Wie bringt man einem 25-Jährigen ein Ständchen, wenn der nur die Melodie swingender Ventile versteht? Ganz einfach, mit einem Tänzchen auf der Nordschleife.
Exclusive-Life war zu Gast auf einer schwungvollen Geburtstagsfete und hat dem Jubilar standesgemäß gratuliert.
Nürburg, 11.11.2009
1984, vor 25 Jahren, wurde die GP-Strecke des Nürburgring eröffnet, ein Milliardenkredit an die DDR gewährt, Jens Weißflog gewinnt die Vierschanzentournee und BMW verschafft der 5er Limousine Flügel.
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Die Einladung war schlicht, ein Anruf mehr nicht. "Wir wollen den 25. Geburtstag des M5 ein wenig feiern und freuen uns, wenn Sie Zeit haben." Nein, eine gigantische Torte oder ein rauschendes Fest haben wir nicht erwartet. Understatement, ein Treffen unter Kollegen von damals und heute. Dazwischen ein paar Journalisten. Paul Rosche, Jochen Neerpasch und weitere Väter der M GmbH sind gekommen. Man sieht Menschen in sportlichen Jacken mit Rennstreifen und dem modifizierten Propeller der M GmbH, die am Anfang noch Motorsport GmbH hiess, in den Regalen an der Wand ein Mac-Rechner, ein gigantisches Mobiltelefon, für das man heute einen Waffenschein braucht und eher schüchtern ein Einzelstück, das heute bestaunt, damals als Projekt verworfen wurde, ein M5 Cabriolet.
So schlicht die Einladung, so bodenständig die Location oder besser der Ort. Mitten in Nürburg, einige Meter vor der Pistenklause und in Sprungweite zur Nordschleife, wird dem M5 gratuliert. Ohne Schampus und ohne lange Reden. Kay Segler, heutiger Chef der M GmbH spricht von Tabus und Brüchen, von Emotionen und Qualität. Als 1984 aus dem M1 das Herz in den ersten M5 verpflanzt wurde, konnte man das Kopfschütteln in den Chefetagen bis zur Küste sehen. "Vier Türen und Sportwagenwerte, das passt nie zusammen." Es passte doch und passt natürlich noch heute.
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Der erste hiess noch 535i und rockte die Landstraße mit 286 Pferdchen, brauchte 6,1 Sekunden bis die Nadel die 100er Markierung erreichte und bei 251 km/h war der Drops gelutscht, sprich der 911er-Fahrer traute seinen hinter der Pilotenbrille versteckten Augen nicht. Leider haben wir vor Ort keinen entsprechenden Zuffenhausener aus seiner Garage locken können, aber ein paar Runden auf der Nordschleife und anschließend durch die Indian-Summer-Eifel-Landschaft erfreuen das Herz im Gasfuß. Das Geburtstagskind läuft wie ein Uhrwerk, entfaltet seine Talente frei und ohne Mucken. Ein junger Kollege wundert sich über das "fette" Lenkrad und ist beeindruckt ob der klaren Kommunikation zwischen Auto und Mensch. Die 1,4 Tonnen BMW lassen sich fast spielend durch die Kurven der Nordschleife zirkeln, nur direkt hinter den Sprunghügeln ist Vorsicht geboten. Der Tritt auf die Bremse erfordert doch ein spürbares Maß an Sensibilität.
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Der Wechsel zum Nachfolger, bei BMW intern E28 getauft, macht deutlich, dass die Bayern damals auf das richtige Pferd gesetzt hatten. War der erste M5 noch als Knabe einer jungen Modellreihe unterwegs, wurde der neue M5 deutlich erwachsener platziert. Mit Kat, wuchtigen Rädern und sportlichen Einzelsitzen im Fond wurden 315 PS aus dem Motor des M1 gekitzelt. Die höhere Leistung des BMW war dank des größeren Hubraumes möglich, das noch straffere Fahrwerk und die um 20 Zentimeter tiefer gelegte Karosserie sorgte für mehr Sport und Freude.
