Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Automobile - Fahrberichte

 

 Fahrbericht: Rolls-Royce Phantom 

Wenn die Queen Mary 2 in Hamburg festmacht, stehen Tausende im Hafen Spalier. Britische Pracht beeindruckt eben. Dass diese Faszination nicht nur von Schiffen ausgeht, haben wir drei Tage lang erlebt, weshalb unser Bericht über den Rolls-Royce Phantom eher ein Erlebnis- denn ein Fahrbericht ist. (mit Video und Bildgalerie)

 

Hamburg im Oktober 2005

Während wir das britische Phantom durch Uhlenhorst bewegen, überträgt der NDR eine Live-Reportage über den Besuch der Queen Mary 2 im Hamburger Hafen. Ein Spezialist der Werft erklärt, wie der vornehme Ozeanriese in die Werkstatt, bzw. das Trockendock bugsiert wird. Stahltrossen an allen Seiten, auf Kränen links und rechts stehen Werftarbeiter und halten Ausschau nach Engpässen zwischen Schiffs- und Dockwand. Der Lotse an Bord wird sicher sehr bewegt sein.

 

 

 

Ich kann das beurteilen. Zwar habe ich kein Wasserfahrzeug manövriert, aber die Parallelen sind schon erkennbar. Als ich vor einigen Tagen beim Autohaus Tamsen in Hamburg den britischen Pracht-Kreuzer mit Namen Rolls-Royce Phantom abholte, sah ich zunächst nur Motorhaube und ganz weit vorn eine Galions- oder besser Kühlerfigur, "Spirit of Ecstasy" oder auch "Emily" genannt.

 

 

 

Alexander Stopka, Verkaufsleiter bei Tamsen, sitzt neben mir auf dem Beifahrersitz und erklärt Knöpfe, Schalter und Funktionen. Dann reicht er mir die Hand, steigt aus und wünscht mir viel Freude. Der Lotse verläßt das Auto. Allein auf dem Hof des Autohauses. Den Hebel rechts am Lenkrad kurz nach unten, vorher Motor starten per Knopf links außen, dann elektronische Handbremse (ebenfalls per Knopf, ebenfalls links außen) lösen. Und dann. Der Motor läuft. Das höre ich zwar nicht, aber die "Power-Reserve"-Anzeige links neben dem Tacho steht bei 100 Prozent. Drehzahlen werden nicht angezeigt.

Jetzt also rollt sie los, die Spitze des Automobilbaus. Das schlanke Volant (Lenkräder werden in gewöhnlichen Autos montiert) liegt gut in der Hand. Es ist groß, aber dermaßen leichtgängig, dass die zu steuernde Masse (gut zweieinhalb Tonnen) in Vergessenheit gerät. Whow. Runter von Hof, rauf auf die Strasse. Mein LKW-Füherschein macht sich bemerkbar.

 

 

 

 Ich bin auf dem Weg zur Redaktion des Fachmagazins "Designers-Digest". Chefredakteur Klaus Tiedge wird den Rolls-Royce unter die Lupe nehmen und in seiner nächsten Ausgabe entsprechend würdigen: Phantom-Design heute und gestern.

Der Rolls-Royce parkt auf dem Hof. Einige Menschen schlendern vorbei. Mittagspause. Ein kurzer Spaß zwischendurch: Ein junger Mann inspiziert die Front, vermutlich auf der Suche nach Emily. Ihm kann geholfen werden. Ein Druck auf die oberste Taste des rechteckigen Schlüssels aktiviert die Zentralverriegelung und hievt die weltbekannte Kühlerfigur flott und elegant aus ihrem Versteck. Der junge Mann lacht. Vielleicht mag er Damen, die schnell zur Sache kommen.
Klaus Tiedge hat jetzt im Fond Platz genommen und dabei gleich einen Fehler gemacht. Er hat doch tatsächlich den Fond in herkömmlicher Art und Weise betreten. Das ruft nach Korrektur. Also noch einmal austeigen und das Ganze von vorn. Schnurstracks geradeaus führt der Weg zu den beiden Einzelsitzen. Zunächst mit dem rechten Fuß auf den flauschigen Teppich. Dann der linke hinterher. Anschließend eine Drehung um 90 Grad nach rechts. Und hinsetzen. Fertig.

