Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT: Wildpferde im Nebel.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Die Farbe: Race-Rot

Rot ist er. Wild ist er und er schnaubt. Der Mustang aus Flat Rock ist ein Grenzgänger. Ein Ami durch und durch. Und ein Europäer. Zumindest teilweise. Er kann schnell, er kann laut und er kann gemütlich. Wenn man will.

Direkt am Hafenbecken in Hamburg, im Hintergrund stehen gut 100 schwarze Limousinen und Vans. Der G20-Gipfel ist immer noch präsent. Und dann kommen wir mit dem roten Ami daher. 5.0 steht auf der Seite. Verchromt und nicht zu übersehen. Damit man weiß, dass hier der wahre Mustang vor der Tür steht. Ein paar Angler schauen rüber und kümmern sich dann wieder der Jagd nach Fischen. Vorerst.

Es gibt ihn auch mit der Hälfte an Zylindern, also vier. Dann sind 317 PS unter der Fronthaube aktiv und man muß bei 234 km/h die Zähne zusammen beissen. Denn mehr geht beim 2.3 EcoBoost nicht. 5,8 Sekunden bis Tempo 100, das klingt nach Mittelklasse und das ist es auch.

Mit uns ist ein V8 unterwegs. Fünf Liter Hubraum, 421 PS und 530 Newtonmeter Drehmoment. Das alles wird über die Hinterräder auf die Strasse gebracht und per Handschalter auf sechs Gänge verteilt. Der ganze Spaß wiegt 1,7 Tonnen plus Fahrer und kostet mindestens 44.000,00 Euro. Plus rund 5.000,00 Euro für Sportsitze, Arktis-Weiss-Lack, Zierstreifen auf dem Dach, Infotainment, Alu-Felgen und ein paar Kleinigkeiten. Der Preis ist heiß.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Tattoos auf dem Asphalt

Der Mustang Jahrgang 2017 hat einiges zu bieten. Er kommt mit einzeln aufgehängten Hinterrädern daher. Starrachsen mögen den Nostalgiker in uns begeistern, aber sie sind aus der Zeit gefallen, erinnern an Epochen als man noch Streitwagen fuhr oder filigrane Technik noch aus der Hölle kam.

Das hat Ford bemerkt und festgestellt, dass man in Europa zwar die NASCAR-Rennserie toll findet, aber trotzdem ein wenig mehr Fahrkomfort schon recht schön findet. Also, der Mustang kann nun auch unsere schlechten Strassen ein wenig besser machen. Man kann mit ihm durch die Gegend fahren. Einfach so. Man steigt später aus und wundert sich höchstens über die ein wenig zu bequemen Sessel. Aber die kann man gegen Recaros austauschen.

Mustang-Fahrer sind gern Kind oder Jugendliche. Sie spielen gern. Vor allem mit dem Gaspedal und den Reifen. Beides zusammen läßt sich als Spielzeug bezeichnen und es bereitet auch Freude. Das Thema lautet „Burn out“ und damit meinen wir nicht den Erschöpfungszustand des Menschen, wir meinen das Durchdrehen der hinteren Räder inklusive Stillstand des Wagens. Damit das auch wirklich sauber klappt, hat Ford dem Mustang eine Funktion eingebaut, die „Line-Lock-Funktion“.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Das Innenleben ist eher nüchertn gehalten. Schwarzes Leder plus Kunststoff. Foto: Ford

Man drückt ein paar mal die Rollwalze auf dem Lenkrad, die vorderen Räder werden gesperrt und man kann bis zu 15 Sekunden per Gasfuß die hinteren Räder durchdrehen lassen. Beim klassischen Dragracing wird das auch gemacht, dort will man die Räder auf dir richtige Temperatur bringen, beim Mustang ist es Spielerei für die Insassen, eine Freude für den Reifenhändler und ein Grund zum Kopfschütteln für Aussenstehende. Wir machen das auch. Zurück bleiben irritiert schauende Angler und ein paar Tattoos auf dem Asphalt. Läuft, Alter.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Blubbern oder röhren

Wir sind wieder auf der Autobahn. Freie Fahrt für freie Bürger. 250, mit ein wenig Mühe sind drin. Der Mustang läuft ganz sauber, das Lenkrad vibriert ein wenig, so als wollte der Wagen uns mitteilen, dass er derartige Geschwindigkeiten nicht mag. Er will lieber aus dem Stand nach vorn rennen, er will durch Kurven hetzen, das Heck ein wenig quer kommen lassen, er will entweder blubbern oder röhren. Der V8 will und kann das.

