driven by exception

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Schöne Grüße aus Italien

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Schöne Grüße aus Italien

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Schöne Grüße aus Italien

Von Hamburg an den Gardasee und vielleicht ein paar Kilometer weiter Richtung Perugia. Die Sonne knallt ohne Gnade ihre Energie auf den Jaguar und der schiesst mit geballter Klimaanlagen-Energie zurück. Und dann war da noch eine Strasse mit leichten Störungen.

Die ersten paar Kilometer sind ein Klacks. Hamburg – München – Brenner. Kein Thema. Der Jaguar läuft mittels Dieselmotor rund, kraftvoll und ganz schön sparsam. Das Gepäck ruht im hintersten Abteil, die Wasserflaschen in der Mittelablage stehen zwar sicher, könnten aber später ein wenig Kühlung gebrauchen. Aber dazu später mehr. Wie gesagt, der Anfang ist ein Kinderspiel, der F-Pace rennt auch locker 200 und die Kassler Berge sind auch kein Thema, das man nicht erwähnen muss.

Am Brenner regt man sich über Maut und vor allem die Tankstellen auf. 1,79 Euro pro Liter Diesel. Hallllooo. Schwein gehabt, der Tank war noch voll genug. Darauf einen sehr, sehr guten Espresso aus einer dieser coolen, silbernen Espresso-Maschinen, die mit 10 Zapfhähnen bestückt ist und wahrscheinlich nur deshalb so guten Kaffee raushaut, weil sie schon zehn Millionen Tassen Kaffee ausgespuckt hat. Der Brenner ist die Startrampe für den Urlaub in Italien, der Gardasee das Paradies der Hängengeblieben. Deutsche Rentner belagern Eisdielen. „Fräulein, bitte zahlen.“ Und die junge Frau kommt dann sogar noch. Der Jaguar steht derweil auf einem Parkplatz und wärmt sich auf. Nach rund 1.300 Kilometern Autobahn hat er sich das verdient.

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Einfach, schnell, bequem und fotogen

Unser Testwagen ist der F-Pace 3.0 V6 AWD Diesel, mit 300 PS, 700 Newtonmeter maximales Drehmoment, geschaltet wird per 8-Gang Automatik mit Schaltwippen, er wiegt ohne uns und unser Gepäck 1.880 Kilo und er kostet mindestens 58.860,00 Euro inklusive Steuer. Vor der Fahrt haben wir einmal am Konfigurator gespielt, das Ergebnis: locker über 90.000,00 Euro sind machbar.

Und das mit dem V6 Diesel unter der Haube. Was uns direkt nach Fahrtantritt gefallen hat war die einfache, klare Handhabung des Briten. Er ist übersichtlich, die Gasannahme ist direkt, das Getriebe arbeitet nicht unglaublich schnell, aber doch schnell genug. Dass man den Diesel nicht treten muss, damit er sich mal etwas schneller bewegt, ist eine feine Sache und das Platzangebot ist wirklich gut.

Wo ordnet man den F-Pace eigentlich ein? Er ist natürlich der klassische SUV im Mittelformat. Kann aber, dank seines Designs auch als SUV-Coupé durchgehen, was ihn schon zu einem feinen Wagen macht. Er steht halt nicht vor der Haustür und erinnert an mittelalte Männer mit Vollbart, in kniehohen Gummistiefeln und karierten Hosen, die den Hirsch durch halb Mitteleuropa hetzen und später den Platz über dem Kamin verunstalten. Der F-Pace ist dann eher für lederne Halbschuhe, rahmengenäht und einen Weekender im Gepäckfach. Hamburg – Perugia zum Beispiel.

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Schöne Grüße aus Assisi

Zurück zum Tripp nach Italien. Es brennt von oben, die Schädeldecke ist eine Bratpfanne und man könnte ein paar Tropfen Olivenöl darauf giessen. Es würde duften. Im Jaguar gibt es leider kein Kühlfach und deshalb schmeckt das Wasser nach Brühe ohne Geschmack. Beim nächsten Tripp wandert eine kleine Kühltasche mit Stecker in den Wagen. Basta.

Wir verlassen den Gardasee, nicht ohne Foto am Wasser und der Erkenntnis, dass dieser Flecken Erde wirklich wunderschön ist. Der Jaguar wird mit Diesel für 1,39 pro Liter abgefüllt und dann wieder in Bewegung gebracht. Der Süden lockt mit Vino, noch mehr Hitze und unglaublich schönen, alten, in den Berg gelutschten Dörfern. Die Klimaanlage steht auf beiden Seiten auf „low“ und das ist auch schön so. Nur das Aussteigen haut einen um. Von 16 auf 36 Grad. Himmel hilf.

