Helge Ott
Helge Ott: Ästhetik in Silber
Markant die Gesichtzüge, extravagant im Entwurf des Designs, extrem feinfühlig in der Ausführung. So kann man in aller Prägnanz den Silberschmied Helge Ott skizzieren.
München im Januar 2006
Der gebürtige Münchner kreiert Tischgerät aus Silber und Tombak. Und dies erfüllt nicht nur als Gebrauchsgegenstand, beispielsweise als Vase oder Schale, seine Funktion. Gleichzeitig, ganz zweckfrei, vermittelt es als Gegenstand der Meditation und Kontemplation innere Ruhe. Dabei strahlt jedes Objekt eine unnachahmliche Sinnlichkeit, Klarheit und Vollkommenheit aus. Zudem gelingt es dem Silberschmied, seine "Raumkörper" nicht nur im sie umgebenden Raum wirken zu lassen. Vielmehr nimmt das jeweilige Objekt durch seine extravagante Formgebung den Raum in sich auf. Exemplarisch hierfür stehen die unten abgebildeten Vasen. Gerade die Vasenskulptur in quadratischer Form mit quadratischem Durchbruch (s. Bild unten rechts) verdeutlicht die Integration des Raumes bei gleichzeitigem Durchdringen desselben.
![]() |
![]() |
Helge Ott interpretiert elementare Grundformen wie das Quadrat oder die Kugel auf eine sehr individuelle Weise, und immer getreu dem Motto "weniger ist mehr". "Dadurch wird die sinnlich erfahrbare Qualität des Objekts gesteigert", so der Kunsthandwerker. Das Thema "Quadrat" samt seiner mannigfaltigen Variationen beschäftigt den Künstler seit einigen Jahren. Vollkommenheit ist es, wonach der 1991 mit dem Bayrischen Staatspreis ausgezeichnete Silberschmied sucht. So nimmt Otts innerer Prozess der Ideenfindung etliche Wochen in Anspruch. Weitere Wochen widmet sich der von der Kunstakademie München anerkannte Freie Künstler der anschließenden adäquaten Umsetzung. Die von ihm als optimal empfundene Form ist spannungsreich und sinnlich. Sie birgt in sich die Dualität von Ruhe und Bewegung, von Geschlossen- und Offenheit sowie von Schwere und Lebendigkeit. Darüberhinaus ist sie eine Reduktion auf das Wesentliche. Für den Perfektionisten liegt gerade im Weglassen von allem Überflüssigen die Kunst.
![]() |
![]() |
Alle Werke des Künstlers Helge Ott sind von Hand getrieben, montiert und hartgelötet. Motivation für seine Arbeit liefert ihm "das Prozesshafte", wie Ott den Weg von der ersten Inspiration über viele Schritte hin bis zum vollendeten Stück beschreibt. Als einmalig empfindet er die Resonanz des Betrachters, die er mit seinen Objekten hervorruft - mehr noch, wenn er im begeisterten Käufer "ein lebendes Pendant zur immanenten Ausdruckskraft seines Werkes" findet.
![]() |
![]() |
Ganz aktuell ist Otts sehr plastisch gestaltete Serie von Ringen aus Gold und Silber verbunden mit Rohdiamanten. Sein besonderes Interesse gilt hier "dem Kontrast der quadratischen Grundfläche der Ringe zu der organisch verarbeiteten Goldoberfläche sowie dem Schimmern der Rohdiamanten, die durch die Goldfläche durchzubrechen scheinen." Ferner legt der Silberschmied auch hier großen Wert auf die dreidimensionale, skulpturale Wirkung. Das Schmuckstück eröffnet dem Betrachter aus jeder Perspektive einen anderen Eindruck. Die Trägerin erfährt neben dem schmückenden Aspekt ein sinnlich haptisches Erlebnis.
![]() |
![]() |
Text: Corinna Keller
Fotos: Helge Ott, Ralf Stadtkowitz



