Das Getriebe des US-GT kann grundsätzlich knackig und kurz, ist aber auch ein wenig hakelig, was uns wieder zum Thema Nostalgie führt.

Bein Fahrwerk ist im Grunde nichts auszusetzen. Ford hat dem Mustang ein paar Fahrmodi eingebaut, die sich ganz einfach durch die Kippschalter aktivieren lassen. Das Pferd kann sogar Rennstrecke, wobei der Wagen entweder abspecken sollte oder ein paar PS mehr auf den Rippen haben sollte. 1,7 Tonnen sind kein Pappenstiel und die machen sich vor allem bei Übungen zur Sportlichkeit bemerkbar. Man kann den Wagen recht einfach quer fahren und kontrolliert quer laufen lassen.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Mit 421 PS lässt sich gut posen. Foto: Ralf Bernert

Das Thema Lastwechsel ist nicht so einfach, Masse treibt, zieht und schiebt. Bei 1,7 Tonnen reden wir von reichlich Masse und die will gebremst, beschleunigt und balanciert werden. Unser Mustang kann mit dem Thema Längsdynamik recht gut umgehen. Er be- und entschleunigt sauber und mit der notwendigen Härte.

Fahrbericht Ford Mustang 5.0 GT – Mit unterhaltsamen Gimmicks

Die Bremsen aus dem Hause Brembo packen ordentlich zu und wenn der Gasfuß allzu schnell und nachhaltig nach unten wandert, kann das ESP schon recht ordentlich die schlimmsten Ausrutscher verhindern. Es sei denn, man will unbedingt die Pubertät hochleben lassen. Dann sollte man vorher zwei Dinge tun: erstens die Nachbarschafts-Funktion des Auspuffs deaktivieren und zweitens die Line-Lock-Funktion in Betrieb nehmen. Dann ist man sicher vor jeder Form der Ignoranz Aussenstehender.

Nach zwei Tagen im Mustang können wir guten Gewissens folgende Erinnerungen aufschreiben. Der Mustang 5.0 ist ein Sportwagen. Er ist nicht der schnellste seiner Zunft und er ist auch nicht der agilste unter den Sportlern. Dazu fehlt ihm das richtige Gemisch aus Leistung und Gewicht.

Aber den Mangel an Leistung macht der US-Amerikaner durch unterhaltsame Gimmicks wieder wett. Er zeigt G-Kräfte an, man kann mit ihm den Dragster-Pilot geben, er kann schön fett durch die Gegend brabbeln und er trägt diesen unwiderstehlichen Namen. Mustang. Zum Thema Verbrauch n och eine Info: Wer den Mustang „artgerecht“ bewegt sollte immer von mindestens 15 Liter ausgehen. Plus neue Reifen für die Hinterräder.

Fahrbericht Porsche Cayman S

Text: Ralf Bernert
Fotos: Ford / Ralf Bernert
Video: Jürgen Stephan für motoraktion.de / presseinfodienst.com

Die technischen Daten (laut Hersteller):
Motor: V8 Saugmotor
Hubraum: 4.951 ccm
Leistung: 310 kW / 421 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 529 Nm bei 4.250 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang Handschalter / 6-Gang Automatik

Maße:
Länge: 4.798 mm
Breite: 1.928 mm ohne Spiegel
Höhe: 1.394 mm
Kofferraum: 408 Liter
Leergewicht: 1.753 kg

Fahrleistungen:
0-100 km/h (mit Automatik-Getriebe): 5,5 s (4,8s)
Top Speed: 250 km/h

Verbrauch:
kombiniert: 13,5 l/100 km
CO2: 299 g/km

Preis in Deutschland: ab 44.000,00 Euro

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