Fahrbericht Bentley Mulsanne – Arctic Beamer

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Fahrbericht Bentley Mulsanne – Arctic Beamer. Ja, den Mulsanne gibt es noch. Er ist rar, selten und eindrucksvoll. Fast möchte man sagen, ein Glücksfall, dieser Bentley. Weil er outstanding ist, eine Besonderheit, ein Bentley mit einem großen Namen und einem grossen Herz.

Fahrbericht Bentley Mulsanne –  Arctic Beamer - Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht Bentley Mulsanne – Arctic Beamer – Foto: Ralf Bernert

Es klingt wie eine Rede, ein Statement. Wenn man den Mulsanne aus der Ferne sieht, den mächtigen Grill, die Dimensionen, den Auftritt eben. Ein mächtiges Auto, dessen Insassen sicher, in edelstes Tuch gehüllt, gerade an einem Kristallglas nippen und ganz geruhsam den kleinen hölzernen Tisch an den Rücken des Vordersitzes klappen und dann, die rahmengenähten Schuhe zuerst, aussteigen. Klischees nur, aber mit einen grossen Funken Wahrheit geschmückt.

Ein Mulsanne ist keine beliebige Limousine, das war er noch nie. Selbst als er dem Rolls-Royce Silver Spirit wie aus dem Gesicht geschnitten war. In den 80ern, als Bentley im Grunde die Kleider des grossen Bruders auftragen durfte. Inklusive der Technik darunter. Seit 2009 nun trägt der Mulsanne seine eigene Couture und seine eigene Technologie, mit grossen Stolz und dem Applaus der Kundschaft, welche Traditionen mag und auch Teil von ihr sein möchte.

Fahrbericht Bentley Mulsanne –  Arctic Beamer - Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht Bentley Mulsanne – Arctic Beamer – Foto: Ralf Bernert

Bevor wir diesen speziellen Mulsanne bewegt haben, setzten wir uns an den Schreibtisch und studierten eine Liste. Sie ist zwei Seiten lang und erklärt, weshalb dieser Mulsanne mal eben fast 65.000 Euro teurer ist, als die Basisversion. Wir dachten zuerst, es handelt sich um das Jahresgehalt des Chauffeurs. Also, für knapp 250.000, 00 Euro kann man den Mulsanne kaufen. Im Basis-Anzug. Ohne Seidentuch, Manschettenknöpfe oder Ziernähte am Revers. Nackt sozusagen.

Fahrbericht Bentley Mulsanne – 314.010,00 Euro, plus Steuer

Arctic, die Aussenfarbe. Innen Portland und Porpose. Ein Kombinat aus Leder, Holz, Metall in seiner schönsten Form. Also poliert, glänzend, die Hand küssend. Die vier runden Lüftungsdüsen, eine Augenweide. Überhaupt, das gesamte Cockpit, eher eine Tafel, festlich gedeckt. Staatsbesuch erwartend. In dieser Umgebung werden beste Manieren, Umgangsformen zur Normalität erklärt. Man möchte die Schuhe vorab putzen, Maniküre aber keine weißen Handschuhe.

Die Haut als Auge der Haptik. Hier drin läßt man sich nieder und ergibt sich dieser Mischung aus Tradition des Handwerks und der Kunst zeitloser Moderne. Weiter hinten, die Lust am Genuss wird lebendig. In der Mitte ein Refugium für Coolness. Monitore plus Tablet, beste Kopfhörer für Inselmusik. Jedem das Seine. Die Ingenieure haben den Mulsanne in eine Kapsel verwandelt. Dämmung sagt man dazu. Oder einfach Ruhe.

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Der Fahrer, inmitten all dieser Technik, ist blitzschnell in seinem Element. Die wichtigen Informationen sind dort, wo man sie fast instinktiv sucht. Der gewaltige Schalthebel, fast ein Zepter , thront in der Mitte der Konsole neben dem Fahrer. Der Monitor, weiter oben, nicht zu gross, liefert die Karte zur Navigation und den Rest an Infos, die man vor allem auf Reisen schätzt. Der Mulsanne ist lieber länger unterwegs, kein Stadtflitzer mit dem Ehrgeiz des Wendekreis-Weltmeisters. Er läuft, rennt, spaziert, schlendert und beeindruckt mit der Souveränität eines stolzen Briten. Man schaukelt ein wenig durch Kurven, Kreuzfahrt mit der Queen, nicht irgendein grosses Boot auf Urlaubstour.

Fahrbericht Bentley Mulsanne –  Arctic Beamer - Foto: Ralf Bernert

Fahrbericht Bentley Mulsanne – Arctic Beamer – Foto: Ralf Bernert

Unterwegs, mit dem 6,75 Liter V8 BiTurbo unter der Fronthaube, lassen wir die 512 Pferdestärken von der Leine. Immerhin knapp vor der 300 km/h-Marke werden die 2,5 Tonnen Edel-Masse sanft eingebremst. Bis dahin aber galoppiert der Bentley sehr motiviert nach vorn. Immerhin nur 5,3 Sekunden vergehen, bis der Mulsanne aus dem Stand Tempo 100 km/h erreicht. Man sollte die Passagiere im Fond vorab über den Blitzstart informieren, auch damit das Glas nicht bis zum Rand gefüllt ist, die Schwerkraft könnte für unangenehme Folgen sorgen.

Der Mulsanne wird über die hinteren Räder angetrieben, die acht Gänge werden per Automatik sortiert. Über eintausend Newtonmeter Drehmoment, damit der Wagen bis zum Ende der Skala durchlaufen kann. Nur am Anfang wird Luft geholt, bis dann der Motor auf Touren ist und die Hände am Volant den Druck spüren. Kein Sportwagen-Feeling, lieber Gute alte Zeit. Nach vorn mit ernstem Gesicht, ohne Stoppuhr.

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Nach fünf Tagen, Eindrücke sortieren. In der Stadt sind 5,5 Meter Länge eher Transporter-Niveau und deshalb eine Herausforderung. Parken ist nicht einfach. Dafür diese Aura. Der Mulsanne mag kein hypermoderner Wagen sein, er ist auch kein Klassiker mit Handschalter und dem Flair der 24 Stunden von Le Mans. Er ist eher junge Nostalgie. Vor allem heute. Weil wir immer öfter über die Grösse des Monitors reden, über HotSpot und Apple CarPlay. Und über Gestensteuerung, Vernetzung und höchstens vier Sekunden bis Hundert.

Der Mulsanne ist: vermutlich der Letzte seiner Art. Er ist auch: der einzige Konkurrent des Phantoms aus Goodwood und er ist ganz sicher: so british wie eine Steinmauer auf dem Land, ein Eyecatcher.

Fotos: Corinna Keller / Ralf Bernert / Bentley (Cockpit-Foto)

Die technischen Daten (laut Hersteller):
Motor V8 BiTurbo
Hubraum: 6.752 ccm
Leistung: 377 kW / 512 PS bei 4.200 U/min
Drehmoment: 1.020 Nm ab 1.200 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:
Länge: 5.570 mm
Breite: 1.926 mm (ohne Spiegel)
Höhe: 1.521 mm
Radstand: 3.266 mm
Lehrgewicht: 2.585 kg
Tank: 96 Liter
Kofferraum: 443 Liter

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 5,3 s
Top Speed: 296 km/h

Verbrauch kombiniert: 13,0 l/100 km
CO2: 342 g/km
Preis in Deutschland: ab 249.740,00 Euro ohne Steuer

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