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Handwerk - Glas / Keramik

 

 Heiner Düsterhaus: Der Macher

Ungeduldig, experimentierfreudig und beharrlich. Heiner Düsterhaus ist fasziniert von Glas und schafft faszinierende Glasobjekte.

 

Hamburg im Dezember 2005

Was hat das Insekt im Bernstein mit den Glasobjekten von Heiner Düsterhaus gemein?

Es ist die Botschaft, die Generationen überdauert. Es ist die Natur, zu grafischen Motiven vereinfacht, die ihren Ausdruck in einer elementaren Materie findet. Und diese Materie spiegelt einen Reichtum an Farben und Formen wider, der keinen Menschen gleichgültig lässt.

 

 

 

Ungeduldig, experimentierfreudig und beharrlich - schon von Kindesbeinen an widmete sich Düsterhaus dem faszinierenden Material Glas. Dabei waren blutige Finger seinem schon früh feststehenden Berufswunsch keineswegs abträglich, denn nur wer berühren kann wird begreifen. Heiner wollte schlicht etwas mit Glas machen! Also ließ er sich zum Glasmaler mit Meisterprüfung in Hadamar ausbilden. Sein anschließendes kreatives Wirken "beschränkte" sich zunächst auf seine Tätigkeit als Designer in der Hohlglasindustrie und die Entwicklung von überwiegend gepresstem Hohlglas, sprich: konsumorientierte Massenware. Und wer Heiner Düsterhaus kennt, weiss, dass ihn dies auf Dauer nicht zufriedenstellen konnte.

Zahllose Experimente mit Edelmetallen (Gold und Platin) sowie mit Lüsterfarben folgten. ("Lüster" sind lackartige Flüssigkeiten, die als wesentliche Bestandteile Metalle in gelöster Form enthalten. Sie werden als die "Romantiker" unter den Farben bezeichnet, aufgrund ihres einzigartigen schillernden bis irisierenden Glanzes.) Anregungen zu alten Techniken fand der Künstler in einschlägigen Büchern. Vorbild waren unter anderem Arbeiten des Glastechnologen und Erfinders der Kupferrubinbeize, Johann Kunkel, und auch die böhmischen Zwischengoldgläser der Biedermeierzeit.

 

Und endlich wurden diverse Galerien auf Düsterhaus aufmerksam. Jürgen Walther, sein damaliger Chef in Siebenstern, bot ihm schließlich die Chance, sein Kunsthandwerk über die neu gegründete Firma Vera Walther, Manufaktur für kunsthandwerkliches Lampenglas, zu vertreiben.

 

 

 

Seit Beginn der 90er Jahre fertigt der Glaskunsthandwerker nun Unikate und Kleinserien in Fusingtechnik an, die nicht nur seinen hohen Ansprüchen genügen sondern zudem als vollkommen eigenständiger Beitrag zur Glaskunstszene Deutschlands betrachtet werden können.

 

 

Die Glasobjekte aus Düsterhaus Manufaktur bestehen aus drei bis acht miteinander verschmolzenen Glasschichten mit einer Stärke von je 4mm. Der leichte Grünstich des Glases rührt vom Eisenanteil im Sand her.

Als "Fusingtechnik" bezeichnet man eine Technik, in der Glas mit etwas verschmolzen wird. Das können nebeneinander gelegte Glasstangen oder Streifen sein oder auch übereinander gelegte Scheiben. Ausgangsmaterial ist immer normales Fensterglas, sogenanntes "Floatglas".
Nach dem Reinigen belegt der Glaskunsthandwerker im ersten Arbeitsschritt die einzelnen Scheiben mit Gold oder Platin. Anschließend folgt der Brand im Fusingofen bei etwa 800°.
Im zweiten Arbeitsgang, also nach dem ersten Brand, bemalt der Künstler das Floatglas mit Oxidfarben oder graviert seine Botschaften in Form von Zeichnungen in das Edelmetall ein. Dann wird das Kunstwerk mit einer oder mehreren Glasscheiben abgedeckt und erneut gebrannt. Viel Geduld (24 bis 36 Stunden) und Erfahrung erfordert das anschließende kontrollierte Abkühlen des Glasobjektes, um Spannungen zu vermeiden.
Den letzten Schliff erhält das nicht mehr zu verändernde Bild aus mehrschichtigem Glas durch eine sogenannte "Rahmung". Die Kanten werden geschliffen, das Objekt ein weiteres Mal langsam erhitzt. Je nach angestrebter Form (Teller, Schale, Vase) wird das Unikat auf eine keramische Form gelegt. Durch sein Eigengewicht sinkt das Glas in die vorgegebene Keramikform und passt sich dieser an. Ergebnis ist ein vollendetes Einzelstück aus Künstlerhänden mit eingeschmolzenen Botschaften auch für die nächsten Generationen, dem Umweltbelastungungen, UV-Strahlen und Säure nichts anhaben kann.
Text: Corinna Keller
Fotos: Heiner Düsterhaus
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