Johannes Follmer
Johannes Follmer: Der Schöpfer
Papier ist nicht gleich Papier. Wer stilvoll per Brief kommunizieren will, achtet nicht nur auf ordentliches Schreibwerkzeug.
Homburg im September 2006
"Handgeschöpftes Papier - das ist mein Beitrag gegen Uniformität, für sinnvolle Tradition, für zeitlose Individualität."
Johannes Follmer ist Papiermacher in fünfter Generation. Die Gene seiner Großväter und die seines Vaters sind so lebendig, wie man es sich nur wünschen kann. Follmer steckt voller Überzeugung. Für sein Handwerk, seine Produkte und die Tradition eines nahezu ausgestorbenen Berufes. So viel emotionale Energie traut man einer in der heutigen Zeit massenhaft benutzten Trägermasse gar nicht zu. Ein Blatt Papier als Zeichen von Individualität. In Kombination mit einer edlen Feder, entsprechender Tinte und sorgfälltig ausgewählter Worte.
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Bild oben links: Pressen, Trocknen, Glätten. Johannes Follmer legt Hand an sein Papier. Die körperliche Anstrengung ist erkennbar, das notwendige Fingerspitzengefühl obligatorisch.
Bild oben rechts: Wie Papier gemacht wird: Der technische Ablauf des Papiermachens ist mehr oder weniger unkompliziert. Die Zutaten (Baumwolle, Hanf, Zellulose, Wasser plus Leim für Schreibpapiere) werden im richtigen Verhältnis in einem großen Bottich gemischt.
Der fasrige Brei wird anschließend mittels eines großen Siebes abgeschöpft und durch Schüttelbewegungen grob vom Wasser befreit. Der zurück- gebliebene Papierbogen wird vom Sieb entfernt und zwischen zwei Filzbögen gelegt. Auf diese Weise werden zahlreiche Filz-Papier-Filz-Pakete aufeinandergestapelt. Im nächsten Arbeitsschritt werden die einzelnen Papierbögen auf Löschpapier gelegt und regelmäßig gewendet. Zum Schluß werden die Blätter zum finalen Trocknen aufgehängt.
Soweit - so einfach. Die Kunst des Papiermachens ist weder kompliziert noch technisch überdurchnschnittlich aufwändig. Das Geheimnis besteht in der Ausführung, der Ruhe und Ausgeglichenheit des Papiermachers. Man denkt unweigerlich an buddhistische Lehren und spirituelle Regeln. Der Papiermacher inmitten seiner Bottiche, die weiße Schürze schützt die Kleidung vor dem klebrigen Brei, das große Sieb in rythmischen und wohl dosierten Bewegungen hin- und herwiegend bis die Fasern des Breis gleichmäßig verteilt sind. Schon dieser Vorgang trennt den Amateur vom Profi, zeigt, weshalb sich in 150 Jahren Papierproduktion die Qualität des Papiers auf einem so hohen Niveau entwickelt hat.
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Das Angebot von Papiermacher Follmer umfasst nicht nur farbliche Varianten. Er fertigt auf Wunsch auch unterschiedliche Qualitäten:
- Baumwolle, Flachs, Hanf oder Lumpen
- Holländermahlung
- neutrale Leimung
- lichtechte Pigmentfärbung
- vierseitiger Büttenrand
- Kundenwasserzeichen
- mehrlagige Papiere
Ein Ausflug in die Geschichte der Homburger Papiermanufaktur:
1852
Johann Follmer schöpft aus Lumpen und Bastleinen Papier. Die Mühle steht mitten in den Weinbergen Homburgs. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglicht Johann Follmer die Beschäftigung von sieben Mitarbeitern. Die Manufaktur stellt "Conceptpapier" und Kanzleipapier her.
Mit Aufkommen der Massenproduktion treten erste wirtschaftliche Probleme auf, die zunächst durch Investitionen in eine Rundsiebemaschine aufgefangen werden können. Das Produktsortiment wird um Büttenpapiere, farbige Aktendeckel und Filterpapier erweitert.
1910
Johann Follmer schöpft das letzte Blatt Papier per Hand. Johann's Sohn Hermann übernimmt die Manufaktur und produziert Akten- und Packpapier auf maschinelle Weise.
1975
Hermann Follmer schließt die Homburger Papiermanufaktur.
1995
Johannes Follmer verhindert den Abriss der Mühle.
1997
Restauration der Mühle und Eröffnung als Industriemuseum. Nach 90 Jahren Stillstand wird in der Homburger Papiermanufaktur die Papierproduktion wieder aufgenommen. Die Produktion von Hand nach traditionellen Regeln wird einerseits vor Museumsbesuchern durchgeführt. Johannes Follmer sieht sich allerdings hauptsächlich als Produzent von exklusiven und individuellen Papier-Produkten.
Text: Ralf Bernert
Fotos: Homburger Papiermanufaktur/Claudia Renetzki
www.homburger-papiermanufaktur.de























