Der Mann für den Strich: Gerd Grimm
Er hat Augenblicke festgehalten, der Filterlosen zum Erfolg verholfen, der Mode den richtigen Ausdruck verpasst und viele hübsche Fräuleins verewigt. Gerd Grimm, Zeichner und Beobachter, hat einem Handwerk viele Jahrzente seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Nun wird der berühmte und fast vergessene Künstler in Hamburg geehrt.
Exclusive-Life zeigt ausgewählte Bilder und erzählt die Geschichte eines begnadeten Beobachters und Workaholics.
Hamburg, 22.01.2010
Nein, Korrekturen hat er nicht zugelassen. Wenn der Strich nicht passte, wanderte das Blatt Papier ohne Umwege in die ewige Ablage. Gerd Grimm wäre ein Verächter der digitalen Bildbearbeitung und damit in der heutigen Welt der Agenturen ein nogo. Gerd Grimm war ein Künstler, mit Talent und Fleiß gesegnet; die Arbeit war ihm keine Last. Vielleicht der Kunde, die Modelle oder die Zeit. Gelebt und gearbeitet hat er in schwierigen Tagen, als Halbjude vom Naziregime dank Wehrpass teils verschont, später zwischen den USA und Deutschland, seiner Heimat, hin und her pendelnd immer Papier und Feder zur Hand. Das Leben fing er ein, mit wenigen aber gekonnten Strichen. Selbst in seinen Auftragsarbeiten für Modejournale, Zigarettenhersteller oder Buchverlage ist die Oberflächlichkeit heutiger Marketing-Konzepte nur am Rande erkennbar. Grimm zeichnete mit seinem ganz persönlichen Auge.
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Anfang der 30er Jahre setzte der junge Gerd Grimm seine ersten Fußspuren in die Welt der Modejournale, Prospekte und Plakate. Mode und Lebensstil waren seine Objekte, wobei schon damals erkennbar wurde, dass der Mensch und seine Haltung im Fokus seiner Zeichnungen stand. Seiner Begabung verdankte er die Leichtigkeit im Ausdruck seiner Arbeiten: Seiner Arbeitswut verdankt die Nachwelt eine beträchtliche Anzahl seiner Werke, wobei ein großer Teil seinem Drang nach Perfektion zum Opfer fiel.
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Während Deutschland den Rest der Welt in ein gigantisches Chaos stürzte, die Nazis jede Scheu vor der Verfolgung der Juden ablegten, konnte Grimm als Halbjude, dank eines Wehrpasses und mit Hilfe guter Freunde, bis zum Ende des Krieges in seiner Heimat weiter arbeiten. Nach 1946 reiste er nach New York und fand die zweite Leidenschaft seines Lebens. Die erste hatte er in seiner Ehefrau, der Grafikerin Hilde van Gülik gefunden. Sie war nicht nur der Mensch an seiner Seite, sondern auch seine beste Kritikerin. Mit New York verband Grimm eine bis zum Lebensende dauernde Sehnsucht und auch Verbundenheit, die er allerdings nie auslebte. Fünf Jahre dauerte eine Phase, in der er geschäftlich in den USA erfolgreich arbeiten konnte, dann zog es ihn wieder in seiner Heimat nach Freiburg. Grimm fand im Deutschland der Nachkriegsära zahlreiche Möglichkeiten, seine überaus stark ausgeprägte Motivation auszuleben. Er arbeitete fieberhaft, wobei seinen Werken weder Last noch Mühe anzusehen ist.
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Grimms Begabung ist in seinen Zeichnungen allgegenwärtig. Den ersten Jahren des jungen Nachkriegsdeutschland drückte Grimm seinen feinen Stempel auf. "Grimm's Mädchen" schlenderten durch die Journale, trugen dabei nicht nur aktuelle Mode sondern auch das für das Wirtschaftswunder so wichtige Gefühl der neuen Stärke und einer internationalen Relevanz der Deutschen. Von GIs als Fräulein im positivsten Sinne bezeichnet und über den großen Teich exportiert, war es eben auch die Kunst des Gerd Grimm, die aus dem Teutonen einen mode- und trendbewußten Weltbürger machen konnte. Grimm's Reisen und seine Eindrücke finden sich auf nahezu allen Zeichnungen wieder. Ausdruck, Haltung, Stimmung und Stil - Grimm's sensiblen Strich entging wenig. Selbst die auf seinen zahlreichen Reisen festgehaltenen Eindrücke spiegeln nicht nur immer die Sonnenseite des Lebens wider.
Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt in einer Sonderausstellung ab dem 11. Februar 2010 ausgewählte Werke von Gerd Grimm.
Text: Jonas Kleber
Fotos: Maria Thrun
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