Lamborghini Reventón
Des Teufels Rakete: Lamborghini Reventón
Fern jeder Vernunft, jeder Ratio und jeder Freude an Romantik werden zwanzig Menschen von nun an beim Anblick ihrer neuen Errungenschaft zuerst auf die Knie fallen und anschließend dem Gott der Extreme für diesen Mann auf vier Rädern danken.
Hamburg, 05.12.2008
Ja, genau so wird es gemacht. Keine Kompromisse, kein Mitleid, keine Schwäche und schon gar keine Zurückhaltung. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung sind Nachrichten über erfolgreiche Produkte eher selten. Um so schöner, wenn ein Unternehmen mit einem mutigen und spektakulären Produkt ein Zeichen setzen kann.
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Last of line: links oben kurz vor dem Abschied. Der letzte der glorreichen Zwanzig aus Sant`Agata Bolognese. 22 Reventón wurden gebaut, ein Exemplar steht im Museum, ein weiteres Model leistet seinen Dienst als Testwagen im Werk und der Rest verdreht Sportwagenfans aus aller Welt den Kopf, lässt sich in Sammlergaragen bewundern oder verwandelt private Rennstrecken in Einflugschneisen für zivile Kampfwagen mit der Lizenz zum extremen Tiefflug.
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Der Super-Über-Drüber-Sportwagen. Es gibt schnellere, teurere und auch hübschere. Die meisten sind ohne Geschlecht, vielleicht als exklusive Accessoires für die Auffahrt vor dem Hotel geeignet. Der Reventón dagegen ist männlich. Außen knallhart - innen hightech. Wer damit vor dem Atlantic in Hamburg vorfährt, hat beste Chancen auf den Titelseiten der hanseatischen Lokalpresse zu landen.
Muss man über die Technik des Reventón Worte verlieren. Eigentlich ja, denn die Entwickler im Lamborghini-Werk haben die Kleinserie mit zahlreichen Features und einer enorm starken Maschine ausgestattet.
Die Lufteinlässe zum Beispiel kann man eigentlich so nicht nennen. Schlund passt besser. Der Rennwagen ist süchtig nach frischer Luft, wie ein Segelboot ohne Hilfsmotor. Die Abhängigkeit vom kühlen Odem kann man wohl kaum besser kommunizieren und damit auch gleich den sportlichen Anspruch. Die komplette Hülle des Lamborghini spricht Klartext, kein Nuscheln, keine Rechtfertigung à la AMG oder Brabus. Hier kommt kein gepimpter Mercedes-Benz oder ein Handschmeichler aus Molsheim. Der Kampfstier aus Sant´Agata kommt mit permanent gesenkten Hörnern daher, das rote Tuch ist überflüssig.
Fotomodel, Gleichnis, Synonym, Statement, Eye- und Earcatcher. Und so weiter. Wenn es Brot- und Butterautos gibt, dann ist dieses Ding ein Kugelfisch. Nur von Spezialisten zu genießen, wer das Reventón-Menü zubereitet, sollte wissen was zu tun ist.
Wie gesagt, es gibt schnellere Autos, aber keines legt derart ungeniert den Finger in die Wunde. Zögern, hadern und mit halbem Herzen sollte niemand dieses Ausrufezeichen der automobilen Sprache setzen.
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Ein paar Fakten für Fans und weiter unten die Bildgalerie:
Das gesamte Werk ist eine Collage. Der Streitwagen mit Visier, der Computer mit emotionaler Kompetenz und die mobile Statue. Verbundstoffe, Nieten, LEDs, Kanten, Pfeile und Kiemen. Bionik und Militär als Vorbild oder sogar umgekehrt. Könnte das italienische Pentagon bald seine Gegner vor sich her treiben. So wie die Schotten damals mit den bagpipes Angst und Schrecken unter den Engländern verbreitet haben. Ein Gegner des modernen 007 dürfte leichtes Spiel mit dem DBS haben.
Im Innenraum siegt die Zukunft. Was die Franzosen oder auch der Lagonda in den 70er und 80ern versucht haben, macht im Reventón Karriere. Rund ist out. Chrom und Carbon sind nur noch im Taxi schick, der äußere Schein trügt nicht, das Cockpit ist ein echtes Cockpit, dem nur noch das HEAD-UP fehlt, was allerdings bei der extremen Neigung der Windschutzscheibe leider nicht realisierbar ist. Deshalb blickt der Fahrer auf TFT-Technik. Die ist nicht neu aber als Träger für Autoinstrumente eine extravagante Lösung. Neben den üblichen Parametern werden als Bonbon noch die Beschleunigungskräfte optisch verkündet. Die Heldentat mit Beleg. Dabei ist der Kauf des Reventón schon eine Auszeichnung des besonderen Geschmacks. Die Fahrleistungen sind enorm, der Baustil spektakulär; jeder Architekt träumt von einer einzigen Chance, ein Objekt dieser Konsequenz einmal auf die Beine zu stellen.
Die technischen Daten (laut Hersteller):
Motor: 12-Zylinder
Hubraum: 6.496 ccm
Leistung: 650 PS/478 kW
Drehmoment: 660 Nm
Getriebe: 6-Gang mechanisch
Highspeed: 340 km/h
0-100 km/h: 3,4 s
Länge: 4.700 mm
Breite: 2.058 mm
Höhe: 1.135 mm
Radstand: 2.665 mm
Leergewicht (trocken): 1.665 kg
Leistungsgewicht: 3,48 kg/kW
Text: Martin Ring
Fotos: Lamborghini
