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Gassentauglichkeit made in England

In Perugia darf der Brite seine Gassentauglichkeit unter Beweis stellen. Der Fahrer zirkelt den 4,7 Meter langen Insulaner durch die alten Gemäuer, das Navi arbeitet unter Hochdruck, schafft die Route aber prima. Manchmal hackt es ein wenig, weil eine Gasse nirgendwo vermerkt ist oder man kurzerhand eine Strassensperre eingerichtet hat. Dann hilft nur stures Weiterfahren, bis der GPS-Empfänger wieder Boden unter den Füßen hat. Aber sonst läuft alles perfetto.

Wir betreten historisches Geläuf. Assisi, jene Bergfestung mit Dorf am Hang, dessen Gassen nur Bewohner und Lieferanten mit dem Auto betreten dürfen, ist ein Kleinod der Geschichte und aus der Ferne eine Kulisse mit dem Prädikat „unglaublich“. Der Jaguar davor darf nur kurz bleiben, zu groß die Entfernung zwischen moderner Technik aus Britannien und dem fast 2.500 Jahre alten Kunstwerk, dessen sich die Römer im Jahr 399 v. Chr. Annahmen. Man schreitet durch die engen Schluchten, bewundert die Kunst der Verzierung durch allerlei Blumen und auf der Festung weit oben erholt sich der durch die Hitze geschundene Kreisluft mithilfe eines sagenhaft leckeren Gelato. Der Jaguar wartet derweil auf einem langweiligen, staubigen Parkplatz. Das Wasser inside könnte man zur Zubereitung eines lauen Pulverkaffees nutzen, aber wer will das schon trinken. Braune Brühe.

Fahrbericht Jaguar F-Pace – Bergdorf bei Perugia

Wir finden die Collo Bertone. In einem kleinen Bergdorf irgendwo südlich von Perugia und dort hängt das Hinweisschild. Die Hitze kennt keine Gnade. Das Strassenschild, schon alt und von Winterstürmen abgenutzt, lockt ungemein. Hat der grosse Giovanni Bertone einst hier seine Spuren hinterlassen. Eher nicht, aber das Schild ist nunmal da und der Jaguar könnte uns eine Hilfe sein. Gute 25 Kilometer lang ist sie und kurvig wie ein von Bertone karossierte Giulietta. Der F-Pace darf also ran. Oder besser seine Lenkung, seine Bremsen, die Reifen plus Felgen sowieso und die Passagiere, deren Gesäß ein ums andere mal ordentlich strapaziert werden.

Schlaglöcher, oder besser zur Fischzucht geeignete Krater, haben aus der Strasse eine Herausforderung gemacht. Es rumpelt, kracht und scheppert. Der Brite kämpft und obsiegt. Am Ende hat die Strasse den Inhalt des Wagens neu sortiert, wir rücken unsere Haare zurecht, stecken die warmen Wasserflaschen zurück in die Mittelkonsole, das Handy fanden wir später unter dem Beifahrersitz und über die Dinge im Gepäckfach verlieren wir kein Wort. Es hat gedauert. Jedenfalls hat uns der Testwagen heil ans Ziel gebracht. Danke, wem auch immer, für diese Erfahrung.

Irgendwann endet jede Reise, der Weg zurück nach Hamburg ist lang, eher langweilig. Autostrada, Brennero, Autobahn und Alster. Noch mal 1.400 Kilometer am Stück. Mit bestem Espresso, recht teurem Diesel und einem Jaguar, der die lange Fahrt so mühelos absolviert hat, wie ein Lastesel, der einen Preis für besonders gelungenes Aussehen verdient hat. Die Briten haben im Grunde ein Coupé mit vier Türen ein wenig höher gelegt. Die Technik, vor allem der vorzügliche Diesel, arbeitete sauber, schnell und zuverlässig. Wenn F-Pace Diesel, dann den V6. Der hat jede Menge Drehmoment, er ist trotzdem sparsam, wenn man ihn nicht tritt und er kann auch mal die 200 km/h-Marke überspringen.

Text: Ralf Bernert
Fotos: Corinna Keller/Ralf Bernert

Kommentar verfassen

kürzlich bei

hier entlang Wichtig
%d Bloggern gefällt das: