Fahrbericht BMW M2: Das blaue Wunder

BMW M2 Aufmacher

Schnell ist er, daran besteht kein Zweifel. Der Nachfolger des 1er M Coupé hat einen guten Namen und unter der kernigen Karosserie steckt ausreichend viel Leistung und Technik. Der M2, als jüngster Sproß der M-Familie, ist ein Freudenspender und ein Botschafter. Die Nachricht ist klar, es geht um Dynamik und Jugend.

Kurz bevor der M2 abtaucht, seine Front im Gewinde des Korkenziehers verschwindet und für einen winzigen Augenblick der Asphalt von Laguna Seca durch die Windschutzscheibe zu fliegen droht, hat man das Gefühl, dieser BMW wurde genau für solche Momente gebaut.


Nach der Start-Ziel-Geraden eine lange Links und nach ein paar netten Kurven mit Geraden dazwischen dann die berühmt-berüchtigte Corkscrew, jenes Teilstück, dass den Wagen samt Insassen in einen Abgrund führt, die Bremsen an ihre Grenzen bringt und ein gutes Stück Mut erfordert. Links, rechts, bitte recht zügig und blind, denn bevor man die Schikane richtig sehen kann, ist man schon mitten drin. Tausende haben auf dieser Strecke ihren Mut oder Übermut unter Beweis gestellt, einige sogar mit schwersten Verletzungen bezahlt. Laguna Seca in Kalifornien ist eine Rennstrecke, die dem M2 wirklich gut zu Gesicht steht, selbst dann, wenn man kein geübter Rennfahrer ist.

Fahrbericht BMW M2: Big Sure im M2 – ein interessanter Ausflug

Vor der Rennstrecke lockt die Nummer 1, der Highway am Pazifik. Eine Traumstraße und der beste Grund von San Francisco nach Los Angeles zu fahren. Ein paar hundert Meilen Paradies und der M2 wird hier und da zu Nebensache. Bis Big Sure sind wir gekommen, dann wieder zurück zur Rennstrecke. Der BMW im „Comfort“-Modus läuft ruhig, bei Tempo 60 oder 70, die Drehzahl pendelt sich irgendwo bei 2.500 ein, der Wagen ist gut gedämmt, die Sitze, wie immer bei BMW, passen wie angegossen und das Fahrwerk hat mit diversen Rillen, Löchlein oder Unebenheiten keine Probleme. Der M2 ist natürlich nicht der geborene Reisewagen, er kann zwar alles, was man braucht, Navi, Musik, Bluetooth, das alles ist drin. Aber irgendwie fühlt man, dass dieser BMW viel lieber diese wunderbaren Kurven mit mehr Schmackes nehmen möchte, als dem Bundesstaat Kalifornien lieb ist.

Also mit 45 Meilen pro Stunde zum Kurvengewirr nahe Monterrey. Der Pazifik grüßt noch einmal mit unglaublichen Wellen, die sich an widerspenstigen Felsen brechen und dann, einem Feuerwerk gleich, ihre weiße Gischt in den Himmel schleudern. Sieben, acht Meter hoch, vielleicht hundert Meter breit und unermüdlich bei der Arbeit. Als wollten sie den festen Boden erreichen und den Highway erobern. Aber der gehört uns, dem M2 und zwei darin sitzenden Journalisten.

BMW M2 Kueste

Nun also Laguna Seca. Fast sechszig Jahre alt, also noch lange nicht im Rentenalter. Einmal im Jahr, im August, treffen hier Klassiker und Veteranen der Motorsportszene aufeinander. Im Rahmen der Pebble-Beach Woche, Dann kann man einen McLaren gegen einen Cooper oder Alfa rennen sehen. Ein BMW M1 Procar im Clinch mit Porsche und Ferrari. Die besten Jahre des Motorsports sind dann wieder lebendig.

Fahrbericht BMW M2: Acht Runden hinter dem DTM-Champion

Heute wird der M2 hier seine Lebensfreude auf den Asphalt brennen. Wir sind immer zu Dritt unterwegs. Ganz vorn, am Steuer DTM-Champion Martin Thomczyk, im Führungsauto. Dahinter zwei M2 in blau. Acht Runden stehen an. Die ersten drei Runden zur Einführung, also in aller Ruhe mit Funk von vorn. Martin erhöht den Speed nach jeder Runde und erzählt, wie man den Zweitürer aus München sauber und schnell durch den 3,6 Kilometer langen Kurs steuert.

Zwischen den Zeilen. Ein paar Informationen zum M2. Für die Rennstrecke wurden Rennbremsen eingebaut, sie halten länger, sind aber in der Leistung vergleichbar mit den Serien-Bremsen. Der M2 wird von einem Reihen-Sechszylinder mit Turbo-Aufladung und drei Liter Hubraum angetrieben. Geschaltet wird entweder per Sechsgang-Handschalter oder mit Doppelkupplungsgetriebe und sieben Gängen. Auf der Rennstrecke waren wir mit dem DKG unterwegs, auf dem Highway mit dem Handschalter. Angetrieben wird der M2 über die Hinterräder, der Wagen ist vor allem bei hohen Kurvengeschwindigkeiten leicht übersteuernd ausgelegt, wobei der M2 auch bei hoher Belastung immer beherrschbar ist. Das Heck kommt raus, ist aber nicht wie ein Wüterich unterwegs. Man hat also seinen Spaß am Drift. Der rund 1,5 Tonnen schwere M2 ist kein radikaler Rennwagen, er kommt mit reichlich Alltagsnutzen daher und er schaut im Vergleich zum BMW M235i Coupé diesen Tick sportlicher, knackiger aus. Solange man den Fahrprogramm-Schalter links neben dem Schalthebel auf „Comfort“ stehen läßt, kann der M2 wie ein braves Hündchen an der Leine laufen. Zwei mal drücken, bis „Sport+“ erscheint und dann kommt der ganze Sport aus dem M2 heraus. Die Lenkung direkter, das Fahrwerk straff, das Gaspedal noch näher am Motor und die elektronischen Fangleinen stellen ihren Dienst nahezu komplett ein. Sport+, das heisst Rennstrecke, Gerade, Schikane und Korkenzieher.