 

 

 

 

 

Wir biegen ab auf die Autobahn. Stau. Wir stehen auf der mittleren Spur. Links neben uns ein Kleinwagen. Fahrer und Beifahrer diskutieren heftig. Ja, das ist ein waschechter Rolls-Royce. Der Kleinwagen bewegt sich weiter, die Besatzung bestaunt unbeirrt den Rolls-Royce und hätte beinahe den Vordermann gerammt. Die Schlagzeile am nächsten Morgen hätte vermutlich gelautet: "Rolls-Royce verursacht Unfall auf der A1." Der Stau löst sich nach einigen Minuten auf. Neben uns eine große Bürolimousine. Der Fahrer rümpft die Nase, ignoriert uns auffällig. Ich versuche möglichst cool auszusehen. Es gelingt mir nicht ganz.

Das ersehnte "No-limits-Schild" taucht auf. Kurze Info an meinen Passagier: "Wir verlassen jetzt die Stau-Geschwindigkeit und erreichen in wenigen Sekunden Tempo 240." Die zwölf Zylinder arbeiten ruhig und kräftig. Power-Reserve fünf Prozent. 250 km/h!!. Auf dem Datenblatt stehen 240 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Zeit von Tempo 60 bis 250 verging wie im Flug. Die Beschleunigung ist enorm.
Ich beneide alle Chauffeure des Phantom. Was für ein Arbeitsplatz. Sportlichkeit, britische Eleganz und technische Innovation überall. Das Fahrwerk lässt den Briten zwar bei kurviger Fahrt ein wenig schaukeln, aber das gehört dazu. Quasi die sanfte Umstellung von QM II zum Rolls-Royce. Man möchte ja schließlich nach einer mehrtägigen Kreuzfahrt nicht übergangslos den festen Boden unter den Rädern spüren.
Das Getriebe arbeitet ohne einen Mucks und bei Schaltstufe R stehen zwei Außenspiegel und eine Kamera am Heck zur Verfügung. Einparken, sofern das überhaupt notwendig ist, kann ohne Probleme und Lotse vollzogen werden.
Wir erreichen die Innenstadt. Schmale Straßen in Eppendorf und Uhlenhorst. Natürlich Jungfernstieg und Elbchaussee. Dazwischen Reeperbahn und Hafen. Überall Feedback. Ein prachtvoller Brite in Hamburg. Spalier stand niemand, aber wir wissen aus Erfahrung, die Hamburger mögen große und elegante Fortbewegungsmittel aus England, ob zu Wasser oder auf dem Land.

 

 

 

 

Die Schlaglichter:

Was wir mögen: Der Phantom kann locker mit der Queen Marry 2 mithalten

Was uns stört: Man sieht den Rolls-Royce viel zu selten auf Hamburgs Strassen

Was uns überrascht: Das sehr positive Feedback

Die Gegner: klassische Rolls-Royce

 

 

Rolls-Royce-Kenner wissen, was jetzt folgt: Die Leistung ist ausreichend, der Motor mit einem Dutzend Zylindern hat mit dem Gewicht des Phantom keine Probleme.

 

Für Statistiker hier noch einige Fakten (laut Hersteller):

Motor: V12

Leistung: 460 PS/338 kw

Speed: 240 km/h

Hubraum: 6749 ccm

Drehmoment: 720 Nm

0-100 km/h: 5,9 Sek.

Länge: 5834 mm

Breite: 1990 mm

Höhe: 1632 mm

 

Text: Ralf Bernert

Fotos: Ralf Bernert/Rolls-Royce Motorcars

 

www.rrec.de

www.rolls-roycemotorcars.com

 

 

 

Diese Seite bei folgenden Social-Bookmarking-Diensten hinzufügen:
Facebook

Zusätzliche Informationen

Banner