zeros greifen sich den Asphalt, halten fest und der Spider stürzt sich auf den Vordermann, rennt links vorbei, dann wieder rechts rein. Und die nächste Kurve möchte fast das Weite suchen, weil da was auf sie zukommt. Die Bremsen erklären den Reifen , das da nun eine Entschleunigung kommt und das die nichts mit Yoga oder Ayurveda zu tun hat. Es geht um Präzision und Handwerk. Jede Rille, jeder Millimeter im Profil der Pirellis ist gefordert und liefert. Exakt. Der McLaren rennt durch die Kurve und wieder hinaus. Schnell, sauber, todsicher.

Fahrbericht McLaren 570S Spider: Das Gelbe vom Auto. Gelb und Saftig. Der 570S Spider in Sicilan Yellow auf einer bayrischen Wiese. Foto: Ralf Bernert

So geht das bis zur Autobahn. Der Junge aus Woking ist jetzt heiß. Die Kolben auf Vollgas getrimmt, die Turboräder in Hochform. Der Beschleunigungsstreifen war noch nie so kurz und der Rückspiegel ist leer, wirklich leer. Kein Limit, die Kurven offen. Vorn langweilen sich ein paar LKW. Der 570S schiesst vorbei wie eine Gewehrkugel, die LKW sind Fliegen im Rückspiegel. 250 kommt so schnell und wird von 280 abgelöst. Der Engländer wird zum Blitz. 300. Noch mehr, 315, 320. Dann lesen wir 120. Ende.

Pirelli P Zero World

Nach drei Tagen rennt die Erinnerung an den Alltag im McLaren noch immer durch die Windungen des Hirns. Sogar der Stau ist dabei. Man lernt, dass auch ein Supersportler keine permanente Hektik verbreitet und dass der Hintermann das Heck des Briten ausgiebig fotografieren kann. Stopp and Go ist in einem Handschalter-Wagen wesentlich nerviger. Ein- und Aussteigen ist nur dann ein Problem, wenn man kreuzlahm, übergewichtig oder aktives Mitglied einer NBA-Mannschaft ist. Das gilt übrigens für alle Supersportler.

Der 570S ist derzeit der einzige Spider im Angebot. Man darf aber mit dem 720S rechnen. McLaren hat das Spiel mit den limitierten Serien verstanden. Der 675LT als Spider war ruckzuck ausverkauft. Den 570S kann seit August kaufen. Optionen bezüglich Sitze, Farben und Ausstattung sind, wie bei allen anderen Modellen, in allen Varianten machbar. Für die ganz speziellen Kundenwünsche steht die Mannschaft von MSO, McLaren Special Operations, bereit.

Die „bunten“ Pirellis sucht man sich direkt beim Hersteller aus. In München wurde kürzlich die „P Zero World“ eröffnet. Dort kann man sich nicht nur die Farbe der Streifen aussuchen und mischen lassen, man findet dort auch ein Team, das zu wirklich allen Fragen rund um das Thema Hochleistungsreifen eine interessante Antwort liefert.

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Fotos: Pirelli / Ralf Bernert

Technische Daten (Laut Hersteller)
Motor: V8 Doppelturbo
Position: Mittelmotor
Hubraum: 3,799 ccm
Leistung: 419 kW / 570 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment: 600 Nm bei 5.000 bis 6.500 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 7-Gang SeamlessShift
Bremsen: Karbon-Keramik

Maße:
Länge: 4.530 mm
Breite (ohne Spiegel): 2.095 mm (1.930 mm)
Höhe: 1.202 mm
Radstand: 2.670 mm
Leergewicht: 1.498 kg (alle Flüssigkeiten plus 90 Prozent Kraftstoff)
Trockengewicht: 1.359 kg
Kofferraum: vorn 150 Liter / bei geschlossenem Dach hinten: 50 Liter

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,2 Sekunden
0-200 km/h: 9,6 Sekunden
Top Speed: 328 km/h , offenes Verdeck: 315 km/h
Verdeck öffnen/schliessen: 15 Sekunden bis Tempo 40 km/h

Verbrauch kombiniert: 17,2 l/100 km
CO2 kombiniert: 249 g/km
Preis in Deutschland ab: 208.975,00 Euro

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