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Automobile - Klassiker

  Des Grafen schlanker Schuh

Er ist selten, sehr exklusiv und bildschön. Der BMW 507 verkörpert wie kaum ein anderer Roadster den opulenten und eleganten Stil der späten Fünfziger. Exclusive-Life Fotograf Johannes Riedel und Autor Michael Kratz stellen den bayrischen Beau auf ihre jeweils ganz eigene Art vor.


 

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Es waren nicht die ruhigsten Zeiten in die Albrecht Graf Goertz den BMW 507 und den 503 hineinzeichnete. Die Käfer lernten das Krabbeln, Deutschland war der Nato beigetreten, und das deutsche Wirtschaftswunder nahm noch Luft. Da entstand unter der Ägide des Grafen der traumhaft schöne BMW 507, und setzte mit seiner geschwungenen Form, bei seiner Premiere im New Yorker Waldorf- Astoria  das Publikum und die Fachwelt ins Verzücken. Ebenso auf der 1955er Frankfurter IAA, wo der 507 zusammen mit dem 503, ebenfalls vom Grafen gezeichnet, und als Coupé und viersitziges Cabrio gestaltet, eine kleine Sensation hervorriefen.


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Max Hoffman der damalige BMW Generalimporteur für die USA hat den Designdeal mit dem Grafen und BMW eingefädelt. Der Graf der unter anderem beim legendären Raymond Loewy, dem Designer der Coca-Cola Flasche, gewirkt hatte, arbeitete zu dieser Zeit in seinem eigenen Design-Studio. Durch die beiden BMW Design Ikonen, dem BMW 503 und dem 507, wurden auch die Japaner auf den Grafen aufmerksam, und aus diesen Verbindungen heraus, entstand dann später noch der Datsun 240 Z. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

Sportlich, elegant und kultiviert

Die Kernattribute der BMW Autos fanden im 507er ihre Entsprechung. Er kam insgesamt schlanker und leichtfüßiger daher als sein direkter Konkurrent der Mercedes 300 Sl Roadster, dem die Rennsportgene eher ins Gesicht geschrieben waren und diese auch lautstärker intonierte. Das Design der beiden unterscheidet sich in der ästhetischen Anmutung, so wie ein Bally- von einem Tods-Schuh. Trotzdem ging  sich für den BMW 507 immerhin ein Bergrekord beim Freiburger Schauinsland-Bergrennen, und diverse Siege bei anderen Bergrennen, durch den „Bergkönig“ genannten Hans Stuck, vormals Vorkriegs-Auto Union Grand Prix Werksfahrer, aus.
Der war auch gleichzeitig, jetzt immerhin schon 55-jährig, von BMW als Verkäufer für den BMW 507 engagiert worden.

 

 

Viel muss er allerdings nicht bekommen haben, denn im Gegensatz zum 300 SL Roadster, der an die 1800mal in den USA und Europa, verkauft wurde, kam der BMW 507 gerade mal auf 251 Exemplare. Das lag wohl zu der Zeit auch an dem inkonsistenten Markenbild von BMW, zwischen Isetta und Barockengel, dem es noch an der heutigen Strahlkraft des weltweit grössten Premiumherstellers, mangelte.

 

Mehr für Schöngeister denn für Rennfahrerhelden

Das hielt jedoch einige feinsinnige Herrschaften der damaligen Zeit nicht davon ab sich einen BMW 507 zu gönnen.
Ein bisserl Namedropping in diesem Zusammenhang. Zelluoid-Ikone Clark Gable liess sich im 507 vom Wind umwehen. Frankreichs Film-Beau Alain Delon führte in ihm seine Romy nach Deauville, und der Stuttgarter Psychiater und Kunstsammler Ottomar Domnik, der ein Leben lang auf der Suche nach dem perfekten Auto war, aber es auch im 507 nicht endgültig fand. Ach ja, bevor es uns entfällt, Elvis Presley hatte auch einen, wenn auch nur als Leihgabe.

 

Mehr Cruiser denn Racer

Im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Mercedes 300SL war der 4,38 Meter lange 507 kein Sportwagen, sondern eher ein offener Gleiter.

Das 3,2 Liter große Triebwerk ist  nicht derart agil und bissig wie das des 300 SL oder der gerade einmal 80 PS starke Vorgänger BMW 328. Der große Bayern-V8 will gedreht werden. Dann begeistert er mit sattem Klang und ansprechenden Fahrleistungen. Wer es darauf anlegt, beschleunigt den 1,2 Tonnen schweren Hecktriebler deutlich über die Marke von 200 km/h. Der Genuss bei niedrigeren Geschwindigkeiten und offenem Dach ist jedoch ungleich größer.
Zwischen 80 und 120 km/h schlägt sich der 507 besonders prächtig. Der Fahrer genießt zusammen mit der Co-Pilotin seiner Wahl den Ausblick sowie das ebenso aufgeräumte wie sehenswerte Cockpit mit seinen drei Runduhren für Tempo, Uhrzeit und Drehzahl.

 

 

Wiedergeburt des Designs im Z 8

Das Design des 507 setzte jedoch nicht nur im Hause BMW Maßstäbe. Trotz seiner Dimensionen und des V8-Triebwerks unter der langen Motorhaube wirkt der Bayer gerade bei geöffnetem Dach filigraner denn je. Obligatorisch die erstmal in die Breite gehende  Doppelniere, die seitlich verchromten Luftauslässe, das zierliche Heck und die Sitzposition knapp vor der Hinterachse.

Seine Wiederauferstehung feierte der Bayern-Beau vor knapp zehn Jahren, als sich der damalige BMW-Designer Henrik Fisker bei der
Kreation des neuen BMW Z 8 am zeitlosen Design des 507 orientierte.  Ein Exemplar des BMW 507 heute zu ergattern, löst bei verkaufswilligen Besitzern, heutzutage sicherlich Preisvorstellungen jenseits der 600.000 Euro Marke aus. In diesem Punkt ist der 507 dem 300 SL Roadster nun voraus. Auch der jetzt schon wieder als Klassiker anzusehende Design-Nachfolger BMW Z 8 erweist sich als erstaunlich preisstabil.

 

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: V8 Leichtmetall

Leistung: 110 kW/150 PS

Highspeed: 210 km/h

Preis 1957: 26.500,00 Euro

Stückzahl: 251 + 1 Prototyp

Preis heute: ab 750.000 Euro

 

Im Kontext:

Fahrbericht: BMW M1

 

Text: Michael Kratz
Fotos:Johannes Riedel

www.jr-photodesign.de

www.bmw-classic.de

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