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Handwerk - Glas / Keramik

  Marcel und Andi Biland: Die Freien

Starke Farben und schwungvolle Formen mit spiraligen Farbstreifen sind typische Erkennungsmerkmale der Glasobjekte von Andi und Marcel Biland. Jedes Glasobjekt ist ein Unikat, denn es wird nicht in vorgefertigte Holzformen sondern frei geblasen.

 


 

Marcel Biland, ist derjenige, der die kunsthandwerkliche Ausbildung an der Lampe in Zumikon genossen hat. Der heute 51-Jährige hatte bereits in den Jahren 1976 bis 1978 sein eigenes Glasatelier in Zürich, bevor er eine weitere Ausbildung zum Glashüttentechniker in Zwiesel in Angriff nahm und im Anschluss Lehrlinge in der Glashütte Hergiswil ausbildete. Andi Biland, eigentlich gelernter Elektromonteur und Informatiker, ließ sich jedoch so sehr in den Bann der Glaskunst seines 6 Jahre älteren Bruders ziehen, dass sich die beiden Geschwister 1985 entschlossen, ihr eigenes Glasstudio in der alten Telefonzentrale der Boniswil AG zu eröffnen. Sie errichteten einen Schmelzofen mit 150 Kilogramm Glasinhalt und zwei Auskühlöfen.

 

 

Bild oben links: Strahlend wirkt diese tiefe Schale in den Farben Gelb und Blau. Auf das weiße Trägerglas wurden in alter, venezianischer "Stäbchen-Technik" die farbigen Glasstäbchen aufgeschmolzen. Das Weissglas lässt ein lebendiges Licht-/Schattenspiel zu.

 

Bild oben rechts: Eigenwillige Effekte erzeugten die Glaskünstler Biland bei dieser Vase durch die Anwendung sowohl der "Murrine-Technik", bei der mehrfarbige Glasscheiben aufgeschmolzen werden, als auch der "Millefiori-Technik" bei der die Scheibchen Blumenmotive aufweisen. Der untere getreifte Rand entstand durch Verschmelzen von Farbstäbchen mit dem Trägerglas.

 

Bis an die Grenzen des Machbaren nutzen die Glaskünstler die Zentrifulgalkraft beim Rotieren an der Pfeife, um bewegte, lebendige Formen aus buntem Glas herzustellen, die ihresgleichen suchen. Von Mal zu Mal beschwingter wenden die Beiden ihr Glasmacherwerkzeug an, um virtuose Glasobjekte in alten venezianischen Techniken, zum Teil mit schwedischen Einflüssen, aus den Schmelzöfen zu zaubern. Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen und angespornt von der wachsenen Studioglas-Szene vor allem in den USA und Japan, erschließen sich die Bilands im Laufe der Zeit immer mehr gestalterische Möglichkeiten und produzieren Glaskunst auf höchstem Niveau.

Ihre Faszination an der Materie Glas teilen die beiden ungleichen Brüder regelmäßig mit den Besuchern ihrer zahlreichen Ausstellungen nicht nur in ihrer Heimat, der Schweiz, sondern in ganz Europa sowie den USA.

 

 

Bild oben links: Einen gläsernen Traum erschufen die beiden "Schwerarbeiter" Biland bei großer Hitze (die Ofen-temperatur beträgt 1180° Celsius) und höchster Anspannung. Die ursprüngliche Trichterform des Klarglaskolbens mit aufgeschmolzenen farbigen Glasstäbchen veränderte sich durch mehrfaches Erhitzen und Kühlen sowie durch Rotieren in Wandstärke und Form. Der Kolben in Kürbisform öffnete sich langsam zur Glocke und weitete sich endlich zur Schale in Blütenform. Im Auskühlofen musste sich die Glasschale bei 470° Celsius an ihren neuen Zustand gewöhnen. Weitere 15 Stunden waren notwendig, um sie auf Zimmertemperatur abzukühlen. Erst dann war das Werk vollendet.

 

Bild oben rechts: Auch hierbei handelt es sich um kunstvolle Glasobjekte aus dem Glasstudio Biland, diesmal jedoch mit Silber verschmolzen. Lebhafte Akzente erhielten die Unikate durch Aufschmelzen von bunten Glasscheibchen, die je nach Rotationsgeschwindigkeit des Blasrohrs mehr oder weniger in einander verflossen.

 

 

Text: Corinna Keller

Fotos: Marcel Biland

 

www.glasstudio.ch

 

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