Zurück in die Boxengasse. Eine kleine Erklärung an uns. Nicht überholen, nicht rutschen, also driften, immer an die Anweisung aus dem Funkgerät halten, Martin Tomczyk ist der Meister am anderen Ende der Funkverbindung. Motor an, Sport+ und los.

Drei Runden Schaufensterbummel. Und das ist auch gut so. Wer auf dem Laguna Seca Raceway seine Premiere feiert, ist gut beraten, wenn er am Anfang aufmerksam zuschaut und zuhört. Das gilt natürlich für alle Rennstrecken, aber hier ist das noch wichtiger. Der Korkenzieher ist nicht zu unterschätzen, man braucht ein wenig Mut und Übersicht für die berühmte Kombination aus Links- und Rechtskurve, die mitten in einer Senke lauert. Man biegt leicht rechts ab und springt blind in eine Linkskurve um dann gleich in die Rechts zu laufen. Das alles spielt sich in drei Sekunden ab und wer zu schnell unterwegs ist oder zu langsam lenkt, wird recht unsanft von Leitplanken aufgehalten. Ist die Leitplanke zu nah, warst Du zu schnell.

Dann folgen die vier schnellen Runden. Der Rekord liegt bei 1:02 Minuten, mit dem M2kann man die Runde in rund 1:45 schaffen. Für die Stoppuhr ist weder Zeit noch Lust, zumal wir fliegende Runden fahren. Reifen und Bremsen sind warm genug, der Motor dreht freudig und sauber, der Sound kommt vor allem beim Heraus-beschleunigen sehr cool und knackig. Nach der langen Geraden, links runter in eine lange Doppellinks, dann folgen ein paar längere, schnelle Kurven mit Geraden dazwischen. Das schöne an der Strecke ist die Abfolge von schnellen und langsamen Passagen, die dem M2 sehr gut liegen. Der kleine BMW kann hier seine Kräfte bestens ausspielen und ist dank seines kurzen Radstandes von knapp 2,7 Meter auch in sehr engen Passagen fix unterwegs. Die Lenkung arbeitet sehr sauber, mit reichlich Rückmeldung, das Doppelkupplungsgetriebe ist sehr schnell, Zugunterbrechung beim Schalten sind kaum spürbar, was gerade beim Heraus beschleunigen sehr viel Freude bereitet. Auf langen Geraden glänzt der M2 mit reichlich Haltung, der Wagen sitzt satt und sauber auf dem Asphalt, Lastwechsel kann der BMW gut vertragen. Nach vier relativ schnellen Runden kommt man so langsam auf den Geschmack aber leider, leider, die Zeit reicht nicht aus. Die Sonne springt hinter die Berge und so schön das Panorama auch sein mag, wir müssen den M2 auf eine letzte Abkühlrunde schicken und senden einen Gruß an die Entwickler des M2, die einen wirklich guten Job gemacht haben.

Was nehmen wir mit aus Kalifornien?
Eine Menge Emotionen, was einerseits an der wunderbaren Gegend hier liegt und andererseits am M2, dessen Charakter sehr klar definiert wurde. Er ist nicht der Wagen, mit dem man von Hamburg nach Nizza fährt und dabei eine kleine Familie im Gepäck hat. Der M2 ist eher die Sorte Auto, mit dem man von Hamburg in die Eifel fährt, dort die schönsten Landstraßen geniesst und zum krönenden Abschluss ein paar zackige Runden auf der Nordschleife dreht. Beides kann der M2 wirklich sehr gut, weshalb man ihn ohne Zweifel als echten M identifizieren kann.

Ein paar Links:

Fahrbericht BMW M1
Fahrbericht M6 Coupé
Fahrbericht BMW X6M

Ein paar Fotos (Quelle: BMW)

Die technischen Daten des BMW M2 (Werksangaben):

Motor: 6-Zylinder Reihe mit Turbo-Lader
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 370 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 465 Nm bei 1.450 bis 4750 U/min / Boost: 500 Nm

Maße:
Länge: 4.468 mm
Breite: 1.854 mm
Höhe: 1.410 mm
Radstand: 2.693 mm
Wendekreis: 11.7 m
Tank: 52 Liter
Kofferraum: 390 Liter

Leergewicht: zwischen 1.495 und 1.595 Kg je nach Getriebe und Füllmengen

Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang Handschalter oder 7-Gang DKG

Fahrleistungen:
0-100 km/h: max 4,3 Sekunden
Top Speed: 250 km/h – mit Driver Package 270 km/h

Verbrauch:
kombiniert nach EU-Zyklus: 7,9 – 8,5 l/100 km/h
CO2: 185 bis 199 g/km

Preis in Deutschland: ab 56.700,00 Euro inkl. Steuer