Hans J. Wegner: Der Ehren-Industriedesigner
Er kreiert Klassiker, die über Jahrzehnte ihre Aktualität behalten und weltweit begehrte Sammlerobjekte sind.
Hamburg im März 2006
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Der große Mann aus der dänischen Designerszene dürfte wohl am 2. April seinen 92. Geburtstag feiern. Und ganz im Trend der Zeit "Retro" wurden großartige Klassiker des renommierten Designers aus den 50er- und 60er Jahren wiederbelebt.
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Bild oben links: 1963 erstmals in limitierter Auflage auf den Markt gebracht, setzte sich das Design des SHELL CHAIRS damals nicht durch. Erst eine Neuauflage brachte 34 Jahre später den Durchbruch, weil einerseits das Interesse an individuellen Designermöbeln in den 90ern gewachsen war, und andererseits die Produktionskosten relativ niedrig gehalten werden konnten.
Bild oben rechts: Vom Sessel CH_445 (ein Entwurf aus dem Jahr 1960) war damals lediglich eine Hand voll produziert worden. Heute, im Jahr 2006 von Carl Hansen & Son re-editiert, wurde er auf der Internationalen Möbelmesse Köln bereits für den "Classic Innovation Award" nominiert, der ein innovatives Produktkonzept würdigt, das bis zum heutigen Tage Bestand hat wie auch die Langlebigkeit des Designs und des Konstruktionsprinzips. Die ruhige, klare Linienführung sowie der herausragende Komfort in jeder Sitzposition des CH_445 sprechen für Wegners Genialität.
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Bild oben links: Der CH_20 ELBOW-CHAIR, ebenfalls ein Geniestreich des Möbeldesigners Wegner aus dem Jahr 1956 wurde erstmals 2005 auf den Markt lanciert und erhielt sogleich eine Auszeichnung auf der International Contemporary Furniture Fair in New York. Der visionäre Künstler hatte eine stapelbare, elegante Schönheit kreiert, der aufgrund seiner minimalistischen Ausgestaltung Understatement suggeriert.
Bild oben rechts: Hier sehen Sie den neu überarbeiteten KASTRUP CHAIR CH_401. Er ehielt auf der IMM Köln 2004 den "Classic Innovation Award". Der AIRPORT CHAIR, wie er ursprüglich genannt wurde, beeindruckte die Jury im Speziellen wegen der fein ausgeführten Handarbeit. Ferner würdigte sie das gelungene Zusammenspiel von Leder und Edelstahl. Wegner war mit diesem Entwurf 1958 seiner Zeit weit voraus. Die große Abbildung - bitte klicken Sie auf das kleine Bild - zeigt die Weiterentwicklung zur Bank CH_402, ebenfalls ein Design Wegners aus dem Jahr 1958.
Über den Künstler:
Hans J. Wegner wird nachgesagt, er verkörpere wie kein anderer die Synthese aus der Handwerkskunst des Möbelschreiners und der Kunst der Formfindung eines Designers. Diese Einheit hätte Vorbildfunktion und sei einstweilen zu einem allgemeinen Qualitätsmerkmal des dänischen Designs geworden.
Unbestritten ist in jedem Fall Wegners einzigartige Fähigkeit, klassische Motive in modernen Formen neu zu interpretieren sowie seine Sensibilität für die Materie Holz. Dieses Talent mag auch durch seine Ausbildung zum Kunsttischler gefördert worden sein.
Erst fünf Jahre nach Abschluss seiner Lehre, im Jahr 1936, hatte der junge Künstler mit dem Studium des Möbeldesigns an der "Danish School of Art and Crafts" begonnen. Gleichzeitig hatte er sich dem inneren Zirkel der "Copenhagen Carpenter Corporation" angeschlossen, die Wettbewerbe und Ausstellungen für junge Architekten und Möbeldesigner organisierte. 1949 gelang dem mittlerweile an der Kunstgewerbeschule in Kopenhagen Lehrenden sein internationaler Durchbruch mit eigenen Möbelkreationen. 1959 wurde Wegner von der "Royal Society of Arts", London, schließlich zum königlichen Ehren-Industriedesigner ernannt.
Das Design des Möbelarchitekten ist auf den Benutzer zugeschnitten und niemals ein Kompromiss. "Ein Stuhl ist so lange kein Stuhl bis jemand darauf sitzt", so der Designer. Haltbarkeit und Funktionalität sind seine Anforderungen an ein Möbel. Natürliche Wärme und Ausgewogenheit soll es ausstrahlen und sich in jede Umgebung einfügen. Einzig die Eigenschaften des natürlichsten aller Materialien, Holz, begrenzen die Möglichkeiten seines Entwurfs.
Hans J. Wegners Kreationen entstehen zunächst immer am Zeichenbrett. Anschließend nehmen seine Studien in Miniaturen Form an und werden endlich in Prototypen umgesetzt, so lange bis Komfort und alle Details stimmen. Wegner: "Ein Möbelstück darf keine Rückseite haben. Alles muss zusammen-
hängen. Man darf nicht sehen, wo es anfängt und wo es aufhört. Möbel erlebt man aus allen möglichen Winkeln, und sie müssen es vertragen, von allen Seiten betrachtet zu werden".
Ergebnis seines Schaffens sind Klassiker, die über Jahrzehnte ihre Aktualität behalten und weltweit begehrte Sammlerobjekte sind.
Etwa 2.000 Entwürfe stammen aus Hans J. Wegners Feder. Circa 125 Stuhlentwürfe gingen in Produktion. Im Alter von 79 Jahren legte der Möbelarchitekt seinen Stift aus der Hand.
Text: Corinna Keller
Fotos: Sören Larsen, Carl Hansen & Son