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8079 M5 waren bereits auf den Straßen unterwegs, als 1991 mit der dritten Generation ein 340-PS-M5 vorgestellt wurde. Mehr Hubraum, mehr Drehmoment und weniger Zeit von 0 bis 100 km/h. 5,9 Sekunden, ein Wert den man Anfang der 90er mit der Lupe suchen musste. Der Porsche 964 lieferte damals 250 PS und beschleunigte in 5,7 Sekunden auf Tempo 100. Auf der Nordschleife werden wir heute keine Spitzenwerte mehr erreichen; achtzehn Jahre nach seinem Einstand soll uns der dritte M5 von seinen Talenten erzählen. Immerhin stecken im neuen Bayer moderne Helfer, die das Fahrwerk mit elektronischer Hilfe auf Nordschleifen-Stimmung heben. Für die sehr sportliche Extra-Runde nach einem harten Bürotag. Für M5-Fans mit extra langen Gepäck wurde sogar erstmals ein Touring-Modell angeboten, mit nahezu gleicher Leistung und der gleichen Exklusivität behaftet. Alle M5 wurden und werden per Hand montiert.
Nun steht der E39 vor uns. Mit einem V8 unter der Haube und 400 PS Leistung als Beleg für extreme Sportlichkeit. Die Nähe zum aktuellen M5 ist deutlich sichtbar, die Distanz zum Ur-M5 ebenso. Den Titel "Stärkste Limousine der Welt" hatte sich der 500-Nm-Dampfhammer redlich verdient. Seine Kräfte sind auch nach zehn Jahren noch hoch beeindruckend. Die Computer-Technik in Form des DHC stellt dem Fahrer eine interessante Aufgabe, an oder aus. Während andere Hersteller die Fangleine niemals einholen, kann der BMW-Fahrer seine Kompetenz selbst erfahren. Im E39 ist die Lust nach freier Entfaltung der Kräfte deutlich spürbar und wer, wie wir, eine Nordschleife unter den 18-Zöllern hat, lässt den Gasfuß hier und da sein Werk verrichten und ist in jeder Kurve fasziniert von derart klarer und präziser Sportlichkeit. Später auf der Landstraße dann die Gegenprobe. Der E39 hat im Vergleich zu seinen Vorgängern viel an Sportlichkeit gewonnen und trotzdem seine Langstreckentauglichkeit bewahrt.
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Zehn Zylinder und 507 PS. Die Formel 1 lässt grüßen und damit keine falschen Gerüchte aufkommen, der nächste M5 wird keinen 12-Zylinder-Motor unter der Haube tragen. Die Runden auf der Nordschleife sind spannend, weil der Vergleich mit dem ersten M5 nicht zu vermeiden ist. Zwischen beiden liegen Welten und doch verbindet beide der rote Faden: Businessclass auf Speed. Der aktuelle M5 glänzt mit Head-Up-Display, Extrem-Drehzahlen jenseits der 8.000er-Marke, elf Fahrprogrammen und und und. Man kann vor der Fahrt eine Checkliste abarbeiten und dann eine der faszinierendsten Limousinen der Welt durch das Nadelöhr der Nordschleife jagen.
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Kurz vor Abschluss der kleinen Feier ist noch einmal Herzrasen angesagt. Claudia Hürtgen, Rennfahrerin und Ring-Taxi-Pilotin, rollt mit einer Torte vor. Ein wild lackierter M5 mit Spezial-Motor und mehr als 600 PS unter der Haube lädt zu einer "Unter-Acht-Minuten-Runde". Der Extrem-M5 zeigt uns, was ein Profi mit einem M5 so alles anstellen kann und welche Leistungen in einem BMW-Motor stecken können. Und wieder sind wir bei den Anfängen des M5 und Paul Rosche, dem Vater des Gedanken. Aus einer viertürigen Limousine kann man durchaus einen Sportwagen machen. Man muss nur wollen.
Text: Ralf Bernert
Fotos: BMW/Ralf Bernert


























